Erogen-Music: That`s the only drug
 |
| Chris Toxid und Chris Excess - auf ihrer Finca in Ibiza |
SiSA: "Hi Jungs. Ihr seid beide aus Augsburg. Kennt ihr euch schon aus dem Sandkasten oder wie und wann habt ihr zusammen gefunden?"
Chris Toxid: "Das war vor sechs Jahren. Da haben wir uns in München auf dem Air-Rave kennen gelernt, eine Techno-Party auf dem alten Flugplatz in Riem. Wir haben dort beide Music gemacht. Ich mache Music mit dem Keyboard und der Chris ist DJ - macht Music mit Samplern.
Er hat jemanden gesucht, der Mucke (= Music) macht mit Synthesizern und ich jemanden mit Samplern."
 |
| Chris Excess - ganz relaxed |
Chris Excess:
"So haben wir uns dann über einen Bekannten kennen gelernt, auf Anhieb gut verstanden und drei Stunden lang genial unterhalten. Sofort haben wir beide gemerkt, dass es einfach passt. Wir hatten zu der Zeit beide unsere Studios und nach zwei, drei Monaten haben wir uns gesagt: die Studios müssen wir zusammen legen. In der Reese-Kaserne haben wir schließlich im August 1996 einen Raum bekommen und den haben wir heute noch."
SiSA: "Wie seid ihr auf eure Künstlernamen Excess und Toxid gekommen und vor allem auf den erotischen Namen Erogen?"
Chris Excess: "Auf Erogen sind wir gekommen - das war auf einer legendären Party in Hamburg, die "Private Pussy-Party". Da sind wir eigentlich als "Reese-Cops" - so unser damaliger Name - gebucht worden. Jedoch wurde uns dort bewusst, das der Name nicht ideal genug war. So haben wir überlegt und sind dann auf den Namen Erogen gekommen. Es sollte ein Name sein, der unsere Aura wiedergibt. (spontanes Gelächter) Naja, natürlich brauchten wir auch Namen für uns als Einzelkünstler - eben Excess und Toxid. Erstens sollten diese etwas über unsere Person aussagen und außerdem klingen Excess und Toxid auch im Verbund gut. Unter diesen Namen wollen wir mal härtere Produktionen veröffentlichen..."
 |
| Chris Toxid macht es sich gemütlich |
Chris Toxid fügt hinzu: "... sogenannte Underground-Sounds machen, weg von der Erogen-Schiene. Erogen soll mehr auf der kommerziellen Seite laufen, Excess und Toxid mehr "technoid", wie man das nennt - fertig!" (grinst)
SiSA: "Ihr seid auch auf dem X-Large präsent gewesen. Wie hat es euch auf dem Festival gefallen? Spielt ihr lieber Live-Acts in Discotheken oder auf Open-Air-Festivals?"
Chris Toxid voller Begeisterung: "Was das angeht sind wir flexibel. In den Clubs ist es geil, auf den Open-Airs auch. X-Large war unser erstes Open-Air... und es war "brett", war ok, klar. In den Clubs ist die Atmosphäre anders, aber geil ist beides. Bisher haben wir hauptsächlich in Clubs gespielt, aber auch ein Open-Air ist kein Problem - wir spielen überall."
 |
| ... bei seiner Lieblingsbeschäftigung |
SiSA: "Wo seid ihr sonst schon überall 'rumgekommen?"
Chris Excess: "Wir sind wirklich schon viel `rumgekommen. Das kann man auf unserer Webseite ja sehen (www.erogen-music.de), aber gespielt haben wir noch nicht so viel. Wir waren in Techno-und Houseclubs und auf vielen Parties, wie zum Beispiel in Nördlingen auf dem Matrix-Rave "Big-Base". Da werden Hallen angemietet mit 1000 Leuten und dann wird Party gemacht, ansonsten halt in Clubs. Im Moment haben wir ca. einen Auftritt im Monat, aber das wollen wir noch mehr forcieren. Wir denken auch, dass in baldiger Zukunft noch mehr abgehen wird."
SiSA:"Was war euer größter Gig bisher?"
Chris Excess: "Das war in Nördlingen, da waren schon an die 2000 Leute. Ansonsten, die Clubs, in denen wir gespielt haben, das waren kleinere, die bereits mit 500 Leuten voll sind... und die waren schon immer gut voll. Wobei, auf die Fülle kommt es nicht immer unbedingt an. Oft hat man auch eine geile Party, wenn die Leute so richtig abgehen. Es kommt auf das Publikum an - wenn geile Leute da sind, muss der Laden nicht voll sein. Hauptsache, es hat Partystimmung." (Chris Toxid voll happy: "Und wir machen Partystimmung!!!")
 |
| ...immer mit voller Konzentration. |
SiSA: "Was wäre euer absoluter Traum Gig? Wo würdet ihr am liebsten mal spielen wollen, oder unter welcher Atmosphäre?"
Chris Toxid: "Am besten wäre ein Mega Rave, so wie Nature One oder Mayday. Einfach mal antesten, wie das vor 10.000, 20.000 Leuten, oder sogar 100.000 Leuten ist: geil - "brett"! Das würden wir schon gerne mal machen. Auf den kleinen Parties kommen wir schon ganz gut an. Jetzt wollen wir mal schauen, wie es auf großen Parties ist - aber da kommen wir schon auch noch hin."
Chris Excess optimistisch zustimmend: "Das dauert zwar noch, aber das wird scho, da sind wir guter Dinge! ...oder mal eine Ibiza-Tour, das wäre auch nicht schlecht. Wenn man ein-, zwei Mal auf großen Parties gespielt hat - das ist ja das Verrückte - und ein Mal drin ist, geht es von alleine weiter. Allerdings, bis man mal auf den großen Parties gebucht wird, das ist ein harter Weg. Aber gut, jetzt sind wir schon lange dabei." (Chris Toxid dazu: "Langsam ist auch Routine dabei und es klappt auf alle Fälle. Ich habe auch gar keine Angst davor, auf großen Raves zu spielen. Im Gegenteil - Freude!") (big smile)
SiSA: "Was bedeutet für euch Music? War das schon immer Teil eures Lebens oder seid ihr erst später auf den Geschmack gekommen?"
Chris Toxid: "Ich komme aus einer Musikerfamilie. Meine Mutter hat schon Platten aufgenommen und mein Schwager ist Musiker, mein Onkel und überhaupt alle. Und mir selbst liegt es auch total. Angefangen habe ich als Roadie bei einer Band. Mit Synthies habe ich schon immer was am Hut gehabt. Selber Mucke machen - geil! Dann habe ich Keyboard-Unterricht genommen und so ist es weiter gegangen. Music ist einfach Wahnsinn! Bei mir ist es so: ich sperre das Studio ab, die Welt bleibt draußen und ich fliege weg. Das ist einfach geil. Ich vergesse alles da drin. (etwas verlegen) Da vergesse ich sogar zu essen, zu trinken und dass ich aufs Klo gehen muss. Das ist einfach eine andere Welt." Mit einem kecken Blick zu Chris Excess: "Und bei Dir?"
Chris Excess enthusiastisch: "Music - mein Leben - klar! Brutal, einfach das Höchste. Ich habe mir mit 11 "Major Tom" von Peter Schilling gekauft. (lacht herzhaft) Ne, also ich habe schon mit 12,13 Jahren angefangen, Platten zu sammeln und dann mit 16 zum ersten Mal aufgelegt und das war irre. Außenstehende können das vielleicht nicht so mitfühlen, aber wenn man selbst Music macht und seine eigenen Lieder hört, das ist brutal." (Chris Toxid einwerfend: "Vor allem, wenn du deine eigenen Lieder vor Publikum spielst und die richtig abgehen...") "... und du kriegst auch noch Lob... das ist Wahnsinn." Beide: "Ohne Music? - Aufhängen!" Chris Excess: "Das würde nicht gehen. Es ist natürlich ein Traum, wenn man das Hobby zum Beruf machen kann. Wenn man von dem leben kann, was einem Spaß macht, was einem was bedeutet. Music machen ist einfach geil." (Chris Toxid meint dazu: "Das ist das Geile bei uns beiden: wir stehen beide auf Music. Wir ergänzen uns völlig, wir sind uns eigentlich immer einig.") "Zu zweit macht man halt auch Sachen, die man alleine nicht machen würde. Wir bauen uns gegenseitig auf und es läuft einfach. Jeder hat seine Ideen, die er einbringt und das ergänzt sich genial." Beide einig: "Das ist echt Glück, dass wir uns so gut verstehen. Manche wechseln ihre Partner wie andere die Frauen (lachen)... Wir hatten noch nie Streit."
SiSA: "Warum habt ihr euch ausgerechnet für den Techno-Style entschieden, wo es doch so viele verschiedene Music-Richtungen gibt? Was unterscheidet Techno von den anderen Stylen wie Trance, House, etc.?"
Chris Excess: "Eigentlich sind wir doch eher auf der Trance-Schiene zu Hause. Es ist schwer, die Styles abzugrenzen, weil sie sich vermischen. Trance ist eher melodiös, und wir sind beide sehr melodiös - das gehört dazu. Die reinen Techno-Nummern, wo nichts passiert und die keine Melodien haben, das gefällt uns nicht so. Die Melodie zeichnet unseren Sound aus. Das hören auch viele, die nicht unbedingt auf Techno stehen."
Chris Toxid dazu: "Bei Trance wird viel mit Flächen und Sequenzen und schönen Soundteppichen gearbeitet, die ins Ohr gehen. Trance ist einfach unsere Mucke: du fliegst weg bei dem Sound. Wir machen auch House, das macht Spaß, ist aber einfach nicht unser Stil. Was wir noch ganz gerne mögen ist Goa, das macht fast noch mehr Spaß als Trance. Goa ist zwar ein verspulter Sound, verschraubt, ist schneller als Trance und weniger melodiös - normal ist das fast nur "Pillensound", aber doch erheblich schwerer zu produzieren."
SiSA: "Apropos "Pillensound": Was haltet ihr von Drogen und dem Gedanken, Drogen zu brauchen, um "gut drauf" sein zu können?"
Chris Toxid: "Voll sch...lecht. Wir sind "absolut null Drogen". Alkohol, ok, hin und wieder mal ein Bier. (Chris Excess grinst: "Ein Desperados.") Aber chemisches Zeug, rauchen oder Pillen, das nehmen wir nicht. Sonst wären wir wahrscheinlich auch nicht ein Team. Wir sind beide clean." (Chris Excess beharrend: "Das ist uns wichtig!") "Das Geile sind doch nicht die Drogen, das Geile ist doch die Music - that`s the only drug. Wir finden es auch schade, dass es in dieser Szene immer unterstellt wird, dass man sofort als "Pillenpaul" abgestempelt wird."
 |
| Erogen-Music auf dem X-Large 2001 |
SiSA: "Habt ihr eigentlich ein bestimmtes Motto oder Lebenseinstellung, mit dem ihr durchs Leben wandelt oder lebt ihr einfach in den Tag hinein?"
Chris Toxid spontan: "Ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt es sich recht ungeniert. Und daran arbeiten wir tagtäglich." (beide lachen laut)
SiSA: "Wo wird euer nächster Live-Act zu sehen sein?"
Chris Toxid: "Als nächstes sind wir im Avalon-Club am 28. September." (Beide: "Da freuen wir uns schon drauf.") "Im Oktober spielen wir dann in München auf der kleinen aber recht schnuckeligen und exklusiven Prinz-Party - der Party des Münchener Szene-Magazins. Es gibt drei Areas, wir sind auf der Trance-Techno-Area zu sehen. Ansonsten stehen immer alle aktuellen News auf unserer Homepage."
SiSA: "Vielen Dank für das Interview."