SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 15/09/2001

DJ Glatze Rainer und Alex Wohlrab - Kampf der Giganten

Zwei Größen treffen aufeinander: DJ Alexander Wohlrab und Glatze Rainer im Interview mit SiSA-Redakteur Sascha Wawra.

SiSA: "Rainer, du hast schon mit 13 in diversen Jugendclubs aufgelegt. Hattest du damals schon den gleichen Stil wie heute oder hat sich seither was verändert?"

DJ Glatze Rainer: "Überhaupt nicht, man hat mit 13 einen Billig-Plattenspieler und ein Billig-Mischpult gehabt und dann hat man einfach versucht, zwei Lieder ineinander zu mischen. Das hat mit Musik noch gar nichts zu tun gehabt. Und das mit dem Mikrofon hat sich eigentlich erst so über die Jahre entwickelt. Es ging richtig mit mir los, da bin ich gerade 17 geworden. Ja, da hab ich einen Freund getroffen, mein damaliger Diskotheken-Chef und der hat gesagt, du musst das so machen oder so machen - für die Leute, für die Gäste, für die Musik. Und ich hab mich musikalisch nie irgendwie festgelegt. Die Mikrofonarbeit hab ich über die Jahre dann von ihm gelernt."

SiSA: "In welchem Club hast du das erste Mal so richtig aufgelegt?"

DJ Glatze Rainer: „Im Genesis in Nürnberg. Das war so ein ganz kleiner Club, da haben vielleicht 300 Mann reingepasst und da hab ich dann vier Tage die Woche aufgelegt mit 16 Jahren. Im Augenblick bin ich grad im Stargate in Nürnberg am Dienstagabend. Man hat eigentlich fast alles durchgemacht.“

SiSA: „Alex, wie war das bei dir. Wann hast du angefangen?“

DJ Alex Wohlrab: „Ich hab angefangen in einer ganz wunderbaren Stadt - Rain am Lech - das ist auch meine Heimatstadt. Und das war ein Laden, Tilli hieß der, in dem vor 25 Jahren schon meine Eltern geheiratet haben. Ungefähr so war’s dann auch dort. Dass man da nicht mit Schellack-Platten auflegen musste, war alles. Aber es war damals auch so, dass ich froh war, wenn ich den Übergang hingekriegt habe, nichts sagen musste und die Typen, wenn ich nicht sechs Mal ACDC aufgelegt habe, mir die Weizenbiergläser an den Kopf geschmissen haben. Es war oft so, dass man Demut vor dem Gast so gelernt hat. Da kam ein Typ an und sagt: „Hey, der Präsident vom Motorrad-Club will ACDC hör’n“, und wenn du’s aufgelegt hast?! Es war ja wurscht, man wollte ja wieder heil nach Hause kommen. Das hat mich nachhaltig geprägt. Auch heute noch habe ich Angst vor herumfliegenden Biergläsern.“

SiSA: „Wo legst du regelmäßig auf, wo kann man dich denn hören?“

DJ Alex Wohlrab: „Ich bin im Moment überhaupt kein Resident-DJ, der Depp der jeden Abend im gleichen Laden auflegen muss. (lacht) Ich hab meinen langjährigen Dienst im Wespennest irgendwann nicht mehr gemacht. Das waren jetzt aber auch Gründe, die absolut nachvollziehbar waren. Der Chef wollt nicht mehr mit mir schlafen. Ich wein der Sache viele viele Tränen nach und würde gern wieder anfangen, nur leider gibt’s den Laden nicht mehr. Ich bin momentan so einer, der mit seinem kleinen Wägelchen über die Landpartys tingelt, um die Menschen glücklich zu machen. Denn einer der wichtigsten Aspekte an dem Job als DJ ist es ja auch, die Menschen glücklich zu machen. Ich möchte, dass alle Menschen auf der Welt glücklich sind und dass niemand mehr weinen muss. Dann war mein Leben nicht umsonst. Ok, jetzt hab ich vollkommenen Schmarrn g’redt.“

SiSA: „Wie ist es jetzt eigentlich mit deiner Band. Läuft da noch was? Man hört ja gar nichts mehr.“

DJ Alex Wohlrab: „Die liegt momentan auf Eis. Das liegt daran, dass der Gitarrist, Sebastian Kochs, einer der Hauptorganisatoren vom X-Large war, der, wenn X-Large ist, währenddessen und mindestens noch zwei Monate danach, in einem Wachkoma liegt. Der Mensch ist nicht ansprechbar. Wir haben uns auf X-Large gesehen, er hat durch mich durchgekuckt. Immer wenn X-Large ist, liegt die Band für ein Viertel Jahr auf Eis, weil Sebastian nur noch halbhumanoid ist.“

SiSA: „Wie ist das bei euch mit Fans und Leuten, die im Club zu euch kommen. Bauen sich da Freundschaften auf?“

DJ Glatze Rainer: „Ja, auf jeden Fall. Es war zwar verhältnismäßig schwierig für mich, irgendwelche Freundschaften aufzubauen. Ich bin jede Freitagnacht wieder zurückgefahren nach Erlangen, weil ich dort noch gelebt habe, aber ich wohn jetzt seit einigen Tagen in Königsbrunn und so über die letzten Wochen, weil ich sehr oft hier war durch den Umzug, haben sich sehr gute Bekanntschaften gefestigt und mittlerweile kann ich schon sagen, dass sich Freundschaften gebildet haben.“

DJ Alex Wohlrab: „Ja, also ich mein, es ist so, dass man über die Jahre Leute kennen lernt, die sagen, der Style von dem Typen gefällt mir und die tauchen immer wieder auf. Irgendwann kommst du ins Gespräch und dann fällt die Schranke, die zwischen Gast und DJ ja doch manchmal noch da ist. Und der stellt fest, „aha, das ist jetzt auch kein Halbgott nur weil er an irgendwelchen Plattenspielern rumschraubt“. Ja, man findet darüber Freunde. Es macht’s zum Teil leichter, als DJ Frauen kennen zulernen.“

SiSA: „Kampf der Giganten ist heute Abend angesagt. Wie ist das bei Euch beiden? Hat es zwischen euch schon mal ein DJ-Battle gegeben?“

DJ Alex Wohlrab: „Also ich hatte vor langen langen Jahren einen Rockabend im Tropicana gegen meinen Kollegen Felix Kovatsch. Da hat er immer die 80er aufgelegt und ich dann die 90er. Das war ganz lustig, weil das Tropicana auch groß genug war, dass die Distanz so groß war, dass niemand das Bierglas rüberwerfen konnte.“

DJ Glatze Rainer: „Grade der Name „Kampf der Giganten“ passt mir überhaupt nicht. Wir sind keine Giganten, wir sind Leute wie du und ich. Ich seh auf der Toilette genauso doof aus wie du. Ich möchte nicht als Gigant bezeichnet werden oder als Kult-DJ. Ich möchte heute Abend einfach meinen Spaß haben. Der wird sich sicher auch auf die Gäste übertragen und wenn das passiert, knallt’s so richtig.“

SiSA: „Was glaubt ihr, wer wird gewinnen?“

DJ Glatze Rainer: „Es wird keinen Sieger geben. Naja, der erste, der unter’m Tisch liegt, der hat verloren. (lacht)“

DJ Alex Wohlrab: „Also ich glaub, dass DJ-Battle nur heißt, dass zwei Leute, die sich gut verstehen und sich mögen, zusammen auflegen. Mit Glatze könnt ich gar nicht in eine Konkurrenz-Situation geraten, weil der schreit einmal „Halligalli Drecksauparty“ und dann kann ich meine CDs mit nach Hause nehmen und gehen.“

SiSA: „Was unterscheidet euch am meisten voneinander?“

DJ Glatze Rainer: „Jetzt mal grundsätzlich die Größe. Ich bin schöner, dafür ist er größer.“

DJ Alex Wohlrab: „Ich hab mehr Haare.“

DJ Glatze Rainer: „Und ich hab nen ganz Kleinen, aber dafür dünn.“

DJ Alex Wohlrab: „Iiiih, dazu möchte ich mich jetzt nicht äußern. Nein, also er macht’s auf jeden Fall wesentlich öfter als ich. Er ist wesentlich professioneller als ich.“

DJ Glatze Rainer: „Das kann man so aber jetzt nicht sagen.“

DJ Alex Wohlrab: „Ja, ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Mir ist nichts anderes mehr eingefallen. So als Lückenfüller.“

SiSA: „Rainer, wenn du im PM oder B2 auflegst, ist da ja ziemlich viel Animation dabei. Ist DJ sein für dich mehr, als nur Musik auflegen? Gehst du da selbst 100 Prozent mit deinen Fans mit?“

DJ Glatze Rainer: „Ja, auf jeden Fall. Es ist natürlich von Location zu Location unterschiedlich. Die Menschen feiern auch unterschiedlich und ich motivier die Leute in verschiedenen Läden anders. Im PM war’s extrem in anderen Läden weniger, weil’s dort auch nicht so erwünscht ist. Aber wenn ich dabei bin, dann immer 100prozentig. Sobald ich merk, es macht mir keinen Spaß, dann such ich mir was anderes. Dann fang ich bei McDonalds an oder bei Fantasy.“

DJ Alex Wohlrab: „Ich bitte dich. Du willst mein Leben doch nicht völlig zerstören! (lacht) Also bei mir ist das eher so, ich bin der zurückhaltende ruhige Typ, das ist Situationsabhängig. Also ein Satz, den ihr von mir niemals hören werdet ist „Seid ihr gut drauf!“, weil’s mich bis jetzt selber immer g’nervt hat, wenn die Leute so viel g’redet haben. Glatze ist da ein extremes Gegenbeispiel komischerweise, aber er macht’s eben so, dass es zur Stimmung passt.“

SiSA: „Gibt’s irgendwelche Orte, Clubs oder so, wo ihr zwei mal auflegen wollt. Beispielsweise auf dem Clubschiff mit lauter Rentern oder auf Ibiza?“

DJ Glatze Rainer: „Mit lauter Rentern wär geil. (lacht) Es gibt eigentlich keinen Traum für mich. Ich hab eigentlich in allen Läden aufgelegt, die mich früher gereizt hätten oder haben. Was mich jetzt wirklich gebockt hat, war auf No Limits aufzulegen, da kam dann sofort die Anfrage. Alkberg, Dinkelscherben die Beachparty bin ich auch wieder dabei, um mal die Open Airs abzudecken. Was jetzt Ibiza betrifft: Ich steh zwar total auf Vocal House, aber es gibt wesentlich bessere Leute dafür, die einfach mehr die Vibration dafür haben.“

DJ Alex Wohlrab: „Bei mir ist es also ganz genauso. Es gibt nichts, wo ich jetzt sage, das müsst ich jetzt unbedingt machen. Ganz geil find ich immer im Sommer diese Open Airs, wie jetzt No Limits oder auf dem Land, wo du ein Zelt hast, das einfach sauber feiert. Da gibt’s oft in diesen Orten das ganze Jahr nichts und dann ist da einmal Party und dann sind die Leute da und da geht’s natürlich ab. Ich würd ganz gern mal auf der Loveparade auflegen und zwar die ganze Zeit nur Hardrock und Heavy Metal, weil ich heute wieder diese Bilder gesehen habe. Jugend trainiert für Karneval, wir verkleiden uns und sind gezwungen fröhlich. Ich würde wahrscheinlich zum unbeliebtesten Mann Deutschlands werden. Naja, eigentlich nicht wirklich. Ich will ja nicht mit Extasy-Pillen gesteinigt werden.“

SiSA: „Was macht ihr, wenn die Sonne scheint, wenn ihr frei habt?“

DJ Glatze Rainer: „Ich muss gestehen, ich bin ein fauler Sack. Ich sitz gerne und lang vor’m Fernseher. Mach aber auch sehr viel mit der Familie, ich hab zwei Kinder.“

DJ Alex Wohlrab: „Also bei mir verhält sich das alles ganz anders. Ich bin überhaupt kein familiärer Mensch. Ich hab auch keine Kinder und will auch keine. Also zumindest keine, von denen ich wüsste oder für welche ich zahlen müsste. Ich lese sehr gerne. Ich hab nen Wochenumsatz von 2 bis 3 Büchern. Die müssen dann auch in der ganzen Wohnung verteilt sein, eins in der Küche, eins auf’m Klo und in meinem Zimmer.“

SiSA: „Eure musikalische Top Five?“

DJ Glatze Rainer: „Was mir momentan ganz gut gefällt ist die Neue von D-Flame „Sie macht mich glücklich“. Was gefällt mir noch sehr gut? Brothers keepers, des adriano, da find ich den Text total geil. Mei, so spontan, es gibt so viele schöne Lieder. Da kann ich mich eigentlich gar nicht festlegen.“

DJ Alex Wohlrab: „Auf der eins bei mir, aber das ist notorisch veranlagt, ist Thomas D., eigentlich mit allem was er macht. „Uns trennt das Leben“ fand ich großartig. Dann „S.R. Seventy One“, das ganze Album eigentlich. Bei mir weiterhin unsterblich ist die große Liebe meines Lebens „Doors“. Dass Jim Morris mit 27 gestorben ist hat ihn zwar zum Idol gemacht, aber er fehlt mir in meinem Leben. Er hätte viel mehr Platten machen sollen. Robbie Williams auf jeden Fall. Wär ich ne Frau, ich würd mit Robbie Williams schlafen, wär ich ein Mann, würd ich mit seiner Frau schlafen. Wer auch immer das grad ist, der Mann hat Geschmack. Der Fünfte fällt mir jetzt nicht ein. Aber es darf in jedem Falle mal eine Gitarre dabei sein und wenn der Text auf Deutsch ist, auch durchaus was Intelligentes. Deshalb Thomas D.“

SiSA: „Danke für’s Gespräch und viel Spaß euch!“

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