Corvus Corax - Spielleute mit Feuer in den Beinen
Trommeln und Dudelsäcke sind ihr Markenzeichen. Die Gruppe Corvus Corax stellt eine Besonderheit in der deutschen Musiklandschaft dar. Seit mehr als 13 Jahren machen die 8 Spielleute aus Berlin jetzt schon Musik und inzwischen haben Sie es mit ihrer mittelalterlichen Musik geschafft, Menschen auf der ganzen Welt zu begeistern Am Sonntag, den 10. Februar werden Sie in der Augsburger Rockfabrik aufspielen. SISA-Redakteur Benni Beilke hat sich schon mal mit Corvus Corax-Mitbegründer Castus Rabensson unterhalten.
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SISA: Zu aller erst für alle Nicht-Lateiner wie mich. Was bedeutet eigentlich Corvus Corax?
Castus: Corvus Corax ist der Kolkrabe, das ist der grösste europäische Singvogel. Ja, und der Rabe ist so eine Art Maskottchen von uns. Der taucht auch immer wieder auf Bildern von uns auf.
SISA: Ihr habt ja vor einiger Zeit schon mal mit eurem zweiten Projekt Tanzwut in der Augsburger Rockfabrik die Leute gerockt. Kannst Du Dich daran noch erinnern?
Castus: Ja, natürlich. Das war ne ziemlich lustige Sache, weil die Fans sich im Vorfeld gegenseitig auf unserer Homepage heiß gemacht haben. Wir haben da wirklich nichts mit zu tun gehabt... . Jedenfalls haben die Fans über das Gästebuch auf unserer Seite
(www.corvuscorax.de, Anm. d. Red.) ausgemacht, dass sie bei unserem Konzert in der Rockfabrik eine Orgie veranstalten werden. Wir waren dann natürlich gespannt, was die Leute sich unter Orgie vorstellen. Es war dann auch ein sehr geiler Auftritt, aber zu einer Orgie ist es dann nicht gekommen. Es kommt natürlich auch drauf an, was man unter Orgie versteht....
SISA: Wie gerade schon angesprochen, habt ihr seit 1996 neben Corvus Corax noch ein zweites Projekt mit dem Namen Tanzwut am Start. Wart ihr mit Corvus Corax nicht genügend ausgelastet, beziehungsweise hätte es nicht gereicht, einfach alles unter einem Namen zu machen?
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Castus: Das war viel mehr so, dass wir 1996 mit Corvus Corax an einem Scheideweg standen. Wir hatten das Gefühl, wir müssten mal was anderes machen, weil uns sonst die Musik irgendwann auf den Geist geht. Die zweite Alternative wäre aufhören gewesen, aber das kam eigentlich nicht wirklich in Frage. Jedenfalls hatten wir keine neuen, großartigen Ideen und deswegen haben wir beschlossen mal was ganz neues zu probieren. Unsere nächste Single hieß dann Tanzwut und der Sound von dem Stück hat uns so gut gefallen, dass wir dann die zweite Band so genannt haben. Der Grund dafür, das wir überhaupt zwei Namen wollten war der, das unser Publikum wissen soll was sie erwartet. Vielleicht gefällt ja manchen Corvus Corax gut und dafür Tanzwut weniger, oder umgekehrt. Jedenfalls haben wir damals durch Tanzwut auch wieder Lust an Corvus Corax gefunden. Und das ist zum Glück bis heute so geblieben.
SISA: Als Corvus Corax tretet ihr ja immer in mittelalterlichen Kostümen auf und auch auf eurer Homepage sieht man kein Bild, auf dem ihr nicht verkleidet seid. Seid ihr privat ganz „normale“ Menschen oder lässt euch das Mittelalter auch in eurer Freizeit nicht los?
Castus: Also, eigentlich ist es so das wir ganz normale Berliner sind. Jeder von uns hat seine möblierte Wohnung ohne mittelalterliche Sachen. Wenn wir weggehen, dann gehen wir auch lieber in ein echtes Berliner Cafehaus oder auf eine Techno-Party statt in eine mittelalterliche Wirtschaft oder so was. Ich würde mal sagen, wir sind einfach ein paar verrückte Musiker.
SISA: So verrückt, dass ihr sogar eure Instrumente selber baut. Habt ihr das gelernt, oder euch selber beigebracht?
Castus: Wir haben das Glück, dass unser Bassist Wim gelernter Instrumentenbauer ist und der stellt die Dudelsäcke und die Schalmeien her. Das ist zum Teil gar nicht so einfach, da die alten Pläne für aufzutreiben. Die Instrumente sollen ja so aussehen wie damals. Es gibt sogar oft noch Beschreibungen wie Sie geklungen haben. Wir können natürlich nicht hundertprozentig sagen, dass unsere Instrumente so klingen wie die von damals, aber Sie sind doch wohl ziemlich ähnlich.
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SISA: Am 25. März erscheint ein neues Album von euch, bei dem diverse DJs eure Sachen geremixed haben. Habt ihr nicht Angst, dass das Teil floppen könnte, weil der Mix aus mittelalterlicher und elektronischer Musik beim Publikum nicht ankommt?
Castus (lacht): Also, floppen kann es nicht, weil wir Spaß dabei hatten. Es war einfach an der Zeit dafür dieses Album zu machen. Viele DJs hatten uns bis zu diesem Zeitpunkt angesprochen, ob sie nicht Stücke von uns remixen dürfen. Das Problem war nämlich, dass die unseren Sound zwar so ausgefallen und gut fanden, die Stücke sich aber nicht für eine Techno-Party eignen. Auf dem Album das übrigens „In Electronica“ heißen wird, sind so namhafte Künstler wie Umbra et Imago oder die Blind Passengers dabei und ich muss sagen, dass wir alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis sind. Die Fans, mit denen wir schon über da Album geredet haben, fahren übrigens auch alle total auf das Album ab.
SISA: Der Name Corvus Corax ist ja nicht nur in Deutschland ein Begriff. Eigentlich kann man sagen, dass ihr schon auf der halben Welt Musik gemacht habt. Werdet ihr da manchmal auch schräg angeschaut, wenn ihr in Ländern spielt, in denen die Menschen mit dem europäischen Mittelalter gar nichts anfangen können?
Castus: Ja, das ist generell so, das Leute die uns noch nie gesehen haben, erst mal eine Weile brauchen. Das liegt daran, dass wir ziemlich verrückt sind und außergewöhnliche Klamotten anhaben. So wie wir uns geben, soll das natürlich auch erst mal ein Schocker sein. Aber nach 10 Minuten spätestens kribbelt es dann bei den Zuschauern in den Beinen und Sie haben gute Laune. In Deutschland dauert das sogar ein bisschen länger als im Ausland. Im Ausland ist da immer ein bisschen schneller Feuer in den Beinen. Die Deutschen sind da vielleicht ein bisschen gemütlicher. Wenn man Sie dann aber mal hat, dann sind Sie auch treue Fans.
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SISA: Wie sieht es innerhalb Deutschlands aus. Gibt es Gegenden in denen ihr mehr Fans habt als in anderen?
Castus: Die gabs früher mal. Aber seit wir uns eigentlich überall das Terrain erspielt haben, merken wir in Deutschland keine Unterschiede mehr. Die Bayern machen auf jeden Fall sehr gut Party, weswegen wir uns auch darauf freuen am 10. Februar nach Auxburg zu kommen. Und wenn so viele kommen wie letztes Mal als wir mit Tanzwut hier waren, dann wird es garantiert wieder eine richtig geile Party.
SISA: Wie geht es nach Augsburg weiter? Habt ihr schon Pläne, was ihr dieses Jahr alles so machen werdet?
Castus: Mit Tanzwut sind wir vom 21. bis 24. in Holland, aber das wird wahrscheinlich zu weit für die Augsburger sein. Im Juli sind wir dann wie jedes Jahr mit Corvus Corax auf dem Ritterfest in Kaltenberg. Wir arbeiten auch schon wieder an neuen Alben. Mit Tanzwut gehen wir demnächst ins Studio, bei Corvus Corax dauert es noch circa ein Jahr dann gibt’s da auch eine kleine Überraschung.
SISA: Dann können wir ja gespannt sein. Vielen Dank für das Interview.
Corvus Corax könnt ihr am 10.02. LIVE in der Rockfabrik erleben. Ein Konzert der anderen Art. Unbedingt hingehen, vor allem, wenn ihr die Jungs noch nie erlebt habt. Karten gibts in der Rockfabrik und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.