Konsequenz ist der Kobold kleiner Geister: Rainhard Fendrich plaudert mit SiSA
SiSA: Letzten Sonntag hat ihr Landsmann Hubert von Goisern auch hier in der Augsburger Sporthalle ein Konzert gegeben. Wie ist denn der Kontakt unter den österreichischen Musikern?
Fendrich: Zu von Goisern habe ich keinen Kontakt. Das ist eine ganz eigene Clique. Ich habe zweimal versucht, da Kontakt zu knüpfen, aber sie sind sehr eigen.
SiSA: Freundschaften gibt es aber schon?
Fendrich: Ja, Freundschaften bestehen schon, aber wir sind nicht eine große Familie. Jeder versucht auf seine Art und Weise, Erfolg zu haben.
SiSA: Zusammen mit Wolfgang Ambros und Georg Danzer setzen sie sich für Obdachlose ein, haben eine Initiative gegründet. Gab es dafür ein Schlüsselerlebnis?
Fendrich: Das ist schon einige Jahre her. Eine Freundin von mir hat eine Diplomarbeit über Obdachlosigkeit in Wien geschrieben. Da hat sich herausgestellt, dass die Dunkelziffer, die dem Rathaus bekannt war in keiner Weise identisch war mit den Zahlen, die sie in ihrer Diplomarbeit ermittelt hat. Die Differenz betrug, glaube ich, 10.000 Leute. Da haben wir uns schlau gemacht und in Wien ein Altersheim für Obdachlose in Stand gesetzt. Wir haben von der Stadt Wien ein Haus bekommen und haben dort Wohnungen eingerichtet. Jedes Jahr zu Weihnachten machen wir dafür eine große Benefiz-Veranstaltung.
SiSA: Mit ihrem neuen Album "Männersache" outen Sie sich ja auch ein wenig als "Frauenversteher".
Fendrich: Eher als Männerversteher, denn: die Frauen sind leichter zu verstehen als die Männer.
SiSA: Wie hat eigentlich ihre Frau auf das Album reagiert?
Fendrich: Gut, denn es verkauft sich gut und ist schon hoch in den Charts.
SiSA: Mit was beschäftigen sie sich in ihrer Freizeit?
Fendrich: Ich habe keine Freizeit. Mein Beruf ist mein Leben und ich habe immer irgendwas zu tun, was mit meinem Beruf zu tun hat. Wenn ich jetzt von meiner Tournee nach Hause komme arbeite ich an meinem Musical weiter. Wenn ich damit fertig bin, drehe ich einen Film, wenn der Film fertig ist, dann probe ich fürs Musical, wenn ich mit dem Musical fertig bin, dann mache ich wieder eine Platte. Dazwischen versuche ich fit zu bleiben.
SiSA: Wie sieht es aus mit Skifahren? Ich meine, sie als Österreicher...
Fendrich: Ja, schon, aber das ist jetzt nicht wirklich eine Freizeitbeschäftigung. Das macht man halt, weil man Österreicher ist. Aber das kann ich an den Fingern einer Hand abzählen, wann ich in den letzten Jahren Skifahren war.
SiSA: Haben sie eine bestimmte Lebensphilosophie oder so etwas wie einen Gedanken, der ihr Leben trägt?
Fendrich: Nein, nein, denn: Konsequenz ist der Kobold kleiner Geister.
SiSA: Was sind ihre nächsten beruflichen Pläne?
Fendrich: Im Oktober 2002 haben wir Premiere mit dem Musical "wake up" in Wien. Da werde ich sehr wahrscheinlich auch selber mitspielen. Viel weiter denke ich erstmal nicht, denn das wird ziemlich arbeitsintensiv werden. Vielleicht wird es ja recht erfolgreich und es wird ein Nachfolge-Musical geben. Wenn nicht, dann muss ich mir was anderes einfallen lassen. Generell habe ich keine Pläne über zwei oder drei Jahre hinaus.
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SiSA: Zum Schluss noch ein paar kurze Spontan-Fragen:
Ihr Lieblingsbuch?
Die Bruderschaft.
Ihr Liebligsfilm?
Des Teufels Advokat.
Was würden Sie niemals herleihen?
Meine Kinder.
Welche Person aus der Geschichte hätten Sie gerne gekannt?
Über solche illusorischen Fragen mache ich mir keine Gedanken. Das sind fiktive Sachen, die sowieso nie eintreten. Dafür ist mir meine Zeit zu schade, darüber denke ich gar nicht nach.
Ihre größte Stärke?
Kommt jetzt die Frage nach der Schwäche? Ich glaube, dass ich weder eine große Stärke noch eine große Schwäche habe. Vielleicht: ich kann nur schwer nein sagen. Das sehe ich als Stärke und Schwäche.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten?
Wie wäre es mit Frieden auf Erden?
SiSA: Vielen Dank für das Interview.