Maria Löffler: Powerfrau für Kultur und Unterhaltung
SiSA: Seit wann gibt es das Konzertbüro Augsburg?
Löffler: Seit 5 Jahren.
SiSA: Wieviele Mitarbeiter haben Sie?
Löffler: Wir sind zu zweit: mein Mann und ich. Dann haben wir noch 2 Ganztagskräfte, eine Halbtagskraft und die FOS-Praktikanten.
SiSA: Wie kommt man dazu, ein Konzertbüro zu leiten?
Löffler: Vor 18 Jahren hatten wir eine Kleinkunstbühne in Aichach. Die Veranstaltungen haben wir sehr gerne gemacht, nur: wir waren keine guten Wirtsleute. Schon damals hatten wir Künstler wie Schlenger/Meilhamer und Lisa Fitz und wir hatten immer einen sehr netten Kontakt zueinander. Nach 2 Jahren haben wir die Kleinkunstbühne geschlossen, weil sich das für uns nicht mehr rentiert hat. Dann kam eine 10-jährige Pause. Mein Mann kam dann zu dem Kulturverein "Klick" in Königsbrunn. Und da kam uns die Idee, mal wieder was zu machen.
SiSA: Wie ging es dann weiter?
Löffler:
Dann haben wir Schlenger/Meilhamer angerufen und die haben gesagt, sie würden sehr gerne mit uns arbeiten, aber in Augsburg ist Gebietsschutz. So sind wir auf das Umland ausgewichen und haben 3 oder 4 Hallen gebucht und die waren alle ausverkauft. Dann habe ich meinen Halbtagsjob aufgegeben und wieder mit dem Veranstalten begonnen, so 3 bis 4 Veranstaltungen pro Monat. Dann wurden es immer mehr. Nach eineinhalb Jahren hatten wir so viele Veranstaltungen, dass auch mein Mann seine Arbeit gekündigt hat und dann haben wir zufällig zwei Wochen später auch das Management für Schlenger/Meilhamer übernehmen können. Dann kamen Künstler wie Lisa Fitz und Konstantin Wecker dazu.
SiSA: Und der Gebietsschutz?
Löffler: Der Veranstalter Überherr ist schließlich wohlverdient in Pension gegangen und ComConcerts ist leider Pleite gegangen, dann haben wir uns gesagt: OK, dann packen wir jetzt Augsburg! So hat es sich ergeben, dass wir nun bei 240 Veranstaltungen im Jahr sind.
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| Frau Löffler vor dem KBA, Oberer Graben. |
SiSA: Wie viele Stunden arbeiten Sie?
Löffler: Ja, so 80 bis 100 Stunden die Woche schon.
SiSA: Das merkt man Ihnen nicht an. Sie wirken alles andere als gestresst.
Löffler: Ich sehe meinen Beruf auch nicht als Arbeit. Was ich als Arbeit sehe ist das Büro hier. Das ist Arbeit. Aber wenn ich auf Veranstaltungen unterwegs bin... das macht einfach Spass. Meine Arbeit ist mein Leben, da brauche ich keine Freizeit. Was ich brauche ist mein Schlaf und ab und zu ein wenig Sport. Freunde, Beruf, Privatleben, alles ist eins. So kommen zum Beispiel unsere Freunde mit zu den Auftritten und nachher gehen wir zusammen was trinken.
SiSA: Wie kommen Sie zu den Künstlern - Michael Mittermeier zum Beispiel?
Löffler: Das läuft so: wenn ein Künstler mit seiner Agentur zufrieden ist, dann bleibt er da auch. Der Mittermeier zum Beipiel hat seine Agentur. Dort sind Günther Grünwald und Django Asül. Mit diesen beiden Künstlern arbeiten wir schon sehr lange zusammen. So kamen wir zu Mittermeier. Den haben wir über die Agentur von Asül und Grünwald für Augsburg gebucht. Da hatte er auf La Piazza so 500 bis 600 Zuschauer. Tja, so geht das. Man holt die Künstler ganz am Anfang ab, sozusagen. Betreut man einen Künstler der bei einer bestimmten Agentur ist, dann übernehmen wir praktisch auch die anderen Künstler, die bei dieser Agentur sind.
SiSA: Wie verdient man als Konzert-Agentur sein Geld? Sie meinten ja, Kartenverkauf machen Sie nicht.
Löffler: Wir haben mit der AZ zusammen das Vorverkaufsbüro. Aber am Kartenvorverkauf sollen die verdienen, die die Arbeit machen. Wir verdienen unser Geld, indem wir die Hallen vollmachen und uns dann mit dem Künstler über die Konditionen einigen - natürlich einigt man sich erst mit dem Künster und kümmert sich dann um die Halle. Davon hängen dann auch die Preise ab. Allerdings gibt es Touren, da werden die Eintrittspreise vorgegeben und es gibt Agenturen, die sagen: mach Du den Preis. Die Konditionen sind von Künstler zu Künstler unterschiedlich. So gibt es auch Festkäufe: Du kaufst den Künstler und der Rest gehört Dir. Wenn Du Pech hast, zahlst Du halt drauf. Dann gibt es auch noch das sogenannte "Arrangement", das heißt nach Abzug aller Kosten lässt man der Agentur vier oder fünf Prozent.
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| Die Plakate im Schau- fenster spiegeln die Vielfalt der Veran-staltungen wieder. |
SiSA: Wo finden in Augsburg Veranstaltungen statt?
Löffler: Die teuerste Halle ist die Schwabenhalle. Das ist eine der teuersten Hallen Deutschlands.
SiSA:: Wie kann sich das halten?
Löffler: Das hält sich doch nicht. Die Veranstalter gehen mit ihren Künstlern lieber nach Memmingen, weil die Halle dort billiger ist. Deswegen treten viele Stars in München und Memmingen auf und nicht in Augsburg.
SiSA: Das ist doch schade für Augsburg.
Löffler: Ja, sicher. Was nicht funktioniert ist: erst München dann Augsburg, weil dann rennen alle Fans nach München, aber was funktioniert ist: Augsburg und München zusammen oder erst Augsburg. Dann fahren sogar die Münchner nach Augsburg.
SiSA: Welche Hallen gibt es noch in Augsburg?
Löffler:: Da ist die Sporthalle und die Kongresshalle und die Halle der RWS mit 1000 Plätzen, das Reese-Theater und Spectrum mit jeweils ca. 500 Plätzen und die Stadthalle in Gersthofen. Das ist eine der schönsten Hallen Bayerns.
SiSA: War es Ihre Idee, auf dem Stadtmarkt OpenAirs zu veranstalten?
Löffler: Das war die Idee eines Wettbewerbs zur Belebung des Stadtmarkts. Und dann wurde ich gefragt, ob ich Künstler bringen will. Mit den OpenAirs ist das halt so eine Sache: wenn es schön ist, sind Sie die Göttin und wenn es regnet... Wie beim Auftritt von Ottfried Fischer auf der Freilichtbühne. Es war a...kalt. Mit einer lauen Sommernacht wäre ich die Königin gewesen, aber das war halt nicht. Alle haben gefroren, der Otti war sauer...
SiSA: Wie ist denn die Zusammenarbeit mit der Stadt oder dem Theater, wenn Sie eben mal Künstler am Roten Tor oder auf dem Stadtmarkt auftreten lassen wollen?
Löffler: Stadt ist nicht gleich Stadt. Die vom Stadtmarkt sind sehr bemüht. Mit dem Stadttheater funktioniert die Zusammenarbeit auch gut. Wer sich überhaupt nicht interessiert, ist der Kulturamtsleiter. Der hat sich noch nie mit uns in Kontakt gesetzt. Ich wollte schon so oft einen Termin oder "Runden Tisch" wegen der Schwabenhalle, aber da habe ich keine Chance. So ist es auch mit dem Herrn Hintersberger, Wirtschaftsreferent. Ich wollte, dass wir uns zusammen setzen, ihnen unsere Situation erklären... Ich habe mich wirklich bemüht, mich mit ihnen zusammen zu setzen. Es ist nichts zu machen. Der Leiter der Kongresshalle, Herr Schiwek, hat im Originalton zu mir gesagt: `Was wollen Sie mit ihren Veranstaltungen? Wir wollen Kongresse.`
SiSA: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Augsburger Medien?
Löffler: Naja, wir haben ja den Vorverkauf mit der AZ zusammen... Aber zum Beispiel das Augsburg Journal, die interessiert das auch nicht.
SiSA: Gibt es noch weitere Konzertveranstalter in Augsburg?
Löffler: Es gibt HelloConcerts. Die machen so ein, zwei Konzerte im Jahr. Und auch das Spectrum bucht teilweise selber. Aber wir buchen auch Veranstaltungen im Spectrum. Da kommt sich keiner in die Quere.
SiSA: Vielen Dank für das Gespräch.