SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 10/12/2001

Michael Sauer - SiSA im Gespräch mit dem Resident-DJ vom Mojo Club

Michael Sauer, Resident DJ des legendären Hamburger Mojo Club, trug am Samstag, 8.12., bereits zum fünften Mal seine Koffer in die Keller-Gewölbe der Mahagoni Bar. Mit dem besten, was Breakbeats, Downbeats, NuJazz und Drum 'n Bass zu bieten hat, bescherte er den zahlreich erschienenen Gästen durch sein clever gewähltes Set eine tolle Party in der Mahagonibar. SiSA-Redakteur Anik Haseloff sprach mit dem Hamburger über Mojo, Musik und das sibirische Nachtleben.

Du bist Resident DJ im Mojo Club. Wie lange gibt's den Club schon?

Den Club gibt's insgesamt schon 12 Jahre, an der Reeperbahn 1 seit fast 10 Jahren.

Der Mojo Club ist ja hier in Deutschland relativ bekannt. Wie sieht das im Ausland aus? Gibt's da auch schon solche Parties wie in Köln?

Wir waren natürlich bei unseren Touren öfter in Österreich, Italien und in der Schweiz, in Holland waren wir auch ein paar mal und ich war noch in Sibirien. Aber es bleibt meistens schon eher beim deutschsprachigen Raum, wo auch dem breiteren Publikum der Name Mojo ein Begriff ist.

Der Bekanntheitsgrad hängt ja auch sicher mit euren CD's zusammen. Geht ihr immer auf Label-Tours, wenn neue CD's rauskommen?

Bei Oliver (dancefloor jazz) ist das so, dass er das eher gedrängt macht. Ich (electric mojo) bin fast jedes Wochenende unterwegs, aber dafür nicht zu viele Tage am Stück.

Mit welchen DJs arbeitet Mojo noch zusammen?

Ich mach den Freitag und Oliver macht den Samstag und hat dann ab und zu noch Leute mit dabei. Im Endeffekt sind das zur Zeit Polyphonic, das sind zwei Jungs aus Hamburg, und Freitag haben wir hin und wieder Gäste aus England und Deutschland.

Gibt's spezielle Projekte, die aus solchen Kooperationen entstehen? Ihr habt zum Beispiel mit den Phoneheads was zusammen gemacht.

Phillip von den Phoneheads war mal dabei als Tourbegleiter von 'nem englischen DJ. Der hat auch mit aufgelegt und so hat es sich ergeben, dass wir ab und zu zusammen Stücke machen. Inzwischen hat Philip auch ein Label - Combination - und darauf veröffentliche ich auch. Als ich in Sibirien war, hatte ich ihn auch mitgenommen. Da passiert schon so einiges, manches vertieft sich auch, manches nicht.

Jetzt hast du schon zum zweiten Mal von Sibirien gesprochen. Das interessiert mich jetzt schon. Was war denn da?

Das war ganz lustig. Da war ich durch das Goetheinstitut, konnte noch jemanden mitnehmen, und dann hab ich Philipp von den Phoneheads mitgenommen. Wir haben dann in verschiedenen Clubs in Omsk und Nowosibirsk aufgelegt und das war natürlich mit das Absurdeste, was man Nachtleben-mäßig machen kann, das ist so posh, dass man sich schon wundert.

Seit wann legst du denn auf?

Seit '90/'91

Was war denn deine erste Platte, die du dir gekauft hast?

Das kann ich mit Gewissheit nicht mehr sagen. Aber die erste Platte, die ich geschenkt bekommen habe war die 77 von den Talking Heads. Die erste slbstgekaufte war, glaube ich, Madness.

Was waren denn deine musikalischen Roots? Und wie bist du zu dem "neuen" Sound, wie NuJazz usw. gekommen?

Das erste, was ich so mitgekriegt habe, war die Jugendkultur '82, Breakdance. Das hat mich aber nach relativ kurzer Zeit auch nicht mehr so interessiert. Damals hat man sich dann Sachen wie New Wave angehört, aber ich bin dann ziemlich schnell über Ska und 60s Soul zu Rare Groove gekommen, darüber zurück zu HipHop... Im Endeffekt war, was mich interessierte, irgendwann alles, was mit Breakbeats zu tun hat und das schlägt sich ja bis heute beim Auflegen nieder.

Womit wir bei heute wären. Was du nachher auflegst hat viele südamerikanische Einflüsse, oder wird das mehr unterstellt?

Das ist schon mit drin, aber es ist ein Element unter vielen. Ich glaub nicht, dass das besonders authentisch ethnomäßig rüberkommt. Da werden Rhythmuselemente benutzt, aber es ist hoffentlich auch weit entfernt vom zu gefälligen "Caipirinha Sound".

Woher beziehst du deine Musik? Hast du in Hamburg deinen Lieblingsplattenladen, von dem du versorgt wirst?

Es gibt schon Lieblingsplattenläden, aber trotzdem ist es in Hamburg relativ schwierig. Ich bestelle zusätzlich in England und schaue in Plattenläden, dort wo ich auflege. In Hamburg muß man sich beim Plattenkaufen schon ein bißchen Mühe geben.

Was heißt es für dich, ein guter DJ zu sein? Wie definiert man einen guten DJ?

Ich würde mal sagen a) dass es 'ne gute Party ist, b) den Leuten was neues nahe bringt ohne dass man sie so verschreckt dass man sie aus dem Raum spielt und c) dass man sie dazu bringt, dass ihnen das Ungewohnte gefällt.

Worauf legst du bei deinen Sets am meisten wert?

Eigentlich mach ich mir im Vorraus nie Gedanken darüber, aber ich merke im Nachhinein, dass ich mit Spannungsbögen arbeite. Ich achte darauf, dass ich nicht drei Stunden den gleichen Sound auflege, dass es Höhen und Tiefen gibt, mal 'n bißchen Druck rausnehme und dann wieder mehr Gas gebe. Es darf nicht zu eindimensional werden.

Wie würdest du jemanden deinen Sound beschreiben, der dich und Mojo nicht kennt?

Schwierige Sache. Dadurch, dass man versucht, den Sound nicht zu eindimensional zu machen, wird es natürlich auch schwierig ihn zu beschreiben. Jede Beschreibung führt dazu, dass man sich ein klares Bild macht. Ich würde sagen soulfulle und jazzige Breaks in allen Geschwindigkeitsbereichen von HipHop-Geschwindigkeit bis Drum 'n Bass-Geschwindigkeit.

Was sind deine 5 alltime-favorite-Platten, die du zum Beispiel auf 'ne einsame Insel mitnehmen würdest?

Wenn ich jetzt 5 sage, fallen mir in ner halben Stunde bestimmt wieder 5 ganz andere ein. Aber spontan würde ich sagen, man müsste auf jeden Fall was von Sun Ra mitnehmen, von 'nem großen Sänger, wie Jon Lucian, eine klassische Drum 'n Bass-Platte, wie den Hellicopter Tune von Deep Blue, und auf jeden Fall 'ne HipHop-Platte, natürlich Low end theory von A Tribe Called Quest. Von jeder Kategorie etwas. Und dann noch was ganz anderes, vielleicht fools gold von den Stone Roses.

Im Sommer soll die Electric Mojo 3 rauskommen. Was erwartet uns?

Ich hoffe eher im Frühjahr, aber wenn es Frühjahr heißt, wird es schnell mal Sommer. Was uns erwartet? Schwer zu beschreiben, aber ich denke, die wird sehr schön. Eine gute Mischung aus musikalischeren Stücken fürs Wohnzimmer und ein paar Krachern dazwischen.

Wie gefällts dir denn in Auxburg? Du bist ja schon das fünfte Mal hier.

Es ist sehr nett hier, aber eigentlich beantwortet sich die Frage schon selber. Man fährt ja nicht sechs Stunden mit dem Zug durch die Gegend, wenn man's Sch... findet (lacht).

Wann kommst du wieder?

Wenn ich gefragt werde.

Vielen Dank und viel Spaß heut Abend!

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