The Skatalites - die Altmeister des Ska, Reggae und Rocksteady im Gespräch mit SiSA
SiSA: Gab es irgendeinen Höhepunkt in Deiner Karriere?
Doreen Shaffer: Ich zog auf die Bahamas-Inseln, auf denen ich 18 Monate verbrachte. Ich arbeitete dort in einem Nachtclub, bevor ich begann, überall auf der Insel Shows zu machen. Ich arbeitete mit einer Menge verschiedenen Künstlern zusammen, wie z.B. Freddy Mc Gee, Freddy McGregor, Denis Brown, Terron Tailor, all diesen Künstlern, die auf der Insel wohnten. Und das machte ich ziemlich lange, bis 1983, als wir uns für Sunsplash wieder zusammentaten. Aber 1984 trennten wir uns wieder, einige zogen nach Amerika, wohin ich nicht mitgegangen bin. Ich verließ Jamaika 1992.
SiSA: Hast Du Jamaika wegen der Skatalites verlassen?
Doreen Shaffer: Nein, es war wegen der Familie. Mein Mann und die Kinder waren schon dort. Mit den Leuten von den Skatalites traf ich mich dann im Central Park. Es war eine großartige Erfahrung, weißt Du, Du triffst eine Menge Leute, und wir alle zusammen sind wie eine große Familie, viele Meilen von zuhause entfernt.
SiSA: Was denkst Du, wie lange wirst Du noch so um die Welt touren?
Doreen Shaffer: Natürlich so lang, wie ich's noch machen kann!
SiSA: Habt Ihr irgendwelche speziellen Pläne für die Zukunft?
Doreen Shaffer: Naja, es gibt auf jeden Fall eine Menge zu tun, Dinge, die ich auf jeden Fall verwirklichen möchte...
SiSA: Mehr im Privatleben oder mit der Band?
Doreen Shaffer: Eigentlich mit der Familie... aber während man so vor sich hinwurschtelt, muß man einfach sehen, wie's weiter geht, was auf einen zukommt.
SiSA: Dann sind Eure Touren, das Herumreisen für Dich ja quasi wie Urlaub, wie Urlaub von der Familie, hmm?
Doreen Shaffer: (lacht herzhaft) Jaja, so könnte man das fast nennen, es ist wirklich sehr schön! An einigen Tagen mußt Du zwar sehr früh aufstehen, morgen zum Beispiel müssen wir schon um fünf Uhr abfahren, es wird eine sehr lange Fahrt werden, nach Italien.
SiSA: Dann wünsche ich Dir alles Gute, Danke für das Interview! Ich werde mich jetzt bei den anderen noch ein bißchen umhören.
SiSA: Was hältst Du von den jungen Reggaebands, den Bands von heute, z.B. Eurer Vorgruppe?
Cedric Brooks: Die sind gut, die sind wirklich gut. Die haben den Rhythmus raus.
SiSA: Ihr seid ja die Erfinder von Ska, Reggae und Rock Steady. Es muß ziemlich lustig für Euch sein zu sehen, wie sich das heute alles weiterentwickelt hat, oder?
Cedric Brooks: Ja, also die halten sich da ziemlich genau an unsere Vorgaben, wenn man das so bezeichnen möchte. Wir haben in gewissem Sinne ja geistige Vorgaben gemacht und sind ziemlich happy, daß wir damit den Leuten etwas mitgeben konnten.
SiSA: Was ist es, das Euch dazu bewegt, immer noch Musik zu machen? Ich meine Ihr seid ja jetzt nicht unbedingt mehr die Jüngsten... und ständig um die Welt zu fahren, ist ja auch kein Zuckerschlecken...
Cedric Brooks: (kriegt sich nicht mehr vor lachen) Sag es einfach, wie es ist... Ja, wir sind alt, uralt...
SiSA: Naja, also im Vergleich zu mir... ich meine ich frag mich schon, ob ich in dem Alter mal noch so fit sein werde?
Cedric Brooks: You never know... (grinst) Unsere Musik war ja wieder populär geworden und hatte eine Menge Veränderungen durchgemacht. Wir bekommen so viel Rückmeldung vom Publikum, daß wir uns echt freuen, überall hinzufahren und unsere Sachen zu spielen, auch in Europa.
SiSA: Das Publikum muß sich doch während der letzten 35 Jahre ziemlich verändert haben, oder?
Cedric Brooks: Ja, schon. Es ist jünger geworden, sehr viel jünger. Und es bewegt sich anders. Vielleicht liegt das an unseren Texten. Wir drücken Sachen aus, die mehr die jungen Leute von heute interessieren. Aber die Sachen an sich ändern sich eigentlich nicht, sie werden nur recycelt (lacht).
SiSA: Das ist ja eigentlich ziemlich tricky.
Cedric Brooks: Klar, unsere Musik bleibt die gleiche, aber die jungen Leute hören das zum ersten Mal und so ist es etwas total neues für sie, eine Herausforderung.
SiSA: Was bedeutet Euren Enkeln eigentlich Eure Musik?
Cedric Brooks: Die kommen klar mit dem, was wir machen. Wir erhalten natürlich unsere Geschichte aufrecht wegen der historischen Relevanz für den von uns initiierten Musikstil. Und die Leute mögen das, also warum sollten wir daran irgend etwas ändern.
SiSA: Wie lange denkst Du werdet Ihr das noch machen können? Von Dir hört es sich so an, als würdest Du nie damit aufhören!
Cedric Brooks: So lange, wie wir es noch können, so lange die Leute noch mögen, was wir sagen. Daran wird sich eines Tages natürlich etwas ändern, weil sich das Publikum wieder ändert, aber das ist Teil der Evolution, des Entwickungsprozesses.
SiSA: Ist das Rumtouren für Dich wie Urlaub?
Cedric Brooks: Nun ja, es ist mir wirklich ein großes Vergnügen, weil ich so viele neue, unterschiedliche Erfahrungen machen kann. Ich genieße meine wiederauferstandene Jugend (lacht).
SiSA: Machst Du tatsächlich neue Erfahrungen, obwohl Du schon 35 Jahre lang rumtourst?
Cedric Brooks: Ja, doch, auf jeden Fall. Die Band ist wie eine Familie, und eine Zeit lang konnten wir nicht miteinander arbeiten. In den 70ern hat sich ja sehr sehr viel geändert, in den 80ern sind sehr viele Leute von Jamaika in die Staaten ausgewandert und in den 90ern haben wir uns ja eigentlich erst wieder richtig zusammengetan, nämlich in Amerika.
SiSA: Warum habt Ihr eigentlich Jamaika verlassen?
Cedric Brooks: Da gab es verschiedene Gründe: Für die einen lag es an der jeweiligen, persönlichen Situation, bei den anderen waren Teile der Familie schon in den Staaten und so sind wir teilweise einfach hinterhergezogen.
SiSA: Was war dann der Grund für Eure Wiedervereinigung?
Cedric Brooks: Es gab viele Leute, die daran interessiert waren, daß wir wieder zusammen spielen sollten. Wir hatten daran eigentlich überhaupt nicht gedacht, aber es gab auch viel Publikum, das von Jamaika in die USA gezogen waren. Die kannten uns von früher schon und sagten hey, jetzt sind wir wieder in Eurer Nähe, warum spielt ihr nicht wieder zusammen.
SiSA: Gibt es irgendetwas, was Du den jungen Leuten von heute mit auf den Weg geben möchtest?
Cedric Brooks: (grinst) Do what you do, enjoy what you do! (Gelächter) Weißt Du, für uns alle kommt der Moment im Leben, wo Du merkst, daß Du nicht mehr alles machen kannst, was Du willst. Darum genießt Euer Leben und macht Eure Sachen mit Überzeugung.
SiSA: Eine letzte Frage noch: Wie hat es Euch denn auf dem X-Large im Juni hier in Augsburg gefallen?
Cedric Brooks: X-Large?
Lloyd Brevett: Das war der Auftritt in dem großen Zelt! (beide lachen) Ja, das war ein wirklich großes Zelt....
Cedric Brooks: Toll, das war wirklich fantastisch. Wir haben eine ganze Menge von dem Lifestyle hier mitgenommen. Und waren noch bis fünf in der Früh unterwegs... (beide grinsen) Oh ja, da waren wir wieder jung. Und wild... (Grinsen) Aber es war toll die Leute in diesem jungen Alter zu treffen, mit ihren Emotionen, ihrer Begeisterung... die Stimmung war echt gut.
SiSA: Danke für das Interview!
Interesse an den Photos? Dann mailto landroemer@web.de!