Jenseits von Kenia... Caroline Link im Interview
Gleich mit ihrem ersten Film "Jenseits der Stille" wurde Caroline Link zum Star in der deutschen Filmszene. Mit „Nirgendwo in Afrika“, einer Romanverfilmung nach Stephanie Zweig, ist vor kurzem ein neues vielversprechendes Werk der 36-jährigen Regisseurin im Kino angelaufen.
Benni Beilke unterhielt sich mit der Regisseurin.
Gleich mit ihrem ersten Film wurde Sie zum Star in der deutschen Filmszene. Mit „Jenseits der Stille“, gelang Caroline Link vor 6 Jahren das, wovon deutsche Regisseure normalerweise nicht mal zu träumen wagen: Der Film, der das oftmals schwierige Leben von Gehörlosen zum Thema hat, wurde für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert.
Mit „Nirgendwo in Afrika“, einer Romanverfilmung nach Stephanie Zweig, ist vor kurzem ein neues vielversprechendes Werk der 36-jährigen Regisseurin im Kino angelaufen. Auf sehr authentische Art und Weise beschreibt Caroline Link darin die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie die während der Nazidiktatur aus nach Kenia flüchtet, um sich dort mit zahlreichen bisher unbekannten Problemen konfrontiert zu sehen.
Benni Beilke hat sich mit der Regisseurin unterhalten.
SISA: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen das Buch „Nirgendwo in Afrika“ von Stephanie Zweig zu verfilmen?
Caroline Link: Der Produzent des Films Peter Herrmann hat mir vor dreieinhalb Jahren das Buch in die Hand gedrückt und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte einen Film daraus zu machen. Ich habe den Roman dann gelesen und verschiedene Elemente darin spannend gefunden: zum Einen natürlich die Möglichkeit als junge Regisseurin in Afrika einen Film drehen zu dürfen, dann noch dieser ungewöhnliche Blick auf eine sehr schwierige Ehe, die sich dann später wieder zusammenfindet, zum anderen die Frage wie sich ein Kind in einer völlig neuen Welt zurecht finden würde. Ich habe dann versucht, eine Geschichte zu erzählen, die nicht damit endet das es endlich zum ersten Kuss kommt, sondern die da anfängt, wo andere Liebesgeschichten oft enden.
SISA: Einen Film in Kenia zu drehen, stellt ja sicher nicht nur das Filmteam vor Probleme. Wie haben Sie die Menschen vor Ort auf ihre Ankunft vorbereitet?
Caroline Link: Wir hatten in unserem Team einen Ethnologen, der Benedikt Miro heißt. Als wir uns für das Dorf Mukutani als einen der wichtigsten Schauplätze entschieden hatten, ist Benedikt hingefahren und hat die Leute darauf vorbereitet was auf sie zukommt. Zuerst hat er sie natürlich gefragt ob sie überhaupt wollen, dass wir bei ihnen drehen. Außerdem hat er versucht den Leuten zu erklären, wofür wir die Dreharbeiten machen, was allerdings ziemlich schwierig war, da die Menschen dort weder Fernsehen noch Kino kennen. Die Einwohner Mukutanis wollten dann als Gegenleistung, dass wir ihnen eine Strasse zum nächsten Dorf bauen, was wir dann auch gemacht haben.
SISA: Einige von den Bewohnern Mukutanis treten ja auch als Darsteller in „Nirgendwo in Afrika“ auf. Sind die genauso gecastet worden wie zum Beispiel die Hauptdarsteller?
Caroline Link: Nicht ganz, aber es gab schon so eine Art Probeaufnahmen mit den Einwohnern. Das war übrigens jedes Mal ziemlich lustig, weil sich dann das ganze Dorf versammelt hat, und Einzelne vortreten mussten, um ihre darstellerischen Fähigkeiten oder Unfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Auf diese Art und Weise haben wir uns relativ schnell angefreundet.
SISA: Die Freundschaft zwischen ihrem Team und den Einwohnern von Mukutani hat ja scheinbar bis jetzt gehalten. Auch heute noch unterstützen Sie das Dorf.
Caroline Link: Ja, wir haben noch sehr viel vor in Mukutani. Wir wollen die Krankenstation unterstützen, wir wollen die Schule unterstützen und wir wollen die Strasse ins nächste Dorf noch weiter ausbauen. Aus diesem Grund haben wir auch einen Verein zugunsten des Dorfes gegründet und wir hoffen das wir genügend Geld zusammen bekommen, damit wir das, was wir uns vorgenommen haben, auch erreichen.
SISA: Es gibt in „Nirgendwo in Afrika“ eine Szene, bei der ein riesiger Heuschreckenschwarm die Felder angreift. Haben Sie diese Szenen mit echten Heuschrecken gedreht?
Caroline Link: Teils, teils. Wir hatten zum Einen echte Heuschrecken dabei, haben aber auch noch sehr viel mit digitaler Bildbearbeitung gemacht. Damit wir mit unseren Heuschrecken dort keine Plage auslösen, haben wir übrigens nur männliche Heuschrecken verwendet, die dann auch ziemlich schnell von anderen Tieren wieder gefressen worden sind.
SISA: Bisher haben in allen ihren Filmen Kinder eine große Rolle gespielt. Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit mit Kindern und der Arbeit mit Erwachsenen?
Caroline Link: Ich persönlich empfinde das Drehen mit Kindern als sehr einfach. Ich bin jedes Mal froh, wenn ich morgens aus dem Bett steige und weiß, ich habe heute Drehzeit mit Kindern weil mir das relativ leicht fällt. Voraussetzung ist natürlich, dass ich mit den richtigen Kindern drehe und sich niemand zu etwas gezwungen fühlt und eventuell keinen Spaß daran hat. Ich suche auch meistens sehr lange nach den richtigen Kindern und habe mit meiner Auswahl bisher auch immer ein glückliches Händchen gehabt.
SISA: Kommen wir noch einmal zurück zu ihrer Drehzeit in Kenia. Was für Eindrücke haben Sie aus diesem Kulturkreis mit nach Deutschland genommen?
Caroline Link: Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen zurück nach Deutschland gekommen. Auf der einen Seite war ich frustriert darüber, wie korrupt die Menschen dort zum Teil sind. Auf der anderen Seite war ich sehr beeindruckt, weil die Menschen dort trotz ihrer Armut so viel Lebensfreude und Spaß haben.
SISA: Was kommt denn bei ihnen als nächstes? Gönnen Sie sich erst mal eine Pause, oder stürzen Sie sich gleich wieder in das nächste Projekt?
Caroline Link: Konkrete Pläne habe ich noch nicht. Ich werde jetzt erst mal ein bisschen durchatmen, um dann neue Projekte in Angriff zu nehmen. Nachdem meine letzten beiden Filme (Pünktchen und Anton, Nirgendwo in Afrika; Anm. d. Red.) Auftragsarbeiten waren, würde ich als nächstes gerne wieder einen Film von der Idee bis zur Entstehung selber machen. Ich denke aber, dass vor 2003 kein neuer Film von mir fertig sein wird.
SISA: Vielen Dank für das Gespräch.
Wer den von Caroline Link gegründete Verein zur Verbesserung der Lebensqualität im kenianischen Dorf Mukutani finanziell unterstützen will, kann dies unter folgendem Spendenkonto tun:
Spendenkonto Mukutani Foundation e.V.:
Bankhaus Reuschel
BLZ 700 303 00
Konto Nr. 1155933
Biographie von Caroline Link:
Caroline Link wurde am 2. Juni 1964 in Bad Nauheim/Hessen geboren. Nach der Schule ging sie für ein Jahr in die USA um danach bei den Bavaria Filmstudios als Statistin zu jobben.
Von 1986 bis 1990 dann besuchte Caroline Link die Hochschule für Fernsehen und Film in München. Während dieser Zeit drehte Sie mehrere Kurzfilme. 1995 dann ihr erster Kinofilm: Ihr Debüt „Jenseits der Stille“ wird sowohl vom Publikum als auch von Kritikern hoch gelobt. Sie erhält mehrere Filmpreise für den Film, darunter den deutschen Filmpreis in Silber. Außerdem wird „Jenseits der Stille“ als Anwärter auf den besten ausländischen Film für den Oskar nominiert.
1998 dann, verfilmt Caroline Link den Roman „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner.
Mit den Vorbereitungen zu „Nirgendwo in Afrika“ beginnt Caroline Link bereits im Jahr 1999, seit dem 27.12.2001 ist ihr Film in deutschen Kinos zu sehen.
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