SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 12/06/2002

HipHop hat mein Leben verändert

Shooting-Star Joy Denalane spricht über ihre Wurzeln

Bild von: Four Music
Joy Denalane bewegt sich beinahe spielerisch durch die Kulturen, versteht es zu verknüpfen und zu verbinden. Auf ihrem neuen Soloalbum "Mamani"(Siehe CD-Review Joy Denalane), das sie mit dem Freundeskreiskopf Max Herre produziert hat, würzt sie ihren weichen Soul mal mit deutschen, HipHop-lastigen Texten, mal singt sie auf Englisch, dann wieder auf Französisch. Und schließlich in einem südafrikanischen Dialekt, den die Tochter einer Deutschen und eines Südafrikaners zwar nur als Klangfarbe kennt, aber mit ebenso viel universell verständlicher und tiefer Emotion zu füllen versteht, wie ihre übrigen Songs. Keine Frage, die Four Music-Blase hat ein weiteres extrem Erfolg versprechendes Multi-Kulti-Wunder hervorgebracht.

Deine Musik wurde einmal als "afroamerikogermanisches Gesamtkunstwerk" bezeichnet. Kannst Du mit diesem Begriff etwas anfangen?

Joy Denalane: Zuerst bin auch ich über den Begriff gestolpert. Aber als ich ihn etwas auseinander genommen habe, fand ich das eigentlich ganz treffend für das, was ich mache. Amerikanisch sind die musikalischen Einflüsse, die auf meinem Album zu finden sind. Blues zum Beispiel. Das "Germano-mäßige" ist das, was sich in meinen Texten widerspiegelt, die Thematik - einfach, weil ich hier in Deutschland geboren bin und mir die Welt von hier aus anschaue. Das Afrikanische natürlich, weil ich eine Afro-Deutsche bin, mein Vater ist Südafrikaner. Ich repräsentiere auf dem Album sicher die südafrikanischen Roots, die mich zu dem machen, was ich bin. Als Musikerin beschreibt mich der Begriff also ganz gut, wenn man das so zerpflückt betrachtet.

Spiegelt sich darin vor allem Deine Biografie wider?

Denalane: Bestimmt. Auf das Amerikanische bezogen zumindest unter einem musikalischen Aspekt. Ich habe dort weder Verwandte, noch habe ich dort jemals gelebt, aber meine musikalischen Einflüsse kommen natürlich alle von dort.

Bild von: Four Music
Was genau sind diese Einflüsse?

Denalane: Earth, Wind and Fire, Michael Jackson, Stevie Wonder, Mary J. Blige, Miles Davis. Ich könnte jetzt eine Stunde weiter Musiker aufzählen, aber das sind schon die, die mir so auf Anhieb einfallen. Wahrscheinlich auch, weil das die Sachen sind, außer Mary J. Blige, mit denen ich aufgewachsen bin, die auch mein Vater sehr geliebt hat. Vor allem afro-amerikanischer Soul. Diese Musik war für mich als Kind immer selbstverständlich, das hat mich geprägt. Meine Eltern haben das geliebt, die haben sich auch in einem Jazz-Club kennen gelernt.

Was ist Soul für Dich, was bedeutet Dir diese Musik?

Denalane: Musikalisch ist Soul für mich das, was losgelöst von allen alltäglichen Problemen besteht. Eins mit sich zu sein. Und das eins zu eins auszudrücken, was man fühlt und zwar ohne sich zu überlegen, ob das jetzt zu viel, zu wenig, toll oder peinlich ist. Einfach mit sich zu sein.

Findet sich Dein Soulbegriff also hauptsächlich textlich in Deinen Songs wieder?

Denalane: Auch. Aber es ist natürlich auch der gesangliche Ausdruck, der eine große Rolle spielt. Ich kann nicht nur einfach einen Text singen, ohne da meine Gefühle mit rein zu legen. Ich denke, es ist eine Symbiose aus Text, Gefühl und Musik. Wenn jetzt die Musik super-abgehackt wäre, dann wäre ich sicherlich eingeschränkt in meinem Gefühlsfluss.

Bild von: Four Music
Du bist in Berlin-Kreuzberg groß geworden. Dort lebt man ja schon ein wenig zwischen den Kulturen. Mündet dieser Background nicht fast zwangsläufig in Black Music?

Denalane: Nein, überhaupt nicht. Ich habe fünf Geschwister, die machen alle keine, Musik und eine meiner Schwestern steht zum Beispiel mehr auf so Rockzeugs. Ich glaube gar nicht, dass das zwangsläufig passiert. Es ist auf jeden Fall möglich, und es fällt jemandem wie mir, der damit von frühester Kindheit in Kontakt ist, sicherlich leichter als anderen, aber es bestimmt nicht zwangsläufig.

Wann kam HipHop in Dein Leben? Der spielt in Deinem musikalischen Kontext doch offenbar auch eine große Rolle?

Denalane: Das muss mit 14 gewesen sein, und HipHop hat ganz klar mein Leben verändert. Auf einmal gab es Clubs, in denen ich Leute getroffen habe, die auch so aussahen wie ich, sprich Farbige. Und ich war cool, ich war angesagt. Ich war davor nicht unbedingt unbeliebt, im Gegenteil, aber jetzt war ich auf einmal begehrt, und das war wirklich das erste Mal in meinem Leben. Ich mochte die Musik, ich mochte die Protagonisten der Musik.

Dein Album hast Du mit einem dieser Protagonisten der deutschen HipHop-Szene produziert, Max Herre, von Freundeskreis, mit dem Du auch verheiratet bist und seit eineinhalb Jahren ein Kind zusammen hast. Wie verträgt sich das mit der Musikkarriere?

Denalane: Gut. Man muss sich einfach gut organisieren. Allerdings muss ich auch sagen, dass so eine Situation wie bei uns, also dass Max und ich voll arbeiten können, auch nur denen gewährt ist, die privilegiert sind. Es gibt einfach ganz wenig Einrichtungen für Kinder, Kindertagesstätten zum Beispiel. Darüber habe ich mir aber auch erste Gedanken gemacht, seit Isaja da ist. Aber wenn man sich das leisten kann, einen Babysitter anzustellen, wie wir jetzt, dann geht das schon.

Bild von: Four Music
Wie wirkt sich Eure Partnerschaft auf Eure musikalische Zusammenarbeit aus?

Denalane: Das ist manchmal schon anstrengend. Wir haben uns während der Produktion natürlich viel gestritten. Wenn man zusammen lebt und zusammen arbeitet, kann man eben nicht abends nach Hause kommen und erst einmal über den Kerl im Studio ablästern, sondern da sitzt dann wieder genau der Typ aus dem Studio. Es war schon nicht ganz leicht, aber ich glaube, dass wir durch die musikalische Zusammenarbeit sehr viel gelernt haben und dass uns so schnell keiner mehr was vormacht - auch was eine Beziehung angeht. Es kann nicht nur immer Schmetterlinge im Bauch geben. Man muss auch irgendwann kompromissbereit sein und diese Kompromisse auch mit Disziplin umsetzen können.

Geht Ihr, wenn Ihr zusammen arbeitet, ehrlicher miteinander um, als das jetzt mit einem anderen Produzenten möglich wäre?

Denalane: Viel ehrlicher. Das ist auch der Grund, weshalb wir beide uns mal schneller gestritten haben, als mit den anderen, die auch noch dabei waren. Natürlich ist man viel ehrlicher und wenn ich schlechte Laune habe, dann warte ich ja nur, dass er irgendetwas sagt. Aber andererseits habe ich durch die Arbeit erst gemerkt, was für ein grandioser Musiker Max eigentlich ist. Von ihm steckt auch sehr viel mit in unserer Musik, das Album ist schon sowas wie unser zweites kleines Kind geworden.

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