21/05 Moby - 18 



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So ganz von dieser Welt war er ja eigentlich nie, der gute Richard Melville Hall alias Moby. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er uns vom Cover seines neuen Albums "18" als Weltraumtourist in einer Art intergalaktischem Neoprenanzug entgegenstrahlt. Um eines gleich vorwegzunehmen: Der Titel "18" ist keine Reminiszenz an das viel beschworene Wahlziel der FDP bei den bevorstehenden Bundestagswahlen, sondern hat - wie bei Moby nicht anders zu erwarten - eine tiefere metaphysische Bedeutung. Moby befindet sich nämlich gerade auf dem Alien-Trip. Die Außerirdischen, die nach seiner festen Überzeugung in den 50er-Jahren im amerikanischen Roswell landeten, wurden ausgerechnet im Hangar Nummer - richtig! - 18 zwischengelagert und vor den neugierigen Augen der Weltöffentlichkeit versteckt.
Man könnte den Titel aber auch ganz profan interpretieren. "18" stünde dann für die 18 neuen Songs, die auf dem Album vertreten sind. Das Wort "neu" ist in diesem Fall allerdings nur die halbe Wahrheit, denn was hier musikalisch passiert, kommt einem schon beim ersten Hören ziemlich bekannt vor. "Ich fände es schon gut, wenn mich die Leute häufiger um Autogramme bitten würden", bekannte Moby kürzlich in einem Interview. Mit anderen Worten: Moby will endgültig kein Geheimtipp mehr sein, sondern ein ganz Großer. Um ein solcher zu werden, braucht man vor allem einen unverwechselbaren Stil, und für einen solchen war unser kleiner Außerirdischer in der Vergangenheit ja nicht unbedingt bekannt. Immerhin galt er nicht umsonst als musikalisches Chamäleon, das seine an Synthie-Klangteppiche gewohnte Fanschar auch schon einmal mit einem waschechten Rockalbum schockte. Auf "18" bleibt dagegen alles beim Alten. Böse Zungen sprechen gar von einer Kopie seines 99er-Albums "Play". In der Tat: Von einer musikalischen Weiterentwicklung kann man beim besten Willen nicht reden. All die Zutaten, die er schon in seinen Vorgänger mischte, um ein buntes Genre-Potpourri anzurühren, sind auch auf "18" vertreten. Da gibt es sanfte Streicher-Klänge, verträumte Piano-Einsprengsel und gesampelten Gospel- oder Soulgesang im Verbund mit der typischen melancholischen Grundstimmung, die Mobys Texte auszeichnet. Einzig die Hip-Hop-Hymne "Jam For The Ladies", für die sich der Soundtüftler die stimmliche Unterstützung von MC Lyte und Angie Stone sichern konnte, sowie das von Sinead O'Connor gefühlvoll hingehauchte "Harbour" brechen ein wenig aus dem musikalischen Schema eines Albums heraus, das sich sonst vor allem für verregnete Sonntagnachmittage oder Weltraumreisen eignet.