23/05 MC René - Scheiss auf euren HipHop 



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Vorbei, dieser Traum, denn MC René hat eine 100-prozentige Kehrtwende gemacht. Er nennt seine LP "Scheiß auf euren HipHop" und beschwert sich nicht nur im Song "Whack und Kommerz" über die Vorwürfe des Ausverkaufs, die ihm entgegen geprasselt waren. Mit der Single "Pump Up den Shit" setzt er imagemäßig noch einen drauf. Clubbig, aber böse! René disst und battelt, setzt sich ins rechte Licht und gibt sich voll und ganz als Mitglied des elitären HipHop-Zirkels mitsamt seiner inzwischen unverständlichen Geheimsprache.
Immerhin erfahren wir von der Plattenfirma, dass Renés Delivery (wie man was rüberbringt) und sein Content (was man dann rüberbringt) stimmen. Dann ist es ja gut! Die ganze LP erscheint wie eine Rechtfertigung vor den Kollegen, typisches Battling, klassische "Wir sind sozial minderbemittelt"-Songs, Männerfreundschaften und die böse, geldgierige Gesellschaft, stehen im Vordergrund. Dabei klingt René überraschend rhythmisch, schnell und öfter bretthart, dann - selten - wieder sehr lyrisch. Nach wie vor also ziemlich musikalisch. Immer noch könnte man verdammt gut zu René-Songs tanzen, sie in jedem Club mit gutem Gewissen abspielen, immer noch ist er einer der wortgewandtesten MCs, der sich diesmal ein ziemlich gutes Team ins Studio geholt hat, um sich ganz seinem MC-ing zu widmen. Dieses Team klaut für die Samplings ziemlich gekonnt bei Klassik, Klezmer-Musik und R'n'B. Nicht schlecht macht sich die Gästeliste: Gentleman ("Never Give Up"), Ultraman ("Spliff That Shit"), Django (witzig: "Hardcore Rapper") und Xavier Naidoo (wunderschön: "My Man"). Wäre ja auch gelacht, wenn es mal eine deutsche Produktion gäbe, auf der Naidoo nicht mitsingt. Die CD wäre Meisterklasse, wenn sich René von der Szene ein wenig mehr distanzieren würde. Aber immer noch gilt: Mehr als guter Durchschnitt.