SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 12/06/2002

Korn - Untouchables

Die Vorreiter des Nu Metal melden sich auf die Art und Weise zurück wie es sich für Ikonen gehört: Bombastisch.

Irgendwer hat vor Veröffentlichung dieses Albums die Mähr gestreut, Korn würden auf "Untouchables" mit gebremstem Schaum zu Werke gehen. Keine Ahnung, wer dieses in den vergangenen Wochen oft nachgeplapperte Gerücht in die Welt gesetzt hat, aber da ist nichts dran. Korn setzen fort, was sie in den 90er-Jahren mit "Korn", "Life Is Peachy", "Follow The Leader" und "Issues" begonnen haben - mit einigen Sound-Modifizierungen versteht sich.
Markanteste Veränderung: Jonathan Davies gibt diesmal einen richtigen Sänger, manchmal klingt er fast wie ein klassischer Metal-Shouter mit hoher, etwas schwülstiger Stimme, dann wieder holt er tief und innbrünstig zum pathetischen Refrain aus. Er müht sich redlich, geradlinig und clean rüber zukommen. Seine berüchtigten Knurr-, Heul- und Schrei-Ausbrüche sind auf "Untouchables" dagegen eher selten zu hören. Was nicht heißt, dass dieses Album weniger emotional ist, als seine Vorgänger. Vielleicht sind Korn unter dem Strich nur etwas vielseitiger geworden. Neben düsteren und aggressiven Hardcore-Brettern, servieren die Nu-Metal-Erfinder aus Kaliforniern nun auch mal recht eingängigen Retro-Metal ("Thoughtless") und mit "Alone I Break" sogar eine Art Elektro-Ballade, die ganz ohne das Korn-typische ultra-tiefe Gitarrenriffing auskommt. Ziemlich viele Einflüsse, die Korn anno 2002 in ihrem leicht "faithnomoreisierten" Sound verschmelzen. Kann gut sein, dass genau das die Zugeständnisse sind, die eine Band machen muss, wenn sie den großen Durchbruch erst einmal hinter sich hat. Dann heißt es dran bleiben, weiter wenigstens halbwegs für die Masse produzieren, ohne die eigenen Wurzeln zu verraten. Hardcore-Fans wird das dann manchmal ein bisschen bitter nach Kompromiss schmecken. Aber wenn überhaupt, dann ist "Untouchables" ein Kompromiss auf sehr, sehr hohem Niveau. Korn sind immer noch authentischer und mitreißender als die meisten ihrer vielen in den 90er-Jahren Epidemie-artig aus Amiland über uns gekommenen Klone.

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