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17/06 Eminem - The Eminem Show ****_

Ein Aufschrei geht durch die Republik, die neue Eminem-Scheibe "The Eminem Show" ist da, Mütter reißen ihre Töchter von den Straßen, Plattenladenbesitzer kaufen sich Gummihandschuhe, um beim vielen Geld zählen nicht unnötige Abnutzungserscheinungen der Finger-Hornhaut erleiden zu müssen, und die Macher der Media-Control-Charts können das Ding auf Nummer eins setzen, ohne überhaupt nachzufragen. Ein Eminem-Interview nach dem anderen erscheint in der deutschen Presse, obwohl der Junge gar keine gegeben hat, und die Welt dürstet nach Informationen, um was es denn wohl bei "The Eminem Show" geht. Raten Sie mal. Um die Gesellschaft, seine Mutter, seine Exfrau und seine Tochter, ganz einfach.

Wie immer also, aber noch persönlicher, noch stärker als früher, und ein wenig nachdenklicher und ehrlicher. Natürlich ist die CD fantastisch, der sarkastische und politisch chronisch unkorrekte Marshall Mathers ist immer wieder amüsant, seine ausgeschriebenen Lyrics im Booklet erlauben ein Verfolgen seiner Gedanken (vorausgesetzt, man hat zwei Jahre in den USA gelebt), und auch musikalisch hat sich einiges getan: 70er-Jahre-Rock ist nun zur Inspirationsquelle für Mathers Rundumschläge gegen die US-Gesellschaft geworden. E-Gitarren, Donnerdrums und übersteuerte Klänge finden sich in mehreren Songs. Trotz dieser Einflüsse verfügt Eminem über einen extrem ausgeprägten Personalstil, der es sogar Laien ermöglicht, ihn blind zu erkennen. Und wer diesen Personalstil mag, wird die Scheibe lieben. Ausgefeilter HipHop mit teils sehr verletzten, aber auch angriffslustigen und solidarischen Texten ("Let s do the math. If I was black I wouldn t sould half"). Er macht sich leidenschaftlich gerne über weiße Politiker lustig: "Ihr fürchtet Euch vor mir, denn ich könnte Euer Kind sein. Vor schwarzen Rappern in Harlem habt Ihr keine Angst, aber vor weißen in Boston schon." Er arbeitet sich durch Südstaatenrap ("Square Dance") samt zugehörigem Akzent, gibt selbstkritische Töne über sein Verhältnis zu den Fans (siehe "Stan") von sich ("Say Goodbye Hollywood") und verärgert Feministinnen mit der sexuellen Fantasie "Drips". Das allgemeine Rundumschlag-Gedisse und das "Bin Shady"-Video für die Single "Without Me" bleibt trotz ausgefeilter Bosheiten im Rest eher die Ausnahme. Wäre man ein euphorischer Mensch, man könnte Eminem zumindest textlich als Frank Zappa für die Generation Y bezeichnen. Musikalisch muss er für dieses Kompliment freilich noch länger arbeiten.

Das Video zu ´Without Me`könnt Ihr euch hier schon mal reinziehen:
Eminem: Without Me


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