SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 23/05/2002

Band ohne Namen kommt mit neuem Album auf Tour

Ursprünglich nannten sich der Deutsch-Amerikaner Guy Gross und der Berliner Claus Capek `Die Allianz`.

Bild von: x-cell
Ursprünglich nannten sich der Deutsch-Amerikaner Guy Gross und der Berliner Claus Capek Die Allianz. Als dann aber der gleichnamige Versicherungskonzern mit einer Klage drohte, überlegten sie es sich schnell anders und wurden, eigentlich nur vorübergehend, "bon" - die "band ohne namen". Sie baten ihre Fans um Hilfe, doch neben mehreren neuen Vorschlägen waren viele der Meinung, die Band solle ohne Namen bleiben. Das tat sie dann auch und wurde damit sehr erfolgreich. Zwischen den Veröffentlichungsterminen ihrer neuen Single "Missing You" und des nun folgenden Albums "See My Life" standen die beiden sympathischen Berliner Rede und Antwort.

"Wir haben absichtlich ein langsames Lied veröffentlicht, weil zur Zeit so viele schnelle Songs auf den Markt kommen und wir einen kleinen Gegentrend setzen wollten - das haben wir ja schon öfter getan", beginnt zunächst Guy über das samtweiche "Missing You" zu sinnieren. "Auch, wenn uns die Plattenfirmen immer ausgelacht haben. Außerdem fanden wir, dass 'Missing You' ein toller Titel ist und hatten dabei ein gutes Gefühl." Immerhin steht die Single in den Top-30. Ihr Gefühl hat die band ohne namen also nicht getäuscht.

Inhaltlich geht es, so der Deutsch-Amerikaner, ums Verlassen-Werden. Und Claus erzählt lächelnd, dass er mit dem Song eine ganz bestimmte Erinnerung verbindet: Nämlich wie in der siebten oder achten Klasse ein Mädchen mit ihm Schluss machte, weil er ihr sagte, dass Rauchen ungesund sei. "Das fand sie dann so scheiße, dass sie mich tatsächlich verlassen hat."

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"Mit Trennung können wir gar nicht gut umgehen", sagen die Jungs von sich selbst. Zu Wutausbrüchen kommt dann auch noch Lustlosigkeit und die allgemeine Trauer. "Aber mir haben bisher immer gute Freunde darüber hinweggeholfen. In solchen Situationen erkennt man die wahren Freunde", erklärt Guy. Momentan leben aber beide in glücklichen Beziehungen und wohnen gemeinsam mit ihren Freundinnen in Berlin.

Den Rest des Interviews ist Claus deutlich stiller als der redefreudige Guy, aber das macht nichts - es passt zu ihm, und die beiden erweisen sich einmal mehr als wunderbar passendes oder zumindest sehr gut eingespieltes Team. Und als das Thema auf das Lieblingsgericht der Jungs fällt - "das ist Lasagne", ertönt es wie aus einem Munde - kommt Claus sogar richtig in Fahrt und erklärt eifrig und ausführlich sein ultimatives Rezept.

Überhaupt scheint er ein wenig bodenständiger zu sein als sein Kollege Guy. Ursprünglich wollte Claus Klarinetten-Spieler werden und studiert auch heute noch das Instrument - sein Vordiplom hat er bereits in der Tasche. Guy hingegen fängt oft was Neues an, hört dann schnell wieder auf und ist mit den Gedanken bald schon wieder ganz woanders. "Wie oft ich schon angefangen habe, dem Gitarre beizubringen", lacht Claus.

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Falls ihre Musik irgendwann keiner mehr hören will, wollen sie Produzenten und Songwriter werden. Schon jetzt sehen sie sich nach neuen Bands um, allerdings mehr nach dem Zufallsprinzip, noch nicht gezielt. Und auch Songs schreiben sie bereits nicht mehr nur für sich selbst. Bei ihrem neuen Album machten sie zu Beginn allerdings den Fehler, darüber nachzudenken, was andere Leute hören wollen. "Der Erwartungsdruck von außen war unglaublich hoch", erklärt Guy. "Als wir dann die Arbeit von einem halben Jahr verworfen haben und nichts hatten, hat uns das psychisch ziemlich fertig gemacht. Wir haben uns überlegt, woran das liegt und schließlich versucht, nur noch uns zufrieden zu stellen, ohne an alle anderen zu denken - und dann ging es sehr schnell."

Herausgekommen ist "See My Life", ein Album mit vielen schnellen und ein paar langsamen Songs, nichts mittigem, und weniger Sprechgesang. "Wir haben uns weiterentwickelt, das Album geht tiefer", erklärt Guy. So erzählen das erste und das letzte Lied beispielsweise von der Band und ihrer Entstehungsgeschichte. Die Titel haben die Jungs alle selbst geschrieben - und das komplette Album selbst produziert, worauf sie besonders stolz sind. Die Arbeit und das Experimentieren mit akustischer und elektronischer Musik haben sich gelohnt. "Musik liegt in der Luft. Entweder du kannst sie greifen oder nicht. Man kann sie nicht produzieren, wie etwa einen Tisch." Deshalb legt sich Guy zum Texten am liebsten in die Badewanne. "Ich weiß, da sitz ich jetzt eine dreiviertel Stunde und kann eh nichts machen. Alle anderen Gedanken sind dann weit draußen."

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