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Der Sound der VerzweiflungNennt es Nu Metal: Korn rocken sich weiter unschöne Emotionen von der Seele.
Sie gelten heute als eine der Stil prägendsten und innovativsten Rockbands der 90er-Jahre. Als Paten von Limp Bizkit und Konsorten und Mitbegründer einen Szene, die bis heute weiter und weiter um sich greift. Sie sind die Erfinder des Nu-Metal. Nachdem sich die Band drei Jahre Zeit gelassen hat, ist sie nun zurück mit ihrem neuen, mittlerweile fünften Album, das bereits eindrucksvoll mir der Single "Here To Stay" angekündigt wurde: "Untouchables", produziert von Michael Beinhorn (Red Hot Chilli Peppers, Soundgarden etc.).
Was hat es nun aber mit der Musik der Amis auf sich? Korn kombinierten den zornigen, urbanen Stil des HipHop mit der kompromisslosen, bedrohlichen Gewalt des Death Metal und schufen damit binnen kürzester Zeit ein neues Genre, den Nu Metal. Inspiriert wurden sie dabei unüberhörbar von Hardcore-Legenden wie Slayer, Machine Head oder Sepultura. Korn verbanden die ultra-harten Wut- und Hass-Ausbrüche, wie man sie von ihren Idolen kennt, mit melodischen, düsteren und oft eigentümlich traurig klingenden Parts. Eine Art Soundtrack der Verzweiflung. Nicht völlig neu, aber irgendwie anders. Sie waren jung, laut, und sprachen mit ihrer Musik einer gigantischen, nach dem Aushauchen des letzten Grunge-Windes schon wieder vernachlässigsten Werbezielgruppe aus der Seele. Die Zeit war wohl einfach reif, für den Durchbruch von Korn. Das wichtigste Merkmal ihres Sounds sind die beiden Gitarristen Shaffer und Welch, sie verlangten ihren Instrumenten verdammt radikale Gitarrenriffs ab. Ihr Talent leben sie bis heute auf entgegen aller Gesetze der Harmonielehre extrem tief gestimmten, siebensaitigen Gitarren aus. Aber das ist nicht alles. Besonders Furcht einflößend kommt ihre Musik auch rüber, weil Korn in ihren düsteren Mix zu allem Überfluss Kinderlieder-artige Melodien einwoben.
Als Korn sich damals mit ihrem Sound an die Öffentlichkeit wagten, waren weder das Radio noch MTV von der neuen Musikrichtung überzeugt. Also gingen die Jungs zurück auf die Bühne. Spätestens beim legendären "Ozzfest" wurde vor allem den Kids langsam klar, dass Korn verdammt viel zu bieten hatten. Das nächste Album "Life Is Peachy" (1996) stand dementsprechend unter einem besseren Stern und bescherte der Band in den USA Platin. Grund dafür waren unter anderem ein paar Veränderungen. Korn bewiesen einerseits Humor und setzten Dudelsäcke ein. Andererseits waren ihre Texte mittlerweile auch vulgär und unanständig. Was bei der jungen Generation wie eine Bombe einschlug, erweckte die Abneigung vieler Erwachsener. In Michigan wurde ein Schüler gar der Schule verwiesen, weil er ein T-Shirt der Band trug. Die Musiker ließen ihn nicht im Stich und reichten höchstpersönlich eine Unterlassungsklage ein - mit Erfolg.
Mittlerweile hatte beinahe jeder Nu-Metal-Depp bei Korn geklaut und schrubbte wilde Akkorde auf tiefen, siebensaitigen Gitarren. Also musste bei den Originalen was Neues her. Sie schufen das schaurige Album "Issues" und landeten damit zum zweiten Mal in ihrer Karriere an der Pole der US-Album-Charts. Im Stil von "Issues" geht es weiter. "Untouchables" tritt Sound-mäßig zweifellos in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vorgängers. Am Klamottenimage der Band zeigt sich übrigens, dass auch die härtesten Jungs einem verlockenden Angebot der Werbeindustrie nicht widerstehen konnten. In ihren Anfängen trugen Korn aus freien Stücken Adidas-Klamotten. Diese waren bald das Markenzeichen der Band. Als Adidas das merkte, versorgte es die Band mit Gratisklamotten und dachte, damit wäre die Sache für immer und ewig gegessen. Weit gefehlt. So billig hält man sich auf Dauer keine populären Werbeträger. Puma bot der Band bald darauf eine halbe Million Dollar, wenn sie ihr Outfit künftig wechselten. Aber wer hätte da nicht zugeschlagen ... Hauptsache Korn bleiben ihrem Sound treu und rütteln nach wie vor an Grundpfeilern des Rock. |
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