Medal of Honor: Allied Assault
Der Zweite Weltkrieg hat Konjunktur: Nach "Return to Castle Wolfenstein" schickt sich mit "Medal of Honor: Allied Assault" erneut ein Ego-Shooter an, historisches Kampfgetümmel in spielbarer Form zu servieren.
Genre: Action Plattform: PC
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PlayStation-Besitzern mit einem Hang zum Action-Genre dürfte die "Medal of Honor"-Reihe bestens bekannt sein; schließlich hat es der Weltkriegs-Shooter auf der Sony-Konsole bereits zu zwei sehr erfolgreichen Episoden gebracht - die jedoch nie für andere Systeme umgesetzt wurden. Doch die Zeit des Darbens hat ein Ende, denn Electronic Arts und die Entwickler von 2015 präsentieren mit dem exklusiv für den PC produzierten "Allied Assault" einen Nachfolger, der die PlayStation-Teile mittels "Quake 3"-Engine technisch locker in die Tasche steckt und noch dazu mit einer Spiel-Atmosphäre aufwarten kann, die in Sachen Intensität gut und gerne mit der Dramatik aufwändiger Hollywood-Produktionen konkurrieren kann.
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"Medal of Honor: Allied Assault" besteht aus sechs umfangreichen Aufträgen, die keine durchgängige Hintergrund-Geschichte erzählen, sondern nur lose miteinander verknüpft sind und den Hauptdarsteller Mike Powell, seines Zeichens Leutnant des "Office of Strategic Services" (OSS) nach Algerien, Norwegen, Frankreich und schließlich ins tief verschneite Deutschland führen. Dabei garantieren die rund 30 Einzelmissionen jedoch stets für die nötige Abwechslung, denn Leutnant Powell ist nicht nur ein Experte im Umgang mit sämtlichen Waffengattungen, sondern schlüpft auch mal in eine Wehrmachts-Uniform, um heimlich deutsche Stützpunkte zu infiltrieren, versucht sich als Saboteur oder lenkt einen gestohlenen Panzer durch feindliches Hinterland.
Einem vorläufigen Höhepunkt strebt das Weltkriegs-Drama mit der Landung alliierter Truppen in der Normandie entgegen, die der wackere Hauptdarsteller hautnah mit- und eventuell sogar überlebt. Die Inszenierung dieser Spielsequenz erinnert frappierend an den furiosen Auftakt von Steven Spielbergs Kino-Epos "Der Soldat James Ryan" und gehört ganz sicher zu den intensivsten Spielerfahrungen der jüngsten Zeit, denn wenn Granaten in unmittelbarer Nähe detonieren, Querschläger durch die Luft fauchen und die virtuellen Kameraden im Sperrfeuer deutscher Maschinengewehre fallen, dann gelingt dem Spiel ein geradezu beängstigender Realismus. Die filmreife Klangkulisse unterstützt die Dramatik solcher Szenen mit durchdringenden Waffensounds und einem orchestralen Soundtrack, der die ohnehin schon intensive Atmosphäre zusätzlich auf die Spitze treibt.
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Doch auch grafisch gibt sich "Medal of Honor: Allied Assault" keine Blöße und kann mit überzeugenden Texturen, detailreichen Charakter- und Waffenmodellen sowie allerhand authentischen Details und Schauplätzen aufwarten. Wirklich sehenswert ist die Vielzahl vorgescripteter Sequenzen, die dem Szenario ein lebendiges Flair verleihen: Verbündete helfen im Kampf, Gegner gruppieren sich neu und nutzen jede Deckung, Geschwader von Jagdbombern donnern plötzlich über den Kriegsschauplatz hinweg. Derartige Szenen gibt es zuhauf, sie sind hervorragend animiert und runden die Präsentation sehr stimmig ab. Leider hat die optische Pracht jedoch auch ihren Preis, denn nur mit einer schnellen CPU jenseits der GHz-Grenze sowie einer hochgezüchteten Grafikkarte ist "Medal of Honor" in der höchsten Detail-Stufe noch ruckelfrei spielbar. Glücklicherweise lässt sich die verwendete "Quake 3"-Engine im Optionsmenü individuell konfigurieren, so dass auch ältere PC-Systeme noch ganz passable Ergebnisse abliefern - die allerdings auch nicht mehr so poliert aussehen.
Gänzlich makellos ist das Spiel trotz gelungener Präsentation zudem nicht. Dass die gescripteten Sequenzen beim erneuten Durchspielen eines Abschnitts stets gleich ablaufen, ist dabei noch halbwegs zu verschmerzen; vielmehr sorgt der mitunter unfaire Schwierigkeitsgrad für einiges Ungemach. Da sämtliche Gegner nämlich sehr zielgenau und auch auf große Distanz scheinbar mühelos treffen, geraten auch erfahrene Spieler in arge Bedrängnis, wenn Leutnant Powell unversehens aus dem Hinterhalt von Scharfschützen attackiert wird, die in der verwinkelten Level-Architektur häufig nur schwer zu erkennen sind.
Trotz dieses Mankos ist 2015 und Electronic Arts mit "Medal of Honor: Allied Assault" ein beeindruckendes Action-Spektakel gelungen, das bis zur letzten Minute spannend bleibt und seine Faszinationskraft nicht nur aus der bemerkenswerten Optik, sondern hauptsächlich aus der abwechslungsreichen und dynamischen Inszenierung der Spielwelt gewinnt. Zwar ist der Handlungsverlauf völlig linear, doch garantiert das einfallsreiche Missionsdesign viele mitreissende Spielstunden, bis irgendwann das explosive Finale über den Monitor flimmert. Im zusätzlichen Multiplayer-Modus für Internet und LAN dürfen sich geneigte Spieler außerdem in temporeichen "Deathmatch"-Gefechten und verschiedenen Team-Spielmodi miteinander messen. Für jedermann ist dieser Titel jedoch ganz sicher nicht geeignet. Zermürbende Stellungskämpfe in ausgebombten Städten, die Schreie verwundeter Feinde, die markige Militär-Ästhetik des Spiels - das alles sind Elemente von "Medal of Honor", die sicher nicht jedem noch als harmloser Spielspaß durchgehen werden. Denn obwohl es grundsätzlich keine Blut-Effekte zu sehen gibt und sämtliche NS-Symbole in der deutschen Fassung durch das "Eiserne Kreuz" ersetzt wurden, so ist der nicht selten beklemmend wirkende Realismus des Weltkriegs-Shooters gewiss kein Fall für Zartbesaitete oder minderjährige Spieler.
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