Ace Combat 4 - Distant Thunder
Rasante Luftschlachten, gepaart mit toller, wenn auch nicht makelloser Optik, machen Namcos Action-Simulation "Ace Combat 4 - Distant Thunder" zu einem Pflichtkauf für Hobby-Piloten, denen es nach Geschwindigkeit verlangt.
Genre: Simulation Plattform: PlayStation2
Hobbypiloten mit einer PlayStation2 im heimischen Hangar können sich derzeit wahrlich nicht über mangelnde Software-Unterstützung beklagen. Neben der mit offizieller Filmlizenz ausgestatteten Action-Flugsimulation "Top Gun - Combat Zones" (Virgin) und Sonys ausgezeichnetem "Dropship - United Peace Force" befindet sich dieser Tage das mit zahllosen Vorschuss-Lorbeeren überhäufte Luftkampfspektakel "Ace Combat 4: Distant Thunder" im direkten Landeanflug auf die Händlerregale. Ob Namcos vermeintliches Wunderwerk voll auf der schwarzen Edelkonsole durchstarten kann oder aufgrund schwer wiegender technischer Mängel abschmiert, verrät der Test.
Die japanischen Entwickler scheinen sich die Kritik am etwas hakeligen 32-Bit-Vorgänger jedenfalls zu Herzen genommen zu haben: Schnell sollte es sein, das neue Spiel. Und schön. Beides ist Namco gelungen - fliegt man mit seinem Kampfjet in großer Höhe über den fotorealistisch wirkenden Kontinent Erusea. In Bodennähe dagegen kämpft die vielleicht nun doch schon ausgereizte Emotion-Engine der PlayStation2 mit dem unaufhaltsam fortschreitenden Grafik-Overkill moderner Unterhaltungssoftware. Um den Spielfluss dennoch konstant auf hohem Niveau zu halten, wurden bei der Darstellung von Städten kaum 3-D-Objekte verwendet. Kleinere Siedlungen und Parkanlagen wurden der Geschwindigkeit zuliebe gänzlich zur gering auflösenden Bodentextur im faden Pixelbrei-Look degradiert. Damit greift "Ace Combat 4" zu den gleichen Tricks wie seine verhassten PC-Kollegen, die es doch von der Überlegenheit der PS2-Hardware zu überzeugen galt.
Ganz anders sieht es bei den filigranen 3-D-Modellen der 21 verfügbaren Kampfjets - darunter berühmte Vertreter wie die F22 und der Eurofighter - und den zahlreichen Spezialeffekten aus: Von den voll animierten Steuerelementen über feine Verstrebungen am Landegestell bis hin zu den detailreichen, frei ein- und ausblendbaren Cockpits liefert Namco ein optisches Feuerwerk ab, das Konsolen-übergreifend seinesgleichen sucht. Etwas farbarme, dafür mehrstufige Explosionen und die bei waghalsigen Flugmanövern entstehenden Kondensstreifen runden den optisch positiven Gesamteindruck ab. Als nicht zu verachtender Motivationsnachbrenner in den 18 action-reichen Einsätzen erweist sich der fesselnde Soundtrack, der in den rasanten Luftkämpfen sprichwörtlich beflügelt.
An der komplexen, aber dennoch intuitiven Steuerung hat sich gegenüber den Vorgängern zum Glück nur wenig geändert. Bereits nach geringer Einspielzeit lässt sich der eigene Jäger problemlos in der Luft halten. Einsteiger sollten dennoch das umfangreiche Tutorial absolvieren, das gekonnt in die hohe Kunst des Luftkampfes einführt und den ein oder anderen lebenswichtigen Ratschlag parat hält. Ebenfalls gewohnt abwechslungsreich: das Missionsdesign. Neben anfänglich eher kleinen Scharmützeln mit wenigen Feindmaschinen warten im weiteren Spielverlauf nervenaufreibende Luftschlachten mit über 30 (!) Jets und knifflige Bombenangriffe, die eine groß angelegte Landung freundlicher Bodentruppen erleichtern sollen, auf den Spieler. Zwischen den Einsätzen wartet ein kleiner Einkaufsbummel beim hiesigen Waffenhändler, bei dem sich die üppigen Siegprämien in martialisches Kriegsgerät anlegen lassen.
Leider ist jedoch alles nach wenigen Stunden vorbei und das spannende Finale gegen die überdimensionale Railgun "Stonehenge" bestanden. Die mit Comic-Standbildern illustrierte Story, die den Spieler bis zu diesem Zeitpunkt begleitet, ist nebensächlich und zudem Geschmackssache. Schließlich bietet "Ace Combat 4" eingängige Luftschlachten mit spannenden Dogfights und jeder Menge Action. Bleibt abschließend noch der spaßige Zweispielermodus zu erwähnen, der zumindest ein bisschen über das jähe Ende der Solokampagne hinwegtrösten kann.
|