Headhunter
"Headhunter" gehört in jede Spielesammlung, die etwas auf sich hält - egal ob für PlayStation2 oder Dreamcast.
Genre: Action-Adventure Plattform: PlayStation2
Was tun, wenn man mit Amnesie und brummendem Schädel aus dem Koma erwacht und die Umgebung einem unerwartet feindlich, gar mit Waffengewalt, begegnet? Klar, es wäre besser, die Beine in die Hand zu nehmen, um herauszufinden, was nun eigentlich wirklich vorgefallen ist. Dumm nur, wenn sich herausstellt, dass die Amnesie noch das Beste war, was einem zugestoßen ist. Genau in dieser Lage befindet sich der Held des bereits auf Segas glückloser Dreamcast-Konsole erschienenen und jetzt für die PS2 konvertierten Action-Adventures "Headhunter", das sich bemüht, in den Fußstapfen eines "Metal Gear Solid" oder "Syphon Filter" das Wort "Suspense" für Videospiele neu zu definieren.
Auf beiden Konsolen technisch wie erzählerisch inhaltsgleich, findet sich der Protagonist von "Headhunter" in einer fiktiven Zukunft wieder, die mit unserer Gegenwart allerdings mehr zu tun hat, als die üblichen Science-Fiction-Szenarios. Stilistisch und inhaltlich an inzwischen "klassische" B-Movies der 80er-Jahre wie Cronenbergs "Videodrome" oder Verhoevens "Robo Cop" angelehnt, vermittelt die Welt von "Headhunter" ein Zukunftsbild, in dem gegenwärtige soziale Tendenzen konsequent - und deshalb ins Extreme überzeichnet - zu Ende gedacht sind. Durch die zunehmende Verarmung großer Teile der Bevölkerung regiert der Terror auf den Straßen jener Stadt, in der "Headhunter" spielt. Während die Normalbevölkerung täglich um ihr Leben kämpft, verlustiert sich die Schickeria bei abstrusen Schönheitsoperationen und verlängert sich das eigene Leben durch immer neue Organtransplantationen.
Der daraus resultierende, schwunghafte Organhandel hätte - wie man schnell erfährt - beinahe auch dem Helden von "Headhunter" das Leben gekostet. Um des Verbrechens Herr zu werden, wird die Polizei von privaten Verbrechensbekämpfungsorganisationen, den namengebenden Headhuntern, unterstützt. Wie sich bald herausstellt, gehörte der Protagonist des Spieles zu den Besten innerhalb dieser Zunft. Warum sollte er also aus dem Verkehr gezogen werden? Welche Informationen waren so wichtig, dass er beinahe über die Klinge hätte springen müssen?
Entlang dieser Frage entwickelt sich im Laufe des Spiels eine spannende und durch eine hervorragende (englische) Sprachausgabe unterstützte Geschichte, welche den markanten Helden Jack Wade durch alle möglichen Winkel der Stadt führt und ihn diverse zwielichtige Gestalten begegnen lässt. Dabei zeigt sich "Headhunter" spielerisch äußerst abwechslungsreich. Je nach erworbener Kopfgeldjäger-Lizenz mehr oder weniger schwer bewaffnet, schleicht der gebeutelte Headhunter durch mitunter riesige verwinkelte Areale, um dabei aggressiven Gegnern auszuweichen, harte Boxkämpfe zu bestehen und knifflige Rätsel zu lösen.
Die durchdachte Steuerung erlaubt nach etwas Eingewöhnungszeit sowohl actionreiche Schusswechsel als auch spannende Schleichmanöver ohne größere Probleme, wenn auch der allgemeine Schwierigkeitsgrad ziemlich hoch und für Anfänger ungeeignet ist. Wer allerdings schon mal komplexere Actionspiele in der Konsole oder dem PC hatte, wird jedoch angemessen gefordert, sodass Langeweile zu keinem Zeitpunkt aufkommt. Neben den eigentlichen Missionen bewegt sich der Protagonist nicht etwa zu Fuß, sondern stilecht mittels eines hochgezüchteten Motorrades durch das verwinkelte Straßennetz der Stadt. Die Steuerung des motorisierten Zweirades ist allerdings weniger gelungen und lässt etwas Feintuning vermissen, sodass mancher "Unfall" schon mal an den Nerven - und am Erfahrungspunkte-Konto - zerren kann.
Grafisch gibt es auf beiden Plattformen herrlich detaillierte Umgebungen zu bewundern, welche die jeweilige Stimmung des Ortes hervorragend vermitteln. Musikalisch wird ein voll orchestrierter Soundtrack geboten, der eher an einen Hollywoodstreifen erinnert und die generell sehr cineastische Atmosphäre unterstützt.
Fazit: Wer sich die - wenn auch nur noch kurze - Wartezeit auf "Metal Gear Solid 2 - Sons of Liberty" angenehm verkürzen will, ist bei "Headhunter" bestens aufgehoben. Und für Dreamcast-Besitzer stellt dieses Action-Adventure wohl eines der letzten Highlights für ihre totgesagte Spielekonsole dar.
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