Wizardry 8
"Wizardry 8" vom kanadischen Entwickler Sir Tech ist ein klassisches PC-Rollenspiel, das spannende, rundenbasierte Kämpfe, eine riesige Spielwelt sowie eine durchdachte Steuerung gekonnt miteinander kombiniert. Nur die desaströse Grafik verhindert den Einzug in den Genre-Olymp.
Genre: Rollenspiel Plattform: PC
"Wizardry 8" ist - wie der Titel bereits verrät - der nunmehr achte Teil des beliebten Computer-Rollenspiels aus den 80er- und 90er-Jahren. Vom Aus der traditionsreichen, aber hochdefizitären Entwicklerfirma Sir Tech bedroht, erschien das Programm vor kurzem als finanzieller Rettungsanker - bislang leider nur in den USA. Ein europäischer Publisher wurde noch nicht gefunden. Schade, denn so dürfte dem Gros der deutschen Käufer die - von Rollenspiel-Puristen verpönte - unverwechselbare und einzigartige Mixtur klassischer Fantasy-Kost mit futuristischen Science-Fiction-Elementen entgehen.
Die Story von "Wizardry 8" führt die Ereignisse aus dem siebten Teil konsequent fort. Der Finsterling Dark Savant ist nunmehr im Besitz eines uralten Artefaktes, das ihm Macht über Leben und Tod verleiht. Sollte es dem Dunklen gelingen, noch zwei weitere Artefakte zu erlangen, fielen ihm quasi gottgleiche Kräfte zu, was der Spieler mit seiner Party verhindern muss. Leider passiert gleich zu Beginn ein Missgeschick: Das Sternenschiff, das die Helden zum Planeten Dominus bringen soll, wird abgeschossen und der Pilot stirbt. Nur mit knapper Not überleben die Mitglieder der Party - sie sind fortan in feindlicher Umgebung auf sich alleine gestellt.
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Gameplay und Steuerung von "Wizardry 8" sind wie gewohnt bis ins Letzte ausgeklügelt. Mit Hilfe eines übersichtlichen Interfaces bewegt sich der Spieler per Tastatur durch die Ruinen, Städte und Dungeons der riesigen 3-D-Fantasy-Welt. Aktionen, wie das Ziehen eines Hebels, können mittels Maus direkt auf dem Bildschirm vorgenommen werden. Auch ein komfortables System zum Automapping wurde diesmal ins Spiel integriert. Zahlreiche Gespräche, die der Lösung der knackigen Rätsel dienen, werden komfortabel per Stichwort-Katalog geführt. Dabei offenbart sich jedoch eine der wenigen Schwächen des Spiels, nämlich dass es kein ausführliches Quest-Tagebuch wie etwa bei "Baldur's Gate 2" gibt.
Herzstück des Rollenspiels made in Kanada sind die rundenbasierten Geplänkel gegen fremd anmutende Monster. Sobald das Spiel in den Kampf-Modus wechselt, dürfen jedem Helden Befehle für die Schlacht erteilt werden. Die vorderste Reihe mit den Nahkämpfern sollte mit Schwertern und Äxten attackieren, während die Leute im Fond eher einen der hübsch animierten Zaubersprüche murmeln, schießen oder sich einfach vornehm zurückhalten. Damit nicht jede Runde wieder dieselben Befehle erteilt werden müssen, speichert das Spiel sie einfach ab. Unholde gibt es in "Wizardry 8" übrigens genug: Vom quallenartigen Gallert-Monster über hinterhältige Straßenräuber bis zum riesigen Stein-Golem findet sich fast alles, was das Rollenspielherz begehrt. Bisweilen erscheint das Spiel sogar etwas zu kampflastig.
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Seit jeher entscheidend in der "Wizardry"-Reihe: die Wahl der richtigen Charaktere. Hier zeigt sich Teil acht ausgeglichen: die Party schlechthin gibt es nämlich nicht. Eine gesunde Mischung aus Kämpfern und Magiebegabten verspricht den größten Erfolg. Sämtliche Rassen und Berufe aus dem Vorgänger wurden übernommen. Neben Hobbits, Zwergen und Elfen sind auch wieder Exoten wie die weisen Mooks oder Säure speiende Dracons mit von der Partie. Als völlig neue Profession ist der Gadgeteer hinzugekommen, eine Art von Techniker, der in bester McGyver-Manier aus gefundenen Bauteilen Nützliches basteln kann. Daneben verfügt jeder der Helden über zahlreiche Interfaces, in denen die individuelle Charakter-Verwaltung (Bewaffnung, Ausrüstung) stattfindet.
Grafisch kann das Spiel mit den 3-D-Rollenspiel-Referenzen "Gothic" und "Dark Age of Camelot" leider nicht mithalten. Die angegraute 3-D-Engine von "Wizardry 8" ist leider schon weit über ein Jahr alt. Vor allem in der Darstellung von Hintergründen und Landschaften offenbaren sich daher deutliche, fast schon abscheuliche Schwächen. Monster und NPCs sind hingegen gelungen animiert.
Rollenspieler legen jedoch, ganz im Gegensatz zu Actionfreaks, nicht allzu großen Wert auf grafische Raffinesse. Für sie zählen eher Atmosphäre und Story, und davon hat "Wizardry 8" jede Menge zu bieten! Auch in puncto Sound bietet das Spiel neben der üblichen Bombast-Musik Außergewöhnliches: die tolle englische Sprachausgabe nämlich, die auch für Leute mit weniger ausgeprägten Englisch-Kenntnissen höchst vergnüglich ist. So radebrecht ein Samurai mit fernöstlich anmutender Färbung, die Elfen klingen irgendwie nach Franzosen, die sich in Englisch versuchen, und ein Mook spricht wie ein gebildeter Brite, überheblich und etwas gelangweilt. Dabei scheinen die Charaktere ein gewisses Eigenleben zu führen: Sie kommentieren den Tod eines Kollegen mit trockenen Sprüchen, zanken sich untereinander und wenden sich sogar wie bei "Baldur's Gate 2" gegen die eigene Party.
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