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SiSA Artikel
22/03 ICO *****

In Momenten, in denen alles stimmt und der Spieler komplett in eine virtuelle Welt eintaucht, gibt es - auch im gewöhnlich profanen Bereich des Videospiels - Augenblicke reiner Magie. Dann wird wie im Traum durch Landschaften gewandelt, die fremd und einzigartig und doch irgendwie bekannt sind. Eine Welt, aus der man am liebsten nicht mehr hinaus in die kalte Wirklichkeit entlassen werden würde. "Magische" Momente dieser Art vermitteln Videospiele nur alle Jubeljahre, diese Qualität wird nur selten erreicht. Umso erstaunlicher, dass ein bis jetzt relativ unbekanntes Team junger Entwickler aus dem Stegreif mal eben eines dieser Spiele geschaffen hat, das auf eine Weise zu faszinieren weiß, wie sonst nur ein neues "Zelda" oder "Final Fantasy".

Das man mit "ICO" etwas Besonderes vor sich hat, wird schnell klar. Anstatt eines actiongeladenen Intros mit schnell geschnittenen Kampfsequenzen und bombastischen Soundeffekten, ist die Stimmung von Anfang an eher traumartig, surreal. Nur die Umgebungsgeräusche und das Klappern der Pferdehufe begleiten die Eingangssequenz, die einen Trupp düsterer Soldaten zeigt, die einen kleinen Jungen tief in einem verwunschenen Schloß lebendig begraben wollen. ICO, so heißt der junge Protagonist, ist nämlich von Geburt an mit einer körperlichen Missbildung geschlagen, die von den abergläubischen Bewohnern seines Heimatdorfes als böses Omen interpretiert wird. Vor einem qualvollen Tod rettet ihn nur ein Erdbeben, das seinen steinernen Sarkophag auf dem Boden zerschellen lässt und den bemitleidenswerten Hauptdarsteller befreit. Verängstigt und orientierungslos versucht er nun, dem vollkommen menschenleer scheinenden Schloss zu entkommen. Doch er merkt schnell, dass er nicht alleine ist. Unter der Decke einer riesigen Halle entdeckt er ein in einen Käfig eingesperrtes Mädchen, das zwar seine Sprache nicht spricht, jedoch ebenfalls den Wunsch zur Flucht zu erkennen gibt. Mit ihr muss ICO nun dem unheimlichen Gemäuer entfliehen.

Spielerisch ist "ICO" ein Action-Adventure im Stil eines "Tomb Raider", allerdings mit originellen Eigenheiten. Der Clou ist der Umstand, dass nicht nur ICO, sondern auch die Schönheit an seiner Seite dem Schloss entkommen muss. Diese ist jedoch bei weitem nicht so trainiert und geschickt wie der gehörnte Protagonist und somit auf ICOs Hilfe angewiesen. Er muss nun fortwährend Hindernisse aus dem Weg räumen und sie über gähnende Schluchten und gefährliche Fallen bringen. Dabei hilft die ausgefuchste KI der schönen Prinzessin, die fast über ein Eigenleben zu verfügen scheint und den schüchternen Rufen ihres Retters artig und etwas ungeschickt folgt. Die ungemein ausdrucksstarken Animationen der beiden sind einzigartig und von einer Qualität, wie man es noch nie in einem Videospiel gesehen hat.

Lässt der Spieler die schöne Maid allerdings zu lange allein, kommen aus den düsteren Ecken unheimliche Schattenwesen, um sie mit sich in ihre dunkle Dimension zu ziehen. Wenn das passiert, heißt es für ICO die Beine in die Hand nehmen, um die widerlichen Wesen doch noch in die Flucht zu schlagen. Denn: Ist die Prinzessin ganz im schwarzen Schlund verschwunden, heißt es "Game Over". Bis zum Ende des Spiels bildet die gewaltige Schlossanlage jedoch das Haupthindernis für die beiden. In mediterraner Landschaft eingebettet, liegt sie hunderte Meter hoch inmitten einer kleinen Insel, die vom Festland abgeschottet ist. Dabei ist das gesamte Areal die ganze Zeit über zu sehen, atemberaubende Panoramaausblicke entlang Schwindel erregender Simse und Kliffs sind an der Tagesordnung. Spezielles Augenmerk haben die Entwickler auf die Programmierung einer realistischen Licht- und Schattendarstellung gelegt. Der Eindruck diffuser Lichtverhältnisse innerhalb der weitläufigen Innenräume wird genauso realistisch simuliert wie ein wahrnehmungsspezifischer Überblendeffekt beim Betreten sonnenüberfluteter Außenareale.

Gepaart mit einer an die Bilder des italienischen Surrealisten Giorgio de Chirico erinnernden Architektur- und Bildkomposition überschreitet "ICO" als eines der ganz wenigen Bildschirmspiele auf ästhetischer Ebene die Grenze zwischen reiner Unterhaltung und Kunst und ist alleine deshalb schon mehr als einen flüchtigen Blick wert. Zusammen mit dem gelungenen Gameplay und einer äußerst kontrollierten und filmreifen Dramaturgie ist "ICO" eines der Spiele, das weit über schlichte Verkaufszahlen hinaus noch lange von Bedeutung sein wird.


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