Command & Conquer: Renegade
Unter Strategie-Freunden ist die "Command & Conquer"-Reihe seit Jahren eine feste Größe - doch nun beschreitet Westwood mit "Renegade" ganz neue Wege und verlegt den ewigen Kampf zwischen GDI und NOD jetzt auch in ein knallbuntes Action-Szenario.
Genre: Action Plattform: PC
 |
|
Bereits im ersten Teil des Strategie-Hits "Command & Conquer" erledigte die menschliche GDI-Kampfmaschine "Havoc" gefährliche Einzelmissionen für seine Auftraggeber und erwies sich dabei als furchtloser Waffen- und Sprengstoff-Experte. Inzwischen haben die Entwickler von Westwood aus dem pixeligen Sprite-Männchen von einst einen stattlichen Polygon-Recken gezaubert, der seine ursprünglichen Qualitäten zum Glück noch nicht verschusselt hat. Und so ballert sich "Havoc" in "Command & Conquer: Renegade" neuerdings auch durch ausgedehnte 3-D-Kulissen und gibt der Bruderschaft von NOD dabei mal wieder ordentlich Zunder.
"Command & Conquer"-Veteranen dürften mit dem Szenario von "Renegade" gut vertraut sein, allen anderen sei es erklärt: In nicht allzu ferner Zukunft entbrennt ein globaler Konflikt zwischen den guten Jungs von der "Global Defense Initiative" (GDI) und den bösen Buben der Bruderschaft von NOD, die von dem charismatischen, aber abgrundtief fiesen Kane angeführt wird. Nicht minder garstig sind aber auch die NOD-Machenschaften, denn zum Auftakt des Spiels kidnappen die Brüder kurzerhand drei hochrangige Wissenschaftler, um die klugen Köpfe für ihre teuflischen Pläne zu missbrauchen. Da kann die GDI natürlich nicht lange tatenlos zusehen und schickt mit Nick "Havoc" Parker ihren besten Kämpfer ins Gefecht, um die Forscher zu retten und der Bruderschaft ein wenig ordentliches Benehmen beizubringen.
 |
|
Wie es sich für einen zünftigen Action-Recken gehört, ist auch Havoc mit allen Wassern gewaschen: So darf der Held auf ein üppiges Arsenal von 23 Waffen zurückgreifen, das nicht nur Standard-Schießprügel wie Pistole und Scharfschützengewehr, sondern auch stattlicheres Kriegsgerät wie eine dicke Chemie-Kanone oder einen handlichen Flammenwerfer umfasst. Diese geballte Feuerkraft ist in den elf umfangreichen Missionen des Spiels aber auch bitter nötig, denn die Bruderschaft von NOD lässt sich nicht lange bitten und hetzt etliche, zum Teil schwer bewaffnete Gegner in die Schlacht. Allzu intelligent ist die Feind-Menagerie jedoch nicht geraten: Zwar versuchen sich die NOD-Soldaten im Kampf gelegentlich an ein paar zaghaften Ausfallschritten, doch zumeist werden die tumben Schergen im Handumdrehen ausradiert und stellen höchstens durch ihre große Zahl eine Bedrohung dar.
Da kann das Missionsdesign schon eher Punkte für sich verbuchen. Die Aufträge sind zwar durchweg linear angelegt und drehen sich hauptsächlich ums Ballern, können dafür aber mit vielfältigen Einsatz-Zielen aufwarten. So muss "Havoc" feindliche Stützpunkte infiltrieren, Luftabwehr-Stellungen sprengen oder Geiseln befreien, wobei er mitunter sogar von verbündeten GDI-Kämpfern unterstützt wird, die sich todesmutig ins Getümmel stürzen.
 |
|
Die facettenreiche Action verlangt geradezu nach einer entsprechenden Optik, doch ausgerechnet in dieser Disziplin schwächelt "Renegade" ein wenig. Zwar sind die zahlreichen Waffen nett modelliert und die Spiel-Areale oftmals von beeindruckender Größe, doch dafür leidet die Umgebungsgrafik unter akuter Detail-Armut. Einige Örtlichkeiten sind zwar noch ganz gelungen, doch viel zu oft stapft der Held durch grobe Landschafts-Formationen oder findet sich in leeren Räumen wieder. Kenner der Strategie-Titel freuen sich immerhin über allerlei Fahrzeuge aus dem "Command & Conquer"-Universum - darunter schwerfällige Tiberium-Sammler, flinke NOD-Buggies oder waffenstarrende Mammut-Panzer - die hübsch animiert durch das 3-D-Gelände rumpeln. Der Fuhrpark dient jedoch nicht nur als Blickfang, sondern wird aktiv ins Spielgeschehen einbezogen, denn Hauptdarsteller "Havoc" darf sich immer wieder hinter das Steuer herumstehender Fahrzeuge klemmen, um den NOD-Brüdern gehörig mit der Bordkanone einzuheizen. Und wenn der Held im wendigen Humm-Vee durchs Gelände brettert oder einen gefährlichen Flammen-Panzer lenkt, dann macht "Renegade" erst so richtig Freude.
 |
|
Die Multiplayer-Abteilung des Titels bietet geneigten Spielern jedoch mindestens ebenso viel Spielspaß. Statt des sonst üblichen Deathmatch-Einerleis setzen die Entwickler von Westwood auf den so genannten "C&C"-Modus: Hier schlagen sich bis zu 16 Online-Krieger wahlweise auf die Seite von GDI oder NOD, um in geräumigen Kampfgebieten um die Vormachtstellung zu fechten. Dabei kontrollieren beide Fraktionen voll ausgestattete Operationsbasen, dürfen Fahrzeuge einkaufen oder sich in diverse Kampfeinheiten versetzen, um den gegnerischen Stützpunkt dem Erdboden gleichzumachen. Allerdings ist die verfügbare Kampfkraft direkt von den gesammelten Tiberium-Ressourcen sowie dem Zustand der eigenen Basis abhängig, so dass sich strategisch angehauchte Online-Scharmützel entwickeln, in denen es nicht allein auf schnelle Reflexe ankommt.
Und so ist Westwood trotz betagter Grafik-Engine und mäßiger Gegner-KI ein packendes Action-Feuerwerk gelungen, das nicht nur gestandene "Command & Conquer"-Anhänger begeistern dürfte. "Renegade" überzeugt in erster Linie durch den gelungenen Mehrspieler-Modus und das spannende Missionsdesign, das die leider etwas knapp bemessene Gesamt-Spielzeit zum mitreißenden Schlachtengetümmel inszeniert. Eigentlich schade, dass die Grafik bisweilen so ernüchternd daher kommt, denn mit aktueller Optik wäre dem Spiel ein erlauchter Platz im Action-Olymp gewiss. Dennoch ist "Renegade" ein grundsolides Ballerspiel, das jedem Genre-Fan guten Gewissens ans Herz gelegt werden kann.
|