01/02 Dark Age of Camelot 



Hierzulande haben Online-Rollenspiele den Durchbruch zum Massen-Genre noch nicht geschafft. Hohe Telefonkosten, langsame Datenverbindungen und oftmals rein englischsprachige Titel schreckten die meisten User bislang vom Spielen im WorldWideWeb ab. Mit Mythic Entertainments "Dark Age of Camelot" könnte sich das allerdings ändern: Anfang Februar erscheint eine komplett lokalisierte Version des mittlerweile zum Bestseller avancierten US-Games für den deutschen Markt. Der anhaltende Fantasy-Boom, die einsteigerfreundliche Bedienung sowie die konsequente Zunahme von Breitbandanschlüssen inklusive kostengünstiger Flatrate könnten dafür sorgen, dass sich bald Zehntausende von deutschen Spielern in die virtuelle Welt Albion stürzen.
Nach dem Tod des sagenumwogenen Königs Arthur tobt dort ein grausamer Bürgerkrieg. Außerhalb der Städte und Ortschaften tummeln sich Heerscharen von Monstern, die benachbarten Königreiche Midgard und Hibernia drohen Albion einzunehmen. Eine perfekte Welt also für ein heldenreiches Zweitleben.
 |
|
Aus 16 Rassen und 33 Klassen wählt der Spieler sein virtuelles Alter Ego. Dabei reicht die Palette vom mächtigen Troll-Krieger über den kampflustigen Zwergen-Berserker bis hin zum filigranen, magie-begabten Elfen-Ranger. Größe und Aussehen des Protagonisten lassen sich bis auf kleinste Detail individuell bestimmen. Mit dem selbstkreierten Online-Helden startet der Spieler dann in einem der drei streng von einander getrennten Reiche seine Karriere. Um die Fähigkeiten des Protagonisten auszubauen, müssen zahlreiche Aufgaben erfüllt und ein jede Menge freilaufende Monster erledigt werden. Das bringt wertvolle Erfahrungspunkte, viele Goldmünzen und vielleicht sogar einen kostbaren, magischen Gegenstand. Der Aufstieg in ein neues Level wird mit Trainingspunkten entlohnt, die sich auf verschiedene Fähigkeiten verteilen lassen. Aus dem anfangs schwächlichen Kämpfer wird so nach und nach ein fast unbesiegbarer Recke, der ab dem 15. Level sogar mit Gefolgsleuten versuchen kann, eine der feindlichen Burgen im nahen Grenzland zu erobern. Das bringt nicht nur massenhaft "Reichspunkte", sondern auch spezielle Boni für das eigene Volk.
 |
|
Überhaupt wird soziales Verhalten und Engagement - wie es sich für ein Online-Rollenspiel gehört - groß geschrieben. So kann der Spieler sich innerhalb einer Reise-Gruppe, Gilde oder in einer Taverne bei einem Schluck virtuellen Biers austauschen und neue Freundschaften schließen. Kleiner Tipp am Rande: Einer Gilde beizutreten lohnt fast immer, da sich so am einfachsten Anschluss an erfahrene Weggefährten findet.
Wer nicht als dumpfer Haudrauf-Schläger durchs Land ziehen will, kann auch sein Tagwerk als friedlicher Schneider- oder Schmiedemeister verrichten. Dazu ist zwar eine recht lange Ausbildung nötig, dafür genießen die Ausrüster innerhalb der Gilden ein sehr hohes Ansehen, da sie Gegenstände in besserer Qualität und günstiger herstellen, als die NPC-Konkurrenz.
 |
|
Grafisch gibt sich "Dark Age of Camelot" für ein Online-Rollenspiel recht detailverliebt. Die 3-D-Optik kann zwar nicht ganz mit der aktuellsten Shooter-Generation mithalten; hübsch anzusehen ist sie allemal. Die Landschaften der drei Reiche wirken zudem äußerst verschieden: In Hibernia dominieren grüne Auen, im Midgard dunkle Landstriche. Die Monster sind etwas weniger detailliert geraten, Magie- und Lichteffekte hingegen überzeugen auf der ganzen Linie. Spektakuläre Tag- und Nachwechsel sowie die unterschiedlichsten Wettereffekte tauchen das ganze Land ein ums andere Mal in völlig unterschiedliche Stimmungen. Der Sound köchelt allerdings eher auf Sparflamme; kaum Musik, spärliche Effekte - da wäre mehr möglich gewesen.
Insgesamt ist "Dark Age of Camelot" ein äußerst gelungenes Online-Rollenspiel. Gut möglich, dass die deutschen Spielefans ihre Scheu vor dem Genre verlieren, vor allem, da das Spiel als erstes Online-Rollenspiel komplett eingedeutscht auf dem hiesigen Markt kommen wird.