| SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 26/12/2001 | ||||||||
Amerika, Du hast es besser!Charles Darwin hätte in diesen Tagen wieder einmal allen Grund zur Freude gehabt: Selbst das Internet bestätigt die Prinzipien der Natur.
Charles Darwin hätte in diesen Tagen wieder einmal allen Grund zur Freude gehabt: Selbst das Internet bestätigt die Prinzipien der Natur. Die natürliche Auslese greift, die Stärksten überleben, die Schwachen sterben den Dotcom-Tod. Die Branche konsolidiert sich, die Sprücheklopfer sind längst wieder weg. Übrig bleiben diejenigen, die sich eine vernünftige Geschäftsidee oder solides Haushalten auf die Fahnen geschrieben haben. Und die Zeichen mehren sich, dass die Talsohle durchschritten ist und die Zeiten langsam, aber sicher besser werden.
Das ist allemal ein positives Signal, muss jedoch noch nichts bedeuten, schließlich ist die "New York Times" ein Monolith in der Zeitungsbranche, mit einem Ruf und einer Reichweite, die ihresgleichen suchen. Neben den üblichen Einnahmequellen - Bannerwerbung, Kleinanzeigen - gründet sich der Erfolg vor allem auf das Lizenzgeschäft mit dem digitalen Archiv (hier profitiert die Seite natürlich in besonderem Maße von der Stärke der Printausgabe) und auf eine Datenbank mit - wir Deutsche trauen unseren Augen nicht - 14 Millionen registrierten Nutzern. Das bedeutet 14 Millionen Nutzerprofile, die für die Werbekunden genau definierte Zielgruppen darstellen. Natürlich werden dort auch neue Bannermodelle getestet: So sieht der User die ganze Zeit, in der er sich auf der Webseite aufhält, Anzeigen von ein und derselben Firma vor sich: "Surrounding Sessions" nennt sich das im Fachjargon. Damit soll eine Marke auf Dauer ins Bewusstsein der User "eingebrannt" ("Branding") werden, was sich - dazu später mehr - in der Welt des Internets mit barer Münze auszahlen kann.
Auch die "FAZ" denkt intensiv darüber nach, für ihre ausschließlich im Internet veröffentlichten Texte Geld zu verlangen. Laut Geschäftsführer Jochen Becker stehe das genaue Gebührenmodell zwar noch nicht fest, doch als Starttermin ist bereits Herbst 2002 im Gespräch. Wenn einer anfängt, ziehen andere vielleicht nach. Somit darf die Internet-Branche ein wenig hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Denn auch beim E-Commerce machten in den letzten Wochen positive Zahlen die Runde. Natürlich gehen auch hier wieder die Amerikaner mit gutem Beispiel voran: Trotz Rezession und Kauf-Zurückhaltung bescherte der Weihnachtshandel den Unternehmen Umsatzsteigerungen von zehn bis 45 Prozent. Dabei konnten sie auch von den Erfahrungen der letzten Jahre profitieren und hatten die oft schwierige rechtzeitige Auslieferung der Waren gut im Griff.
All das klingt viel versprechend, ist jedoch noch kein Grund, die Trendwende zu verkünden. Zu laut klingen noch die Versprechungen und verheißungsvollen Prognosen der letzten Jahre in den Ohren, die sich weitgehend als falsch herausstellten. Am Ende wächst doch alles langsamer als gedacht. Dennoch geht es aufwärts. Die Großen schreiten voran, aber auch die Kleinen dürfen sich freuen: Oftmals reicht fürs Überleben schon eine kleine Nische. Wer sich dort ausbreitet, kann auch von den Stärkeren nicht mehr so leicht vertrieben werden. Darwin würde sicher zustimmen. |
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