SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 01/02/2002

Wann ist ein Mann ein Mann?

Als Herbert Grönemeyer irgendwann tief in den 80er-Jahren die Männer dieses Landes besang, lachte die Nation, war das Fazit des Stückes doch, dass...

Als Herbert Grönemeyer irgendwann tief in den 80er-Jahren die Männer dieses Landes besang, lachte die Nation, war das Fazit des Stückes doch, dass das starke Geschlecht trotz all seiner Macken äußerst liebenswert ist. Zeitschriften, die sich an die Männer richten, gab es - von einigen Ausnahmen, deren Themen aber nur im horizontalen Bereich lagen - noch nicht. Erst im letzten Jahrzehnt entdeckte die Werbeindustrie, dass Männer an Fitness, Gesundheit, Bauch-weg-Übungen und Antifaltencrèmes interessiert sind - aber selbstverständlich auch an Bier, Motorsport und Titten.

www.menshealth.de
Ein seltsamer Spagat, den Zeitungsmacher da machen müssten, um wirklich den Ansprüchen aller Männer gerecht zu werden. Weil das nicht geht, hat sich "Mens Health" auf die Gesundheit des Mannes spezialisiert - auch im Internet. Wer hofft, online nicht den kraftstrotzenden jungen Mann vom Titelblatt ertragen zu müssen, hat Pech gehabt. Im Netz (www.menshealth.de) begrüßt den Leser ein muskelbepackter Adonis, der den eigenen Waschbärbauch gleich doppelt so schwabbelig wirken lässt. Auch sonst erfährt man auf der Seite allerhand Dinge, die ein schlechtes Gewissen machen. Die aktuelle Umfrage verrät zum Beispiel, dass über zwei Drittel der "Mens Health"-Leser beim Fernsehen keine Chips essen. Nützlich sind freilich die Tipps in der Kochabteilung: Neben dem üblichen Schmonsens ("Brainfood", "Sexfood", "Was macht wie fit, hat aber kaum Kalorien?") gibt's hier auch handfeste Tipps für den Single-Mann, etwa wie man ein Schnitzel paniert oder eine Tomate häutet. Wer eine Partnerin hat, kann in die Rubrik "Sex" wechseln und sich in einem Test bestätigen lassen, was für ein guter Lover er ist oder die Do's und Don'ts des Büroflirts erlernen.

www.fhm-magazin.de
Die Website von "FHM" (For Him Magazine) scheint da eine etwas andere Zielgruppe zu besitzen. Auf www.fhm-magazine.de springen einen knapp bekleidete Schönheiten förmlich an. Ein tieferer Sinn scheint hinter diesem Augenschmauß nicht zu liegen, aber was soll's: Auf der Seite halten sie den Betrachter auf jeden Fall. Sehenswert ist die Rubrik "Deine Freundin". Hier können Frauen, die von Männern (und potenziellen "FHM"-Lesern) schlecht behandelt wurden, Dampf ablassen. Der feministische Hogout dieser Abrechnung wird aber ein wenig getrübt: Die jungen Damen haben Top-Maße, tragen auf den Fotos nur Bikinis und suchen gleichzeitig einen neuen Partner. Wer nur Antworten auf Fragen, die er sonst nirgendwo stellen möchte, sucht, ist hier ebenfalls richtig. "Wie kommen die Salamischeiben auf die Tiefkühlpizza? Von Hand oder maschinell?" "Kann man aus Muttermilch Käse machen? Und wie würde das schmecken?" "Warum gibt es Körbchengröße DD und nicht E? Und wieso nicht AA?" Keine Frage ist so blöd, dass die Herren von "FHM" sie nicht beantworten.

www.playboy.de
Auch bei www.playboy.de kann man Fragen stellen. Der aus dem Heft bereits bekannte "Ratgeber" antwortet hier auf eine schier unerschöpfliche Anzahl von Fragen. All die Tipps und Tricks sind nach Themengebieten eingeteilt und behandeln neben Sex vor allem Auto, Technik, Essen, Reise und Sport. Ansonsten gibt's das übliche Lifestyle-Geplänkel über Stars und Sternchen aus Film und Musik. Leider wurde der Anteil an Information und Beiträgen aus dem Magazin heruntergeschraubt - geboten wird stattdessen in erster Linie Fleischbeschau - dass der "Playboy" früher auch einmal einen exzellenten journalistischen Ruf hatte, ist beim Surfen auf der Website völlig unverständlich.

www.gq-magazin.de
Da freut Mann sich doch über eine so gut gemachte Website wie www.gq-magazin.de. Der Online-Auftritt des Edel-Magazines bietet einen ästhetisch anspruchsvoll servierten Mix aus Gesellschaft, Erotik, Kultur, Sport und Mode. Die Navigation auf den Seiten ist übersichtlich und angenehm, keine wilden Flash-Animationen oder Pop-Ups stören. Es lohnt übrigens, sich bei gq-magazin.de einzuloggen. Mit Membername und Passwort ausgestattet, kann man nicht nur seine Lieblingsartikel in einer eigenen "My GQ"-Area speichern, sondern auch in diversen Foren mitreden. Und wer meint, auf der Seite einer Männerzeitschrift keine Frauen zu finden, der irrt: In einer Partnersuch-Datenbank treiben sich auch viele weibliche Surfer herum.

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