08/03 Das Werden vergeht, die Kunst bleibt
Plötzlich waren sie da: Zylinder und Würfel, Ecken und Kanten, Flächen und Formen. Die Künstler hatten genug von romantischen Landschaften, die die Wirklichkeit abzubilden schienen. Von nun an wurde es verworren, abstrakt, zweidimensional. Die Moderne hielt Einzug in die Malerei, die Werke der Altvorderen wurden ins Museum abgeschoben, ein Großteil des Publikums reagierte entsetzt und mit Unverständnis. Doch es half alles nichts: Die Lust auf Neues, das Leid des Lebens, die Unsicherheit des Daseins brachte eine neuartige Form der Kunst hervor. Ganz vorne mit dabei: die Kubisten rund um Georges Braque und Pablo Picasso.
 |
| www.interratec.de |
Experten bezeichnen den Kubismus als Revolution in der Malerei, als die größte künstlerische Leistung im 20. Jahrhundert. Einen umfassenden Überblick über diese Richtung verschafft www.interratec.de/ddragon/kunst/kkubis00.php, Teil einer überaus sehenswerten Homepage über Kunst, von den ersten Höhlenmalereien bis hin zur Pop Art. Über Kubismus heißt es dort: "Die Doktrin der kubistischen Schule folgt dem Diktum des französischen Postimpressionisten Paul Cézanne: 'Alles in der Natur nimmt seine Form von der Kugel, dem Kegel und dem Zylinder.'" Neben einer allgemeinen Einführung und einem Überblick über die bekanntesten Vertreter dieser Richtung besticht die Seite vor allem durch eine übersichtliche Gestaltung sowie Ausführungen zu allgemeinen Fragen wie: "Was ist Kunst?" und durch eine Lektion in professioneller Bildanalyse.
Wer sich nun immer noch nichts unter dem Begriff "Kubismus" vorstellen kann, sollte einmal auf die Seite fapi.virtualave.net/semi/kubismus.html surfen. Dort sind die bekanntesten Werke abgebildet und mit Erläuterungen versehen, unter anderem "Les Demoiselles d'Avignion" von Pablo Picasso, mit dem alles seinen Anfang nahm. Hierbei wird deutlich, worin das Neue, Revolutionäre besteht: Der Spanier brach mit der klassischen Norm der menschlichen Figur und dem Raum-Illusionismus der Zentralperspektive. Plötzlich ist alles auf einmal zu erkennen: oben und unten, hinten und vorne, innen und außen.
 |
| www.artlex.com |
Das Internet macht's möglich: Auch, wenn die elektronische Ansicht den Besuch im Museum niemals ersetzen und nur einen ersten Eindruck vermitteln kann, überzeugt sie doch durch die umfassende Ansammlung von Kunstwerken aus dieser fruchtbaren Phase menschlicher Schaffenskraft. So lassen sich auf der englischsprachigen Seite www.artlex.com/ArtLex/c/cubism.html über 70 kubistische Kunstwerke betrachten, in genügend hoher Auflösung und mit eindrucksvoller Farbgebung. Allgemeine und spezielle Infos zum Thema runden die gelungene Seite ab.
 |
| www.tamu.edu |
Pablo Picasso, eines der Genies des 20. Jahrhunderts, brachte die neue Richtung ins Rollen. Um mehr über ihn zu erfahren, bietet sich der virtuelle Besuch auf www.tamu.edu/mocl/picasso an, einem "Picasso-Online-Projekt". Dabei fällt vor allem die Art und Weise ins Auge, wie die Lebensdaten des Spaniers aufgeführt sind: nämlich Jahr für Jahr, von 1881 bis 1973, mit Berichten von Zeitzeugen, Aufenthalten, Reisen, Bekanntschaften, Liebeleien, Werken, und, und, und. Detaillierter, übersichtlicher und ausführlicher lässt sich ein Leben im Internet kaum darstellen. Auch jedes einzelne Picasso-Werk ist aufgelistet und nach Jahreszahl geordnet, mit kurzen Infos gespickt, hin und wieder sogar mit einer Abbildung. Weitere Gemälde vom großen, eigenwilligen Meister, der mit seinen Frauen nicht annähernd so feinfühlig umging wie mit seinem Farbpinsel, aber einen ähnlich hohen Verbrauch an den Tag legte, sind unter www.ocaiw.com/picasso.htm zu bestaunen.
 |
| www.artchive.com |
Weniger informativ zeigt sich das Internet dagegen beim anderen kubistischen Genie, Georges Braque. Man muss schon etwas Geduld aufbringen, um eine (wiederum englischsprachige) Seite wie www.discoverfrance.net/France/Art/Braque/Braque.shtml zu entdecken, auf der die Lebensdaten des Franzosen nicht auf das Notwendigste verkürzt sind. Aber es sind ohnehin nur seine Bilder, denen die Vergänglichkeit nichts anhaben kann. Einige davon sind unter www.mcs.csuhayward.edu/~malek/Braque.html und www.artchive.com/artchive/ftptoc/braque_ext.html zu sehen. Der Lauf der Dinge: Werden und Vergehen. Nur die Kunst bleibt.