Versunken und nie wieder aufgetaucht
Schon immer standen Glaube und
Wissen in einem anti-proportionalen
Verhältnis zueinander: je kleiner das eine,
desto größer das andere - und umgekehrt.
Schon immer standen Glaube und
Wissen in einem anti-proportionalen
Verhältnis zueinander: je kleiner das eine,
desto größer das andere - und umgekehrt.
Das gilt für ganz oben - Himmel, Olymp,
Nirvana - wie auch für ganz unten. Und
gerade von dort dringt immer wieder ein
Name an die Oberfläche, der seit den alten
Griechen in den Köpfen der Menschheit
herumspukt - Atlantis, der versunkene
Kontinent. Nun könnte der neue
Disney-Zeichentrickfilm (Bundesstart am
6.12.) die Diskussion wieder anheizen, die
gerade auch im Internet lebhaft geführt wird.
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| www.disney.de/DisneyKinofilme/atlantisde |
Disney selbst trägt unter
www.disney.de/DisneyKinofilme/atlantisde dazu
freilich wenig bei. Auf der Seite stehen nette
Bildchen aus dem Film, die Story, Erläuterungen
zu einzelnen Figuren und die Namen der
deutschen Synchronsprecher im Vordergrund.
Dazu kommen Trailer und elektronische Karten
zum Verschicken - der übliche
PR-Schnickschnack eben. Über die
geschichtlichen Hintergründe findet sich nichts.
Insgesamt fehlt der Homepage ein bisschen das
Fantastische, das Kreative, die Lust am
Darstellen und Gestalten - ein Vorwurf, der
übrigens auch dem Film selbst zu machen ist.
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| www.atlantia.de |
Entsprechende Inspirationen hätten sich die
Disney-Seitenmacher derweil unter
www.atlantia.de holen können. Die grafisch
aufwändige und ansprechende Page informiert
umfassend über den Atlantis-Mythos. Angefangen
hat alles mit dem Philosophen Platon (5. bis 4.
Jahrhundert vor Christus) und seinen Timaios-
und Kritias-Dialogen, in denen er von einem im
Meer versunkenen Kontinent berichtet und von
kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen
Griechenland und Atlantis. All das wird hier
detailliert aufgeführt. Dazu stellt Daniel Fleck, der
das Ganze in Eigenregie erstellt hat, die
Erkenntnisse der Atlantis-Forschung über die
mögliche Lage, die Geschichte, die Ausdehnung
und den Untergang des Reiches dar und bietet
zusätzlich noch ein Forum zum
Gedankenaustausch an. Es dürfte nur wenige
private Seiten im Netz geben, die sich derart
professionell, engagiert und kreativ mit einem
Thema auseinander setzen.
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| www.wist.uni-linz.ac.at/~ernest/ atlantis/frame-i.htm |
So überrascht es nicht, dass dieses Niveau von
www.wist.uni-linz.ac.at/~ernest/ atlantis/frame-i.htm
auch nicht annähernd erreicht wird, obwohl
ebenfalls viel Herzblut drinsteckt. Neben einer
Einführung und einer ausführlichen
Zusammenfassung und Kommentierung der
Platon-Stellen bietet die Seite vor allem Ansichten
von Atlantis, wie es sein soll - der Fantasy sind
hier von der Wirklichkeit bekanntlich keine
Grenzen gesetzt. Eine umfangreiche Linkliste mit
Verweisen auf deutsche und englisch-sprachige
Seiten rundet das Angebot ab.
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| www.alien.de/horus/index3.htm |
An die Skeptiker unter den Internet-Usern wendet
sich dagegen Horus unter
www.alien.de/horus/index3.htm. Dort widmet er
sich jenen Phänomenen, in denen sich das
Wissen in Grenzen hält und der Glaube so
manchen Berg versetzen kann. Neben JFK, den
Pyramiden von Giseh oder auch Vietnam zählt
natürlich auch Atlantis dazu. Die in Marineblau
gehaltene Seite stellt die Platon-Stellen zur
Diskussion, ist dann aber so ehrlich zu erklären:
"Man kann diese Texte jetzt so nehmen und
sagen: 'Aha ... so war es', oder man kann sie für
erfunden erachten". Darüber hinaus werden
Menschen porträtiert, die Visionen von Atlantis
gehabt haben sollen. Aber auch hier wird im
Anschluss daran die wissenschaftliche
Beweiskraft angezweifelt. Im Übrigen stehen hier
die geowissenschaftlichen Aspekte der Suche
nach dem versunkenen Kontinent im Vordergrund.
Alles in allem ergehen sich die
Hobby-Atlantis-Forscher doch sehr in
Vermutungen und (kaum haltbaren) Theorien.
Doch die Hartnäckigkeit, mit der sie das tun,
verdient Respekt. So möge jeder User nach dem
Durchklicken selbst entscheiden, ob er sich eher
für die Seite des Wissens oder des Glaubens
entscheiden möchte. Dabei dürfte Atlantis bald
noch ein zweites Mal untergehen: an der
Kinokasse. Dank "Harry Potter" und dem "Herrn
der Ringe" wird das Disney-Abenteuer wohl recht
schnell baden gehen - und allenfalls noch einmal
in der Videothek auftauchen.
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