Tödliches Vertrauen
John Travolta und Vince Vaughn liefern sich ein mäßig unterhaltsames Duell in diesem altbackenen und durchweg berechenbaren Thriller.
Genre: Thriller Start: 14.02.
R: Harold Becker, D: John Travolta, Teri Polo, Vince Vaughn u.a.
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| Frank Morrison (John Travolta) stellt sich auf die Seite seines Sohnes. Aber niemand glaubt den beiden. Bild von: UIP |
Wenn ein Film "Tödliches Vertrauen" heißt, klingt das eigentlich eher nach einigermaßen kurzweiliger Thriller-Unterhaltung an irgendeinem Werktag auf irgendeinem deutschen Privatsender als nach einem nachhaltigen Kinoerlebnis. Tatsächlich müssen sich die meisten Genrevertreter aus deutschen Landen hinter der großen Konkurrenz aus den USA in diesem Fall keineswegs verstecken. Dabei dürfte "Tödliches Vertrauen", der im Original den Titel "Domestic Disturbance" trägt, schon aufgrund der prominenten Besetzung weit teurer gewesen sein als ein womöglich besserer Thriller bei RTL oder SAT.1.
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| Darf Danny (Matthew O'Leary, links) die Wahrheit sagen? Bild von: UIP |
Das Drehbuch von Lewis Collick folgt in diesem Fall so ziemlich jeder bekannten und manchmal auch bewährten Vorgabe. Die Rollen von Gut und Böse sind klar verteilt, und so entsteht kaum ein Zweifel, wer hier am Ende die Nase vorn haben wird. John Travolta, der in den letzten Jahren seiner Karriere brav zwischen Sympath und Unsympath pendelt, ist diesmal schon auf den ersten Blick erkennbar ein freundlicher Mensch, dem das Leben ganz übel mitgespielt hat. Er lebt getrennt von Frau und Kind, ist beruflich nicht gerade ein Überflieger und überhaupt ein Mann, mit dem der Zuschauer Mitleid haben müsste.
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| Mit letzter Kraft gelingt Frank Morrison die Flucht aus den Flammen. Bild von: UIP |
Frank Morrisons Ex-Frau heißt Susan, wird gespielt von Teri Polo und ist vergleichsweise blind, wenn es darum geht, den Charakter ihres Partners richtig einzuschätzen. Jedenfalls glaubt sie allen Ernstes daran, dass Rick Barnes (Vince Vaughn), den sie als neuen Mann an ihrer Seite auserkoren hat, ein freundlicher Mensch sei. Das ist er natürlich nicht, was der Betrachter schon nach wenigen Minuten dank klassisch akzentuierter Kameraführung und Musik erkannt hat. Als dann mit Ray (Steve Buscemi) auch noch ein alter Bekannter von Rick auftaucht, ist spätestens klar: Die beiden haben es faustdick hinter den Ohren. Ray hätte gerne Geld von Rick. Der wiederum will es ihm nicht geben und bringt den ungebetenen Gast folglich um.
Seine Spannung zieht der Film in der Folge daraus, dass der Teenager Danny (Matthew O'Leary), der Sohn aus der Beziehung von Susan und Frank, Zeuge des Mordes geworden ist. Brav meldet er ihn bei der Polizei, doch niemand will ihm glauben, selbst seine eigenen Mutter nicht, bei der er lebt. Nur sein Vater, der den neuen Mann an der Seite seiner Ex ohnehin nicht sonderlich ausstehen kann, kauft dem Jungen die Geschichte ab. Rick, der Mörder, weiß bei alldem freilich um die Gefahr, die von dem einzigen Zeugen ausgeht. Betulich treibt die Geschichte voran Richtung Showdown.
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| Der Schein trügt: Um die Beziehung zwischen dem jungen Danny und Rick Barnes (Vince Vaughn), der der neue Mann an der Seite von Dannys Mutter ist, steht es nicht gut. Bild von: UIP |
Das Duell der beiden Männer soll "Tödliches Vertrauen" tragen, wobei nicht ganz klar ist, wessen Vertrauen zu wem denn hier nun eigentlich tödlich sein soll. Zu eindimensional bleiben die Charaktere, die über die gesamte Laufzeit des Films hinweg keinerlei Entwicklung durchlaufen. Durch die frühzeitige Vergabe der Sympathiewerte nimmt sich der im Genre erfahrene Regisseur Harold Becker die Chance, Überraschungen einzustreuen, die dem Film ab und an eine Wendung geben könnten. Stattdessen verlässt er sich auf konventionelle stilistische Mittel des Spannungsaufbaus, die zwar sauber in Szene gesetzt sind, aber eben keineswegs den Ansprüchen großen Hollywood-Starkinos gerecht werden.
Dabei geben sich vor allem die beiden Hauptdarsteller - John Travolta und Vince Vaughn - spürbar Mühe, ihren Rollen Tiefe zu verleihen, doch sind ihre Möglichkeiten begrenzt. Dass der Film am Ende bei seinem Showdown gehörig überzieht und das letzte Stück Glaubwürdigkeit verspielt, passt da fast schon ins Bild. In den späten 80er- und frühen 90er-Jahren erlebte Hollywood die letzte Welle dieser klassischen Thriller, zu denen unter anderem "Die Hand an der Wiege" oder auch "Eine verhängnisvolle Affaire" gehörten. Inzwischen wirkt Kino in dieser Form allerdings nur noch altbacken.
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