Pakt der Wölfe
Im Süden Frankreichs terrorisiert 25 Jahre vor der Revolution ein mordendes Untier die Menschen. Nach Hunderten von Opfern schickt Ludwig XV. zwei Männer, um dem Schrecken ein Ende zu bereiten. Regisseur Christophe Gans hat um eine wahre Begebenheit ein opulentes, düsteres und poetisches Leinwandabenteuer inszeniert.
Genre: Horror/Action Start: 14.02.
R: Christophe Gans, D: Samuel Le Bihan, Monica Bellucci, Vincent Cassel u.a.
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| Das ist nicht der letzte Mohikaner, sondern Mani (Mark Dacascos), ein waschechter Irokese, der sich dank überragender Nahkampfähigkeiten auch im Wilden Süden Frankreichs zu behaupten weiß. Bild von: Helkon |
Düsterer Horror, buntes Historiendrama, opulentes Kostümkino, packender Polit-Thriller, geheimnisvolles Märchen, schnulzige Romanze und jeweils ein Schuss Martial-Art-Geprügel und Wild-West-Coolness - kurzum: mehr Film geht nicht. Die 35 Millionen Dollar, die der französische Regisseur Christophe Gans in "Pakt der Wölfe" (Originaltitel: "Le pacte des loups") gesteckt hat, erscheinen angesichts der Opulenz seines 144-minütigen Leinwandepos fast als bescheidenes Budget. Die actionreiche Jagd nach der Bestie von Gévaudan ist großes Unterhaltungskino, so detailverliebt dick aufgetragen, dass Gans in einigen Momenten durchaus ein Hang zur Gigantomanie vorzuwerfen ist. Oder hat er sich nur ein dickes Sprungbrett nach Hollywood zimmern wollen? Im Grunde egal, trotz vereinzelter Längen bleibt "Pakt der Wölfe" spannend bis zur letzten Minute.
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| Welches Monster hat diese Sauerei nur angerichtet? Fronsac (Samuel le Bihan, Mitte) wird's herausfinden. Bild von: Helkon |
Dass der Zuschauer so lange gefesselt wird, ist gerade dem permanenten Genre-Hopping und den vielen unvorhersehbaren Wendungen zu verdanken. Bei so viel Verspieltheit ist es kaum vorstellbar, dass "Pakt der Wölfe" - ein Blockbuster in Frankreich - auf einer wahren Geschichte beruht. Doch weil die grauenvollen Morde jener Zeit, am Vorabend der französischen Revolution, bis heute nicht geklärt wurden, sich lediglich der Mythos der "Bestie von Gévaudan" hielt, musste sich Christophe Gans an keine exakte Vorlage binden. Er nahm sich alle Freiheiten, die Legende kinogerecht mit düsterer Romantik auszustaffieren und liefert am Ende sogar eine plausible und wenig fantastische Erklärung für die rätselhafte Mordserie, die ganz Frankreich in Atem hielt.
Folgendes ist überliefert: Zwischen 1765 und 1768 terrorisierte das vermeintliche Untier eine dünn besiedelte Region in Südfrankreich. Hunderte Frauen und Kinder fielen den Attacken in dem nebelverhangenen Landstrich zum Opfer. Dass König Ludwig XV. den Naturwissenschaftler Grégoire de Fronsac schickte, um die Ereignisse zu ergründen, entspricht ebenso den Tatsachen, wie des Königs Befehl, einen Wolf zu töten und ihn als Bestie am Hofe auszustellen. Schließlich ergossen bereits die Engländer, mit denen sich Frankreich im Krieg befand, ihren Spott über die Feinde, die zu dumm waren, einen Wolf einzufangen.
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| Welcher Mann könnte da 'Nein' sagen: Die schöne Kurtisanin Sylvia (Monica Bellucci) verabreicht Geisterjäger Fronsac ein Aufbaugetränk. Bild von: Helkon |
Der Rest ist erfunden, aber trotz der märchenhaften Inszenierung nie unglaubwürdig. Fronsac (Samuel le Bihan spielt seinen Helden als hinreißende Mischung aus nonchalantem Lebemann und verwegenem Haudegen) kommt mit seinem treuen Gefährten, dem Irokesen Mani (Martial-Arts-Ass Mark Dacascos, der mit etlichen Kickbox-Einlagen als poetische Außenseiter-Figur glänzen darf), in die dunkle, gottverlassene Landschaft. Trotz immer neuer verstümmelter Leichen hegt der smarte Abenteurer schnell Zweifel, dass es sich bei der Bestie tatsächlich um ein übernatürliches Wesen handelt, wie es die Bewohner der Gegend glauben. Nach und nach konzentriert Fronsac seine Ermittlungen weniger auf Wölfe oder Fabeltiere, sondern auf einen reaktionären Kreis aus Kirchenmännern und Aristokraten um den düsteren Jean-Francoise Morangias (Vincent Cassel, ein eiskalter diabolischer Bösewicht). Der ist nicht nur ein durch und durch unsympathischer Zeitgenosse, er liebt auch noch dieselbe Frau wie Fronsac: die schöne Marianne de Morangias (Emilie Dequenne), seine eigene Schwester. Ein Rivalenkampf, der auf vielen Ebenen ausgetragen wird und sich zuspitzt, bis sich die geheimnisvolle Kurtisanin Sylvia (Monica Bellucci, die einmal mehr mit überbordender dunkler Erotik fasziniert) auf die Seite Fronsacs schlägt ...
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| 'Bringt mir die Bestie': Fronsac ist für den finalen Kampf gerüstet. Bild von: Helkon |
Schon alleine die beiden starken Frauenfiguren, die - für einen Kostümfilm durchaus ungewöhnlich - weit mehr sind als erotische Staffage, machen "Pakt der Wölfe" zu einem besonderen Film. Sinnlich und übersinnlich agieren sie im Zentrum, zwischen der bigotten Welt der sich an ihre Macht klammernden Aristokraten und der frechen Aufgeklärtheit des Weltenbummlers Fronsac. Als weiteres Bindeglied zwischen der Vergangenheit und dem bevorstehenden Zerfall der Monarchie setzt Gans einen Erzähler ein, der am Geschehen aktiv beteiligt ist und - auch das ist überliefert - am Ende durch die Guillotine stirbt. Dass Christophe Gans ein Aufgebot an sehr jungen Schauspielern durch die berauschende, finstere Bilderwelt schickt und seinen Horrortrip mit dem kompletten Register moderner Filmtechnik und ab und an gar mit Humor spickt, lässt das Spannungsfeld des historischen Hintergrunds kurzweilig und für ein junges Publikum nachvollziehbar werden. Allerdings wäre weniger manchmal mehr gewesen: Vor allem die Opulenz, mit welcher der Regisseur die sich anbahnende Romanze zwischen Fronsac und Marianne ausstaffiert, dürfte den nicht Kitsch-resistenten Zuschauer überfordern. Ein bisschen viel Liebesgeplänkel vor atemberaubender Märchenbuch-Landschaft. Oder: Zwei Stunden "Pakt der Wölfe" hätten's auch getan ...
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