19/02 Collateral Damage 



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| 'Collateral Damage' beginnt mit einem Bombenanschlag auf das kolumbianische Konsulat. Nach den Ereignissen vom 11. September wurde der Film zunächst verschoben. Bild von: Tobis |
Würde er nicht jedes Mal mit vielen Millionen Dollar entlohnt, man müsste es ein trauriges Schicksal nennen. Arnold Schwarzenegger ist, sowohl in seiner Wahlheimat USA als auch auf dem europäischen Kontinent, bei all seinen Filmen in den vergangenen Jahren besonderen Bewertungsmaßstäben unterworfen. Das kritische Kinopublikum akzeptierte ihn in Hochzeiten der Heldenfilme, wenngleich zähneknirschend, als Hollywoods Nr. 1 unter den Welt-Rettern. Jetzt, da der Trend längst zum menschlichen Heroen mit Schwächen gegangen ist, hat es der Terminator schwer. Das wird auch diesmal nicht anders sein. Wenngleich "Collateral Damage" viele der Fehler, die etwa bei "The 6th Day" oder "End of Days" gemacht wurden, nicht mehr wiederholt.
Arnold ist diesmal kein Gejagter mehr, sondern schlüpft endlich wieder in die Rolle des klassischen Jägers, was ihm spürbar besser liegt. Auch sollte sich niemand davon täuschen lassen, dass der gebürtige Österreicher hier zunächst als gewöhnlicher Feuerwehrmann und Familienvater auftaucht. Gordon Brewer ist kein Held wider Willens, kein Normalo, der auf merkwürdige Weise plötzlich den Helden in sich entdeckt. Von Anfang an ist klar, dass das Drehbuch von David und Peter Griffiths die Geschichte eines überdurchschnittlichen Kämpfers erzählt, der über ebensolche Fähigkeiten verfügt. Das macht, so seltsam es klingt, Arnold glaubwürdiger, als er es in den meisten seiner letzten Filme war.
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| Selena Perrini (Francesca Neri) ist zusammen mit Gordon (Arnold Schwarzenegger) auf der Flucht. Bild von: Tobis |
Früh spielt Gordy das Schicksal übel mit. Bei einem Bombenattentat auf die kolumbianische Botschaft in Los Angeles werden seine Frau und sein Kind getötet. Gordon selbst wird Zeuge der Explosion, die für Schwarzenegger-Verhältnisse erstaunlich zurückhaltend inszeniert ist. Wie übrigens der gesamte Film, vom viel zu überzogenen Showdown einmal abgesehen, immer wieder solide Actionsequenzen einstreut, die aber zum Großteil keineswegs unrealistisch wirken. Regisseur Andrew Davis bewies bereits in Filmen wie "Auf der Flucht" und "Außer Kontrolle" seine außergewöhnliche Fähigkeit, in seinem Genre abwechslungsreich, aber eben auch glaubwürdig zu bleiben.
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| Gordon Brewer landet vorübergehend im Gefängnis. Bild von: Tobis |
Aus politischen Gründen unterlassen es die US-Behörden, die Täter, die sie sehr wohl kennen, konsequent in ihrer südamerikanischen Heimat zu verfolgen. Von Rache getrieben macht sich Brewer also selbst auf Richtung Kolumbien, wo er den Schuldigen stellen will. Sein Ziel: der Attentäter Claudio Perrini (Cliff Curtis), der sich "Der Wolf" nennt. Bei seiner Jagd gerät Gordon zwischen die Fronten: der CIA unter der Führung von Peter Brandt (Elias Koteas) ist ebenso vor Ort wie die Schergen des "Wolfs", der Anführer einer kolumbianischen Guerilla-Organisation ist. Welch grausames Regiment er dort führt, wird an einer Szene deutlich, die wohl zu den ekligsten Hinrichtungen der Kinogeschichte gezählt werden darf. Nur so viel: Es hat etwas mit einem geöffneten Mund und einer Schlange zu tun.
Gordon lernt, ein kaum glaubwürdiger Zufall, mit der schönen Selena (Francisca Neri) und ihrem Sohn vor Ort auch noch weitere wichtige Bestandteile des Wolfsrudels kennen, denen später eine besondere Bedeutung zukommen wird.
Zum Großteil spielt "Collateral Damage" in der südamerikanischen Wildnis, was entscheidend zum Charakter des Films beiträgt. Unwegsames Gelände, Hitze, schmutzige Gefechte - für Abwechslung ist gesorgt. Erst am Ende, als alle Beteiligten in die Staaten zurückkehren, bewegt sich auch die Geschichte wieder auf bekanntem Terrain. Trotz einer recht gelungenen Überraschung zum Schluss beschreitet der Film jetzt konventionelle Bahnen, die ihm nicht gerade gut tun.
Schwarzenegger selbst schöpft seine Möglichkeiten weitestgehend aus. Erfreulich, dass ihm das Buch diesmal kaum humorvolle Szenen aufzwingt. Unglaublich indes, dass die deutsche Synchronisation ihn einmal mehr der Lächerlichkeit preisgibt. Einer ganz offensichtlich körperlich und seelisch sehr mitgenommenen Selena, die im US-Außenministerium verhört wird und darum bittet, kurz auf die Toilette gehen zu können, gibt er ein besorgtes "Wird es gehen?" mit auf den Weg. Gemeint war wohl eher: "Alles in Ordnung?"
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| Arnold - fit wie eh und je. Die Dreharbeiten zu 'Collateral Damage' stellten wieder einmal höchste Anforderungen an den Schauspieler. Bild von: Tobis |
"Collateral Damage", übersetzt "Kollateralschaden", war eigentlich bereits für den Herbst des vergangenen Jahres vorgesehen, wurde dann aber aufgrund der Ereignisse des 11. Septembers verschoben. Terroristen, Bomben, Feuerwehrmänner - das erschienen zu viele Parallelen. Tatsächlich aber weckt der Film mit Blick auf die Realität kaum Assoziationen, ist also weit entfernt von Szenarien, die etwa ein "Ausnahmezustand" mit Bruce Willis entwarf. "Collateral Damage" darf ohne schlechtes Gewissen als solide Kino-Unterhaltung begriffen werden, die trotz aller Kurzweil dennoch die Hoffnung weckt, Arnold möge sich demnächst wieder in den Gefilden bewegen, die seine ureigenen sind. "Terminator 3" ist einfach überfällig.