Heaven
Tom Tykwer sinniert mit opulenten Bildern in seinem ersten "amerikanischen" Film über Schuld und Erlösung, Liebe und Schicksal.
Genre: Drama Start: 21.02.
R: Tom Tykwer, D: Cate Blanchett, Giovanni Ribisi, Stefania Rocca u.a.
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| Tom Tykwer setzt bei 'Heaven', dem Eröffnungsfilm der Berlinale, auf stimmungsstarke Bilder. Bild von: X Verleih |
Wenn Tom Tykwer einen Film präsentiert, geht es nicht um die Beurteilung eines individuellen Kunstwerks, sondern um nicht weniger als eine Bestandsaufnahme des deutschen Films. Sein Name steht in enger Verbindung mit der Produktionsfirma X Filme, die die These widerlegte, dass die deutsche Filmbranche nur mit Komödien Geld verdienen könne. "Heaven" stehe für die Möglichkeiten des deutschen Films, sagen die Kollegen von X Filme über ein Werk, das als internationale Koproduktion mit Hollywoodstars, gedreht hauptsächlich in Italien, seine Herkunft perfekt verschleiert.
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| Philippa (Cate Blanchett) verfolgt kompromisslos ihr Ziel: Rache. Dabei mussten jedoch auch Unschuldige dran glauben. Wie soll sie mit dieser Schuld nur fertig werden? Bild von: X Verleih |
Mit "Lola rennt" ließ sich Tom Tykwer auf ein gewagtes Experiment ein und gewann. Seither steht sein Name für visionäres Kino. "Heaven" legt trotz "abgehobenem" Titel und brisanten Fragen, deren Explosionskraft jedoch unangetastet bleiben, mehr auf perfekte Kinomagie Wert. Provokation liegt dem Romantiker Tykwer nicht. Er präsentiert ein Stück episches Erzählkino, das sich im Verlauf der Geschichte von einer rationalen auf eine spirituelle Ebene begibt. Hier entsteht eine gelungene Symbiose aus dem Stil des 1996 verstorbenen Regisseur Krzysztof Kieslowski ("Drei Farben-Trilogie"), der das Drehbuch zu diesem Schuld- und Sühne-Film schrieb, und der Handschrift Tykwers.
Der Regisseur gestaltet den Wandel des Films von prosaisch zu lyrisch mit visuellen Mitteln: Die Helden müssen, um Erlösung zu finden, aus der streng geometrisch aufgebauten Stadt Turin in die unendlich weite Hügellandschaft der Toskana ausbrechen. Die opulenten und breitwandtauglichen Bilder versprechen Sinnlichkeit und Offenheit, und dennoch bleiben die Charaktere merkwürdig fern und abweisend. Das mag an der Rigorosität der Liebenden liegen, die wirken und handeln, als hätten sie eine Mission, die nicht von dieser Welt stammt, zu erfüllen.
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| Giovanni Ribisi (links) spielt eine der Hauptrollen im mit Spannung erwarteten neuen Film von Regisseur Tom Tykwer (rechts). Bild von: X Verleih |
Zerbrechlich und abgebrüht zugleich spielt Cate Blanchett die Englischlehrerin Philippa, die in Turin einen gefährlichen Drogendealer zur Strecke bringen will. Dieser hat ihren Mann und viele ihrer Schüler auf dem Gewissen. Alle Hinweise bei der Polizei führen zu nichts, denn der als Geschäftsmann getarnte Verbrecher verfügt über gute Kontakte zur Staatsgewalt. Philippa greift zur Selbstjustiz, doch das Attentat misslingt und vier unschuldige Menschen sterben. Die Polizei verhaftet Philippa, die erst im Verhör von der fehlgeschlagenen Tat erfährt. Trotz ihrer Erklärungen beharren die Gesetzeshüter auf einem politischen Motiv. Nur ein junger Polizist (Giovanni Ribisi) schenkt ihr Glauben. Er ist fest davon überzeugt, dass sie füreinander geschaffen sind, und entwirft einen Plan, der ihr die Freiheit zurückgeben soll. Dabei ahnt der junge Mann, dass er in seiner Liebe zu einer Frau, die alles riskiert hat und bereit ist, alles aufzugeben, keine Bedingungen stellen darf.
In Tykwers Filmen setzt sich, nachdem einmal eine Entscheidung getroffen wurde, die Schicksalsmaschine in Gang - ein Zurück gibt es nicht mehr. Als ihre Triebkräfte dienen Liebe und Moral. "Heaven" ist kein geschwätziger Film, der Ansichten diskutiert. Im Gegensatz zu "Lola rennt" denkt Tykwer hier eine Wahrheit und eine Sicht von Moral bis zum Schluss durch. Am Ende steht wieder ein versöhnliches Flugmotiv, mit dem der Regisseur so gerne seine Filme auflöst.
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