SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 15/04/2002

Panic Room

Verstörend und faszinierend: David Fincher inszeniert die existenzielle Angst vor Überfällen mit Jodie Foster in der Hauptrolle.
V: Columbia TriStar, USA 2002
R: David Fincher, D: Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker u.a.

Bild von: Columbia TriStar
Er ist das unangefochtene Genie unter den Hollywood-Filmern. Mit seinen ebenso eigenwilligen wie einfallsreichen Meisterwerken "The Game" und "Fight Club" verblüffte und faszinierte er Publikum und Kritiker. Doch schon mit dem verstörenden Thriller "Sieben", in dem Brad Pitt und Morgan Freeman in düsterster Atmosphäre einen Psychopathen jagen, setzte er Maßstäbe. Finchers große Arbeiten warteten bisher stets mit einer Wende in der Handlung auf, die das zuvor Gesehene in einem schlagartig wechselnden Licht darstellten. Er liebt es, den Zuschauer an der Nase herumzuführen, ihn an seinen Illusionen zu demaskieren - und wird von der Kritik dafür fast abgöttisch geliebt.

Bild von: Columbia TriStar
Es gibt zwei Wertungen, wenn man "Panic Room" beurteilen will: Für einen Krimi aus Hollywood ist er beeindruckend, vielschichtig und besitzt eine überragende Spannung. Für einen David Fincher-Film ist er eine Enttäuschung. So unvorhersehbar die Vorgänger, umso geradliniger ist der Neuling. Darin werden die frisch geschiedene Meg Altman (selten glaubhaft: Jodie Foster) und ihre halbwüchsige Tochter Sarah (bleich: Kristen Stewart) in ihrem gerade bezogenen Häuschen in New York überfallen. Flugs suchen sie Schutz in dem so genannten Panic Room, einer Art Schutzbunker in der Mitte des Hauses. Der ist mit stärkstem Stahl gepanzert, hat eine eigene Telefonleitung und anderes High-Tech-Gerät. Die drei Einbrecher, angeführt von "Ghost Dog"-Darsteller Forest Whitaker als misslauniger Burnham, wollen aber gerade dort hinein, wodurch eine nervenzerrende Schlacht um Schweißbrenner, Brechstangen und anderlei Einbruchsgerät losschlägt.

Bild von: Columbia TriStar
Das Problem von David Fincher ist seine Innovationsfähigkeit. Film für Film steigerte er seinen Marktwert, der schon mit dem Paukenschlag-Debüt "Alien 3" höher war als bei so manchem etablierten Regisseur. "Panic Room" wirkt auf den ersten Blick allzu kalkulierbar. Dabei schockt der Regisseur selbst in der traditionellen Krimikategorie: Es gibt keine glücklichen Charaktere, sondern vielmehr nur die dunkle Seite des Menschen. Seinem Hang zur Zivilisationskritik folgt Fincher auch in diesem Klaustrophobie-Stück. Ein stetig wachsender Hang zur Individualität und zu dem Abschotten des Privaten durch Angst vor terroristischen Übergriffen lässt vor allem in den USA die Industrie der Sicherheitsfirmen exponenziell wachsen. Gepanzerte Räume sind nicht so irreal, wie es zunächst scheinen mag. Waren sie vor Jahren meist nur in Regierungsgebäuden in Form eines "Situation Room" üblich, wie zum Beispiel im Weißen Haus, lässt sich heute auch schon teilweise das mittlere Management seine Sicherheit einiges kosten. Auch wenn man dieses Mal vom intelligenten Plot David Finchers nicht an der Nase herumgeführt wird, ist der frühere Werbe- und Musikclipfilmer also wieder einmal auf der Höhe der Zeit. Fincher zeigt die Welt, wie sie wirklich ist: böse. Die Dialoge sind spärlich, die Gesichter verschlossen, Blicke vieldeutig, meist resignierend. "Panic Room" unterstreicht einerseits, dass es unendlich viele Facetten der menschlichen Seele gibt. Andererseits zeigt der Film, dass Fincher es wie kein anderer versteht, die seelischen Abgründe in so intelligente wie realistische Geschichten zu flechten.

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