SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 26/02/2002

Amadeus - Director's Cut

Der legendäre Komponist darf sich in dieser Neufassung des Meisterwerks von Milos Forman 20 Minuten länger als Rokoko-Jeck auf der Leinwand austoben.

Genre: Komödie
Start: 28.02.


R: Milos Forman, D: F. Murray Abraham, Tom Hulce, Elizabeth Berridge u.a.

'Amadeus' erhielt insgesamt acht Oscars. Tom Hulce spielte die Titelrolle. Bild von: Warner
Der Musikgott der Bildungsbürger von Salzburg bis Hintertupfing als kichernd-lüsterner Clown mit bunter Perücke, der unter dem Tisch mit einer drallen Blondine eindeutige Späße treibt: Für manch einen Klassikliebhaber stellte "Amadeus" 1984 das Ärgernis des Jahres dar. Der Skandal ist längst Geschichte, und der Film selbst gilt als ein geschätztes, mit acht Oscars ausgezeichnetes Kunstwerk. Der "Director's Cut", der bei der diesjährigen Berlinale uraufgeführt wurde und nun ins Kino kommt, verspricht mehr Wein, Weib und Musik in Szenen, die Milos Forman eigentlich schon für die Erstfassung verwenden wollte.

F. Murray Abraham erhielt für seine Rolle in 'Amadeus' den Oscar als bester Hauptdar- steller. Bild von: Warner
Nicht nur die menschliche Entmystifizierung des Genies galt für die Produktion von "Amadeus" als Vermarktungsrisiko. "Viele Leute hatten uns gewarnt, dass ein Film über klassische Musik nicht funktionieren kann", erinnert sich der Hollywood-Produzent Saul Zaentz in einem Interview mit "Spiegel Online". Ein Grund, das herausgeschnittene Material, das das Meisterwerk auf über drei Stunden Spielzeit gebracht hätte, erst einmal in der Schublade zu lassen - bis jetzt.

Die 20 Minuten Handlung und Musik ergänzen die originale Kinoversion perfekt, ohne sie aufgebläht wirken zu lassen. Mit dem Ergebnis zeigten sich nicht nur der Regisseur, sondern auch Sir Peter Shaffer, der das gleichnamige Broadway-Musical und die Vorlage für "Amadeus" schuf, sowie der Produzent Saul Zaentz zufrieden. Dem Publikum bietet die Version 2002 zudem die Möglichkeit, den aufwändig ausgestatteten und auch musikalisch überzeugenden Film noch einmal auf der Leinwand zu sehen.

Tom Hulce (Mozart) erinnert sich an die Dreharbeiten: 'Zuerst kam ich mir wie auf einer Kostümparty vor. Es dauerte allein eine geschlagene halbe Stunde, bis meine Perücke richtig saß.' Bild von: Warner
Die Grundidee der Geschichte, einer "Fantasia nach Tatsachen" (Sir Peter Shaffer), beruht auf Gerüchten, die Anfang des 19. Jahrhunderts hartnäckig tradiert wurden: Mozart sei von seinem Rivalen Salieri vergiftet worden, jenem erfolgreichen Hofkomponisten, den die Erkenntnis der eigenen Mittelmäßigkeit angesichts des göttlich inspirierten Genies Mozart in den Wahnsinn trieb. Dieser Konflikt geht jedoch weit über die persönlichen Probleme der Protagonisten hinaus. Salieri (F. Murray Abrahams), aus dessen Perspektive der Film erzählt wird, kämpft sein Leben lang mit der Problematik, als gläubiger Mensch einem Gott dienen zu wollen, den er allzu oft als irrational, willkürlich und voll spöttischer Grausamkeit erlebt.

'Amadeus' - ein Fest fürs Auge und fürs Ohr. Bild von: Warner
"Warum vergeudest Du Dein göttliches Genie an Mozart, der weder ein guter noch ein keuscher Mensch ist", schreit Salieri in einer Szene empört zum Himmel. Dann beschließt er zu handeln. Er entspinnt eine Intrige, die Mozart (Tom Hulce) das Leben kosten wird. Wie Milos Forman den universellen Konflikt zwischen Genie und Mittelmaß zeigt, geht unter die Haut. Neben der Tragik von Salieri stellt er aber ebenso emotional einfühlend die traurigen Umstände von Mozarts Leben dar, der zwar als epochaler Künstler gilt, dem aber seine Leistung schlecht zu seiner Zeit gelohnt wird. Genialität und ein Massenpublikum erreicht dieser Film jedoch durch eine andere Idee: Forman verbindet interessante Reflexionen über Kunst und ihre Wirkung mit virtuosen und witzigen Szenen mit großem Unterhaltungswert.

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