Stellan Skarsgard spielt den deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler. Bild von: Berlinale
Inhalt: "Sich zu einer Seite bekennen": So lautet der Titel dieses Dramas und auch der Vorwurf des Majors Steve Arnold (Harvey Keitel), der nach dem Zweiten Weltkrieg dem Stardirigenten Wilhelm Furtwängler (Stellan Skarsgard) den Prozess machen soll. Er klagt den Künstler an, mit den Nazis kollaboriert zu haben. Furtwänglers Rechtfertigung vor Gericht: Kunst und Politik hätten nichts miteinander zu tun. Dennoch habe er seine besondere Stellung im Dritten Reich auch dazu genutzt, zahlreiche jüdische Musiker vor der Deportation zu retten, indem er sie für sein Orchester engagierte.
Hintergrund: István Szabo gilt seit "Mephisto" (1981) als Spezialist für sorgfältiges Historienkino. In "Taking Sides" beschäftigt er sich wieder mit der Frage nach der Verführbarkeit von Künstlern durch die Mächtigen. Dafür wählte er eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Nazi-Zeit aus. Dabei entstand ein spannendes Justizdrama und zugleich ein psychologisches Porträt. Gedreht wurde in Babelsberg, Berlin und Dresden.
Kritik: Szabo bemüht sich um Neutralität und überlässt die Wertung des Verhaltens Furtwänglers ganz dem Publikum. Das Ergebnis: Erlesene Unterhaltung im Kammerspielstil für Leute, die sich gerne über gesellschaftliche und moralische Grundsatzfragen Gedanken machen.