Unterwegs mit Jungs
Tragische Geschichte um eine junge Frau, die lernen muss, trotz aller Rückschläge ihren Weg zu finden.
Genre: Drama Start: 7.3.
R: James L. Brooks, D: Drew Barrymore, Lorraine Bracco, James Woods u.a.
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| Beverly Donofrio (Drew Barrymore, links) möchte nach New York gehen und eine berühmte Schrift- stellerin werden. Ihre Freundin Fay (Brittany Murphy) unterstützt sie dabei. Bild von: Columbia TriStar |
Wer hätte gedacht, dass James Woods nach seiner peinlichen Rolle in "Scary Movie 2" noch einmal die Kurve kriegt? Und wer hätte sich nicht gewünscht, dass Drew Barrymore endlich einmal einen wirklich tiefgründigen Charakter spielt? "Unterwegs mit Jungs", die Geschichte eines turbulenten Frauenlebens, erfüllt alle Wünsche auf einmal. Drew Barrymore überzeugt als egozentrische junge Mutter zwischen allen Stühlen, und James Woods erinnert als typscher Konservativer an die Zeiten, in denen Väter ihre Töchter verstießen.
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| Als Beverly von Ray (Steve Zahn, links) schwanger wird, muss sie ihre Karriereambi- tionen erst einmal begraben. Zum Lachen ist das alles nicht, eher zum Schreien. Bild von: Columbia TriStar |
Regisseurin Penny Marshall ("The Big", "Schnappt Shorty") zeigt Drew Barrymore, die in den vergangenen Jahren durch Rollen in "Batman Forever" und "Mad Love" für wenig Furore sorgte, als 15-Jährige in den wilden 60-ern, die sich nichts sehnlicher wünscht, als eine berühmte Schriftstellerin in New York zu werden. Doch auf einer Party wird sie von ihrem Schwarm bloßgestellt und wendet sich todunglücklich dem Verlierertypen Ray Hasek (Steve Zahn) zu. Zahn brilliert in der Rolle. Dem Zuschauer sträuben sich die Nackenhaare ob seiner nervtötenden Unzuverlässigkeit und Verantwortungslosigkeit. Wenige Monate später ist Beverly von Ray schwanger.
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| Beverly lässt sich nicht beirren. Trotz Widerstände geht sie ihren Weg konsequent weiter. Bild von: Columbia TriStar |
Was sich anschließt, ist eine mehr als zweistündige Familiengeschichte, ein Drama, das in seiner epischen Länge an manchen Stellen mehr durch Langeweile als Lebendigkeit auffällt. Die junge Beverly Donofrio bekommt ihr Kind auf Drängen der Eltern, wobei der Vater (angemessen verschnupft: James Woods) seine zuvor geliebte Tochter verstößt, aber dennoch nicht seine großväterlichen Pflichten vernachlässigt. Die erzwungene Hochzeit wird zum tragischen Höhepunkt der Geschehnisse, als die Familie halbherzig feiert, der Vater eine eindeutig enttäuschte Rede hält und Beverly in ihrer Depression zu versinken scheint. Ray und die junge Mutter ziehen in eine gemeinsame Bruchbude, und das Leben nimmt seinen Lauf: Ray wird heroinabhängig und glänzt immer öfter durch Abwesenheit.
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| Die Ehe von Beverly und Ray ist alles andere als glücklich. Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten. Bild von: Columbia TriStar |
Die Trennung scheint unvermeidlich, doch es wird ein leidlich gutes Ende für die meisten Beteiligten geben, auch für den Sohn. Doch Regisseurin Marshall möchte zu viel vermitteln: Neben den Problemen der erst nach der Geburt ihres Sohnes heranwachsenden Beverly, denen ihres Kindes und den Schwierigkeiten von Ray und der gesamten Familie, widmet sie sich auch den Gedanken von Beverlys Freundin, die ebenfalls schwanger ist und deren Mann in Vietnam fernöstlichen Lendenfreuden nachgeht. Der Zuschauer wird konfus, weiß nicht, welcher der zahlreichen Geschichten er folgen soll.
Trotz der überladenen Handlung liefert "Unterwegs mit Jungs" ein stimmiges Bild Amerikas in den 60er-Jahren: einerseits die Idylle auf dem Land und in den Vorstädten, andererseits die ausufernden Partys und Träume von Sex und Rock'n'Roll. Dieses Panoptikum stilechter Zeitgeschichte wurde angenehmerweise mit 30 Songs angereichert, von "Ferry Cross The Mercy" (Gerry & The Pacemakers) bis zu "All I Have To Do Is Dream" (The Everly Brothers), das am Ende für Versöhnung und Happy-End stehen soll.
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