SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 22/04/2002

The Mothman Prophecies

Übernatürliche Ereignisse stehlen in Mark Ellingtons Thriller Richard Gere die Show.
V: Concorde, USA 2001 R: Mark Pellington, D: Richard Gere, Laura Linney, Will Patton u.a.

Bild von: Concorde
Es ist nicht Richard Geres vermeintliche Schönheit, die diesen Film interessant macht. "Mothman Prophecies" lebt von der aufregenden Stimmung, von seinen Fragen zu übernatürlichen Ereignissen und der Suche nach Antworten. Dabei stehen die starken Bilder und die Nebendarsteller dieses Thrillers im Vordergrund.
Der Inhalt basiert auf dem Buch von John A. Keel, das sich mit Flüchen und unerklärlichen Phänomenen beschäftigt. Im Mittelpunkt steht ein Platz außerhalb von Point Pleasant, einem kleinen Ort in West Virginia. Nachdem das Terrain zunächst als Wildlife-Reservat seltenen Vögeln Zuflucht bot, wurde es im Zweiten Weltkrieg zum Munitions- und Waffenlager. 1967 beobachteten dort verschiedene Menschen eine Gestalt, die sich grob als überdimensionaler Schmetterling umschreiben lässt. Störungen im Radio und rot glühendes Leuchten beunruhigten die Anwohner. TV-Teams positionierten sich neugierig, um den Mothman (Mottenmann) zu filmen. Doch der machte es wie Nessie und tauchte nicht auf, wenn die Kameras liefen.

Bild von: Concorde
Dieses Phänomen ähnelt den Vorgaben in "Blairwitch Project". Dort sprachen Menschen von einer Hexe und verbotenen Orten, hier nähern sich die Bewohner, und im Film vor allem Hauptdarsteller Richard Gere, jener Erscheinung. Regisseur Mark Pellington geht mit dem Thema souverän um, hat aber keinerlei Interesse, "Mothman Prophecies" dokumentarischen Charakter zu geben. Er drehte einen Hollywood-Film. Was nichts daran ändert, dass solche Storys eine riskante Gratwanderung darstellen, bei der man sich schnell lächerlich macht. Doch die Visualisierung des nicht Fassbaren gelingt. Dazu bedient sich der ehemalige MTV-Mann und Geburtshelfer von Videoclips der Mittel, die er in der Vergangenheit nutzte. Kamerafahrten erzeugen Suspense, den unangenehmen Verdacht, dass da etwas ist. Fantastische Lichteffekte, die dezent eingesetzt werden, unterstreichen die angespannte Atmosphäre.
Die Effekte lenken den Blick weg von Richard Gere, der den Top-Journalisten und Detektiv in eigener Sache spielt. Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau versucht Medienstar John Klein die Rätsel zu lösen, die ihr Sterben umgaben. Er fuhr mit ihr durch die nächtliche Stadt. Etwas streifte die Windschutzscheibe, Mary verlor die Kontrolle über den Wagen. Bei den Untersuchungen im Krankenhaus stellte sich ein bösartiger Tumor heraus. Während Klein fassungslos deklariert, dass sich manchmal das Schicksal einfach jemanden aussucht, um dessen Leben zu zerstören, schaut ihn seine sterbende Gattin an und fragt: "Du hast es nicht gesehen, oder?" Auf einen Block malt sie eine schwarze Kreatur mit roten Augen.

Bild von: Concorde
Leider muss Gere bei jedem seiner Auftritte als Star, der er ist, den Film an sich reißen - und diese ewige Distanzierung von Mittelmäßigkeit zehrt jede Überzeugungskraft auf. Der Beau mit dem silbernen Haar geht routiniert der Gefahr entgegen, zeigt sich leidenschaftslos heldenhaft - ganz im Gegensatz zu den beiden anderen Hauptdarstellern Laura Linney und Will Patton.
Obwohl Mark Pellington vieles offen lässt, findet die Legende um den Mothman einen Abschluss, da er nach einem großen Unglück nicht mehr auftauchte. Infos über parallele Geschehnisse vor dem Erdbeben in Mexico City und der Tschernobyl-Katastrophe in den Achtzigern erzeugen dann doch ein gewisses Schaudern. Pellington hat, auch wenn ihm, ähnlich wie in seinem vorherigen Film "Arlington Road" , zum Ende hin ein wenig die Gäule durchgehen, ein gutes Händchen bei dieser Inszenierung. Niemand wird in eine bestimmte Richtung gedrängt. Der Zuschauer hat viel Freiheit, um zu tun, was eine Boulevardzeitung befiehlt: Bild dir deine Meinung.

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