| SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 22/04/2002 | ||||||
Lovely RitaAufreibende Teenagerstudie mit erschreckendem Ausgang.
Macht sie das extra? Rita ist hässlich, die Wohnung der Eltern ist hässlich, das Umfeld: ebenso. Die 70er-Jahre sind in ihrer bizarrsten Form zum Leben erwacht in Jessica Hausners Videoproduktion. Sie vermischen sich mit den Achtzigern. Die Ausstattung ist abstoßend. "Zeitlos" nennt es die Regisseurin, die ihren Film nicht auf eine bestimmte Epoche festlegen will.
Rita geht in die Schule, sie gehört nicht zur Tussi-Abteilung, will dennoch ab und an Aufsehen erregen. Sie hat zwei, drei Pfunde zu viel, doch im Grunde ist sie hübsch, hat ein schönes Gesicht, das sie natürlich ab und an mit viel zu viel Schminke verunstaltet. Manchmal, in den wenigen entspannten Momenten, hat man sogar das Gefühl, die 15-Jährige macht ihr Ding, geht vorwärts, bekommt ihr Leben in den Griff. Laiendarstellerin Barbara Osika spielt Rita stoisch exakt und doch dezent und zurückhaltend. Dies ist eine große Leistung. Doch Hausner bremst jede Offenbarung des Seelenlebens aus, zeigt bewusst nur die Oberfläche, wiederholt Bilder und Rituale. Was sie nicht sichtbar macht, sind die Veränderungen, die sich in Ritas Innerem abspielen. Damit will die Wienerin den Zuschauer fordern, der durch die wenigen Informationen einen rein subjektiven Eindruck mit viel Raum für Spekulation gewinnt.
Um dem Anliegen der Regisseurin, der Willkür jede Freiheit einzuräumen, gerecht zu werden, sollte das Ende nicht näher beschrieben werden, da es sonst seine Wirkung verfehlt. Rita hat viel Unsinn gemacht, die darauf folgenden Sanktionen emotionslos zur Kenntnis genommen, bis sie ihr Leben radikal, brutal verändert. Damit finden die abrupten Brüche in dem 80-Minuten-Film zum Schluss eine schmerzliche Steigerung. Rita blickt in die Kamera und wirft, nach Meinung der Regisseurin, dem Zuschauer den Ball zu. Viele werden ihn fallen lassen. Denn die Aussage kann auf einen Satz reduziert werden: Nehmt die Signale eurer Kinder Ernst. Ein Fazit, das Jessica Hausner wohl nicht gefallen würde, da es zu dogmatisch ist. |
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