SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 13/03/2002

Spy Game - Der finale Countdown

Der mit Rückblenden gespickte, unkonventionelle Thriller ist mit Brad Pitt und Robert Redford namhaft besetzt, macht es seinen Zuschauern aber nicht zu jedem Zeitpunkt leicht.

Genre: Thriller
Start: 14.03.


R: Tony Scott, D: Robert Redford, Brad Pitt, Catherine McCormack u.a.

Spionage-Thriller des Regisseurs Tommy Scott sehen nicht wie konventionelle Spionage-Thriller aus. Trotzdem sind sie welche: "Der Staatsfeind Nr. 1" mit Will Smith in der Hauptrolle war so ein Film, an den man sich erst gewöhnen musste. "Spy Game", für das deutsche Publikum noch mit dem Bindestrich-Ärgernis "Der finale Countdown" untertitelt, ist komplexer als sein Vorgänger, arbeitet Scott doch eifrig mit Rückblenden und treibt die eigentliche Handlung nur quälend langsam voran.

Aber natürlich ist das hier vor allem echtes Star-Kino. Robert Redford und Brad Pitt, die vor vielen Jahren gemeinsam "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" drehten, fanden sich erneut zusammen, und sie harmonieren gut in den wenigen Szenen, die sie gemeinsam auf der Leinwand haben. Pitt spielt den jungen CIA-Agenten Tom Bishop, Redford ist Nathan Muir, sein Mentor aus früheren Zeiten. Das passt gut, das ist glaubhaft: Zwei zähe, vollkommen humorlose Einzelgänger machen ihren Weg.

Doch dann wird ihre Zusammenarbeit, ihre solide Freundschaft ein letztes Mal auf die Probe gestellt. Muir steht kurz vor seiner Pensionierung, als er erfährt, dass Bishop bei einem gefährlichen Einsatz in China verhaftet wurde. Spät, in einem letzten Rückblick, wird der Zuschauer erfahren, wie es dazu kam. Muir beginnt eine subtile Befreiungsaktion, bei der er es weniger mit China als vielmehr mit den eigenen Kollegen beim CIA zu tun bekommt. Die halten ganz offensichtlich nicht mehr allzu viel von dem alternden Agenten. Zudem befürchtet der Gemeindienst einen internationalen Skandal und hat somit kein besonders großes Interesse an einer Lösung des Konflikts. Muir ist wie gewohnt auf sich alleine gestellt, lässt ein paar alte Kontakte aufleben, sucht nach Vertrauensmännern und zieht an jedem Hebel, der ihm helfen könnte.

Doch das ist nur die Kernhandlung des Films, der in Rückblenden die Beziehung zwischen den beiden Männern aufarbeitet. Regisseur Tony Scott gibt diesen Elementen viel Raum und vertraut auf den Zuschauer, der die Geduld aufbringen muss, lange auf den Showdown zu warten. Interessiert es wirklich, wie sich Muir und Bishop im Vietnamkrieg kennen lernten, wie sie in Berlin einen spektakulären Fall lösten? Eigentlich nicht, zumal Redford und Pitt ihre Charaktere über alle Maßen kühl anlegen. Respektiert werden können diese Typen schnell, aber gemocht werden sie eigentlich nicht.

Zwischen den Episoden folgt immer wieder die Rückkehr in die Dienstzimmer des CIA, wo die Herren reden und reden. Redford sitzt dazwischen, blickt meist recht überlegen drein, und es kann nicht ernsthaft ein Zweifel daran aufkommen, dass es der alte Haudegen noch einmal schaffen wird, den Jungen ein Schnippchen zu schlagen. Wie das dann am Ende gelingt, ist durchaus unterhaltsam und flott in Szene gesetzt. Brad Pitt wiederum hat eine erstaunlich kleine Rolle, die zudem nicht allzu dankbar ist. So als ließe er auch im wahren Leben noch einmal der sicher respektierten und gemochten Hollywood-Größe den verdienten Vortritt.

Um ausreichend Spannung zu erzeugen, greift das Buch zu einem bekannten und reichlich verbrauchten Trick: Die Uhr tickt. Rückwärts. Bishop soll in China exekutiert werden, und es bleiben gerade einmal 24 Stunden, um das zu verhindern. Der Zeitdruck wird stilistisch unterstützt: Viele schnelle Schnitte schon in der Eröffnungssequenz weisen den Weg, doch konterkarieren sie die subtilen Teile der Handlung, die irgendwann auch etwas verwirrend wird. Die Frage, was nun wichtig und was zu vernachlässigen ist, stellt sich der Betrachter immer mal wieder.

Die Tatsache, dass es Buchautor Michael Forst Beckner auch im Sinne hatte, die amerikanische Geschichte Revue passieren zu lassen, mag schließlich die patriotischen Gedanken amerikanischer Kinozuschauer fördern, hat hierzulande aber nur marginale Bedeutung. Der Kern des Films spielt 1991, im Kalten Krieg, als die Fronten noch klar auf den Landkarten aufzuzeichnen waren. Und ebenso klar sind die Abgrenzungen zwischen den Guten und den Bösen im "Spy Game".

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