27/03 Vaya con dios 



Filmtrailer
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| Auf der Suche nach dem wahren Leben: Arbo (Daniel Brühl). Bild von: Senator |
Derbe Bässe brauchen die Mönche nicht, um Emotionen zu erzeugen. Wenn sie ihre Hände falten, den Kopf leicht in den Nacken legen und mit ihren klaren Männerstimmen in allen Tonlagen einen wogenden Gesang erklingen lassen, gleicht das einem Ausflug in eine harmonische Welt, und dem Zuhörer läuft es kalt über den Rücken. Die Schönheit dieser Chormusik sollte im Mittelpunkt seines Erstlingswerks "Vaya con dios" stehen - das war klar für Regisseur und Autor Zoltan Spirandelli, der mit seinem Kurzfilm "Der Hahn ist tot" 1988 das Kinopublikum zum Mitsingen animierte.
Der Heilige Geist offenbart sich in der Musik, im Klang. Davon sind die Mitglieder des Cantorianer-Ordens überzeugt. Vom Singen allein kommt das Essen aber nicht auf den Tisch, und davon kann in modernen Zeiten schon gar kein kein Kloster aufrecht erhalten werden. Da können die Mönche noch so bescheiden hausen, ohne Strom, fast wie ihre Glaubensbrüder vor 200 Jahren.
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| Arbo kann der schönen Fotografin Chiara (Chiara Schoras) nicht widerstehen. Bild von: Senator |
Das Unglück klopft in Gestalt einer Frau, der Eigentümerin von Auersperg in Brandenburg, an die Tür, und für Benno (Michael Gwisdek), Tassilo (Matthias Brenner) und Arbo (Daniel Brühl) heißt es: "Vaya con dios" - Geh mit Gott. Ihre einzige Habe sind die Kutten am Leib, ein kostbares Buch mit ihren Ordensregeln und jede Menge Gottvertrauen. Das Trio muss eine beschwerliche Reise in die Toskana antreten, wo das letzte noch verbliebene Cantorianer-Kloster existiert. Musik ist Leben, doch was das Leben wirklich bedeutet, das lernen sie bei ihrer Wanderschaft.
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| Arbo und Benno (Michael Gwisdek) sind auf dem Weg in die Toskana. Sie wollen das letzte noch verbliebene Cantorianer-Kloster besuchen. Bild von: Senator |
Askese trifft auf Vergnügungssucht: Spirandelli setzt bei seinem Roadmovie auf die Konfrontation zweier Welten und den sich daraus ergebenden Witz. Der Blick der Kamera ist dabei immer sehr liebevoll, keiner soll hier vorgeführt werden. Und so stöhnt Benno über die "teuflische" Musik mit ihren "permanenten Quintparallelen" aus dem Radio, eine "Komposition wider alle Regeln". Dann will er mehr davon hören. Arbo fühlt sich mit einem Fotoapparat überfordert. Wann soll er denn abdrücken, wenn Gott in der Zeit wirkt und er nicht einem Augenblick den Vorrang vor dem anderen geben kann?
Ein Leben außerhalb der Klostermauern: Das bedeutet auch, den unterschiedlichsten Verführungen ausgesetzt zu sein. Auf jeden der drei Männer wartet ein anderer "Dämon": Tassilo kann den Markklößchen und der Geborgenheit bei seiner Mutter nicht widerstehen, Benno taucht ab ins Wunderland des Wissens bei den als klerikale Mafia dargestellten Jesuiten mit ihrer phänomenalen Handschriftensammlung, und auf Arbo, der schon als Baby ins Kloster kam, erkennt das weibliche Geschlecht. Chiara (Chiara Schoras) heißt die Angebetete.
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| Benno, Tassilo (Matthias Brenner) und Arbo gehen mit Gott. Manchmal fahren sie auch. Bild von: Senator |
Arbo wird von Daniel Brühl verkörpert, der momentan als interessantester Jungschauspieler im Kino ("Nichts bereuen", "Das weiße Rauschen") gefeiert wird und auch in diesem Film brilliert. Er strahlt als Mönch die stärkste Naivität aus, was im besten Sinne aber bedeutet, das er am offensten, klarsten und ausgeglichensten wirkt. Wenn er als Arbo von der Frau, in die er verliebt ist, umarmt wird, dabei die Augen schließt und sie dann wieder öffnet, spürt man, dass sich die Welt für ihn verändert hat. Doch es bleibt das Verlangen, durch Gesang mit den Brüdern Gott zu preisen.