SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 27/03/2002

Not A Girl - Crossroads

Britney Spears in ihrem Kino-Debüt: Ein Teen-Roadmovie, das exakt auf die romantischen Fantasien weiblicher Teenager zugeschnitten ist, dabei kein Klischee auslässt, aber durchaus Charme und Unterhaltungswert hat.

Genre: Komödie/Drama
Start: 28.3.


R: Tamra Davis, D: Britney Spears, Anson Mount, Zoe Saldana u.a.

Ein ganz normaler amerikanischer Teenager: Britney Spears als Lucy in 'Not A Girl'. Bild von: Constantin / Richard Foreman
"I'm not a girl. Not yet a woman", trällert Britney Spears im Hit zu ihrem mit Spannung erwarteten Filmdebüt "Not A Girl" (Original: "Crossroads"). "I'm not a singer. Not yet an actress" hätte die Sache auch ganz gut getroffen. Um fair zu sein: Singen kann sie halbwegs, und dass sie als Schauspielerin baden geht, ist vermutlich nicht mal ihre Schuld. Im Grunde kommt sexy Britney in Tamra Davis' Teen-Roadmovie-Versuch sogar recht natürlich rüber, wenn wir mal wohlwollend davon ausgehen, dass jedes, aber auch wirklich jedes Klischee, das wir über die amerikanische Jugend im Kopf haben, der Realität entspricht. Die verheerenden Kritiken, die "Crossroads" in den USA erntete, lassen freilich einen anderen Schluss zu.

Drei Teenies vor dem Sommer des Erwachsenwerdens (von links): Lucy (Britney Spears), Mimi (Taryn Manning) und Kit (Zoe Saldana) schicken sich an, ihre Kindheitsträume zu verwirklichen. Bild von: Constantin / Richard Foreman
Weil Britney auch in ihrer Rolle als Popstar schon jede Menge Klischees erfüllt, könnte man fast sagen, sie spielt authentisch. Schließlich verkörpert sie mit Lucy ein wenig sich selbst, oder das, von dem wir glauben, es sei Britney Spears. Lucy ist das nette, hübsche und vor allem in jeder Hinsicht cleane Mädchen aus gutem Hause, das nur ab und an heimlich den Punk rauslässt, wenn sie allein im Kinderzimmer in hübschen Dessous (viel gibt's nicht zu sehen, werte Teen-Voyeure) einen alten Madonna-Song mitzwitschert. Sie träumt von einer Karriere als Sängerin, ihr allein erziehender, aber umso treu sorgenderer Vater (Dan Aykroyd in einer Rolle, die ihn offenkundig unterfordert) hat natürlich andere Vorstellungen. Dann die letzten Sommerferien vor dem College-Beginn, und die Seifenoper von Erwachsenwerdung, First Love am Strand (mit 18, wie sich das gehört), Star-Durchbruch und Friede, Freude, Eierkuchen nimmt ihren Lauf. Im Sog ihrer vergleichsweise extrem frühreifen Freundinnen, der schönen, dunkelhäutigen Kit (Zoe Saldana) und der ungewollt schwanger gewordenen Mimi (Taryn Manning, sicher die beste Schauspielerin des Trios), wird Lucy in kürzester Zeit flügge.

Was für ein Paar: Lucy und Ben (Anson Mount) sind glücklich. Bild von: Constantin / Richard Foreman
Die Idee, die dem Film zugrunde liegt, ist eigentlich eine wirklich schöne: Nach dem Highschool-Abschlussball treffen sich die drei Mädchen an der Stelle, an der sie einst als kleine Kinder ihre in Schachteln verpackten Träume verscharrten. Ziemlich desillusioniert sind die Mädels da, schließlich hat keine ihren Traum bislang verwirklicht. Mimi, die Außenseiterin, ist die treibende Kraft, die die anderen dazu bringt, mit ihr das im Südosten der Staaten gelegene Provinznest zu verlassen. L.A. ist das Ziel, vor allem für Mimi, die dort an einem Songcontest teilnehmen und groß rauskommen will. Aber wer am Ende den Plattenvertrag bekommt, dürfte klar sein ... - auch wer bei Mimis Kumpel Ben (Anson Mount), dem Chauffeur der drei Gören, landet, ist keine Frage. Für weibliche Teenies dürfte Ben übrigens alleine den Kinoeintritt wert sein. Ein Fleisch gewordener Mädchentraum: Der Typ fährt einen 73er-Buick, ein Cabrio, das man auf Deutschlands Straßen nicht einmal aus der Ferne bewundern kann, hört richtig harte Musik, trinkt Bier aus der Dose und hat sogar echte Tattoos auf dem durchtrainierten Body. Ein "cooler Checker", um's transparent zu machen.

Noch ehe der zusammengewürfelte Haufen junger Amerikaner am Ziel ankommt, platzt Lucys Traum. Sie will ihre Mutter kennen lernen, doch die zeigt sich wenig begeistert vom ungebetenen Besuch aus der Vergangenheit. Was aber nicht weiter schlimm ist. Zum Trost komponiert Ben für seine Lucy den Song "Not A Girl, Not Yet A Woman", mit dem Britney, ähem Lucy, in L.A. schließlich Popstar wird. Dass sich nebenbei die Träume der beiden anderen Mädchen rapide in Luft auflösen, muss hingenommen werden.

Eine Geschichte wie aus einem Groschenromanheft, das Teenies in ihren Sommerferien lesen, mit einer Moral, die - böswillig betrachtet - perfider nicht sein könnte: Erfolg hat das Mädchen, das talentiert, blond, hübsch und anständig ist und mindestens bis zum 18. Lebensjahr auf den richtigen Partner wartet. Mädchen, die schon als Teenager mit Jungs rummachen, gar ungewollt schwanger werden und dunkelhäutig oder nicht ganz so hübsch sind, dürfen allenfalls nett danebenstehen, fallen aber im Grunde durch. Oh je.

Das rockt: Um sich ein paar Mark für die Reise nach L.A zu verdienen, geben Lucy, Kit und Mimi zu Joan Jetts 'I Love Rock'n'Roll' Gas. Bild von: Constantin / Richard Foreman
Der Film lockte in den USA trotz mieser Kritiken bereits am ersten Wochenende über 17 Millionen Zuschauer in die Kinos und wird ohne Frage auch hierzulande zum Kassenknüller. Sicher nicht nur wegen der vielen Britney-Fans, deren Erwartungen die schauspielernde Sängerin wohl exakt erfüllt, und jener Herren, die Frau Spears gerne leicht bekleidet sehen wollen. "Not A Girl" ist bei allen Klischees und Mängeln weder unsympathisch noch langweilig, hat jede Menge, wenn auch - je nach Blickwinkel - unfreiwillig komische Momente, einen tollen Soundtrack und atmet immerhin einen gewissen Charme von Herzflattern, Jugendliebe-im-Sommer-Romantik und Fernweh.

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