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31/01 Was tun, wenn's brennt ****_

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Terror (Matthias Matschke) war früher einmal richtig wild. Jetzt möchte er nichts mehr tun, was gegen Gesetze verstoßen könnte. Bild von: Columbia TriStar

Eine bewegte Biographie zu besitzen, gilt heutzutage als schick. Als Außenminister Joschka Fischer reumütig zugab, einen Polizisten vermöbelt zu haben, zog Friedrich Merz gleich mit. Der CDU-Politiker gab beschämt bekannt, er sei in seiner Jugend ein richtiger Kleinstadtrabauke gewesen, Mofa, lange Haare und einen verwaschenen Parka inklusive. Freilich habe er nie Gewalt angewandt. In seinem ersten abendfüllenden Kinofilm "Was tun, wenn's brennt" schildert Gregor Schnitzler einen etwas beherzteren Umgang mit der Radikalität früherer Jahre. Sechs ehemalige Freunde müssen eine Menge riskieren, um ihre Verantwortung für ein Bombenattentat Ende der 80er-Jahre zu vertuschen.

Es hat "Boom" gemacht, und zwar ganz gewaltig. In einer Berliner Villa ist ein Sprengsatz explodiert, zwei Menschen wurden verletzt. Was wie ein Anschlag auf Leib und Leben zweier Mitglieder der Hauptstadtelite aussieht, war eigentlich ein bedauerlicher Unfall. Denn die Bombe war Marke Eigenbau und sollte schon vor 20 Jahren hochgehen - wenn überhaupt. Eine kleine linke Splittergruppe warf sie damals in das Haus und vergaß die Angelegenheit anschließend sofort wieder. Bei den Tätern von damals ist die Ratlosigkeit entsprechend groß. Jahrelang hat man sich nicht mehr gesehen, und jetzt soll man gemeinsam über eine Strategie zur Rettung des eigenen Allerwertesten nachdenken? Nicht einfach, das.

Als Fernsehteam getarnt dringen Maik (Sebastian Blomberg, links), Tim (Til Schweiger, Mitte) und Nele (Nadja Uhl, rechts) in die streng bewachte Polizeikaserne ein. Bild von: Columbia TriStar

Tim (Til Schweiger), Flo (Doris Schretzmayer), Maik (Sebastian Blomberg), Hotte (Martin Feifel), Nele (Nadja Uhl) und Terror (Matthias Matschke) entscheiden sich für die Flucht nach vorne. Sie beschließen, in die Polizeikaserne einzudringen, in der die bei einer Haussuchung in Tims und Hottes Domizil beschlagnahmten Beweise lagern. Die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie ist freilich schwierig, denn sie sind mit den Jahren ein reichlich inhomogener Haufen geworden. Nur Hotte und Tim beschwören noch die alten Ideale, der Rest hat sich für mehr oder weniger bürgerliche Karrieren entschieden. Terror ist Staatsanwalt, Nele Hausfrau, Maik leitet eine Werbeagentur.

Den sechs Komplizen gelingt es trotzdem irgendwie. Als Fernsehteam verkleidet, verschaffen sie sich Zugang in die Polizeikaserne. Ihr Plan, nun die Beweise mit der gleichen Bombe in die Luft zu jagen, die auch die Villa zerstört hat, geht auf, auch wenn er nicht ganz reibungslos funktioniert.

Hotte (Martin Feifel) wollte sicher gehen, dass die Bombe alle Beweise zerstört - jetzt hat er ein Problem. Bild von: Columbia TriStar

Ensemblefilme sind im deutschen Kino selten - um so schöner ist es, wenn eine Geschichte mit mehreren gleichberechtigten Hauptcharakteren so gut funktioniert wie "Was tun, wenn's brennt". Verblüffend ist vor allem Sebastian Blomberg, der als Werber Maik eindrucksvoll zeigt, dass die Spielarten seiner Branche mit der respektlosen, anarchistischen Lebensweise der Punks sehr wohl einiges gemein haben. Damit steht er für eine der Grundfragen des Filmes: Was taugen Ideale, wo definieren sich ihre Grenzen? Ist das Leben in einem besetzten Haus wirklich eine Form des Protests? Ist ein Staatsanwalt tatsächlich ein Spießer? Kann man seine Überzeugungen mit der Zeit ändern?

Früher waren sie einmal wilde Punkrocker. Von links: Maik (Sebastian Blomberg), Terror (Matthias Matschke), Nele (Nadja Uhl), Flo (Doris Schretzmayer), Tim (Til Schweiger) und Hotte (Martin Feifel). Bild von: Columbia TriStar

Regisseur Gregor Schnitzler lässt diese Fragen bewusst offen. Nein, politisch ist sein Film gewiss nicht. Denn "Was tun, wenn's brennt" nimmt den Straßenkampf des Berlins der 80er-Jahre nicht nur als Ausgangssituation für die eigentliche Handlung, sondern auch als Staffage. Videoclip-artig setzt Schnitzler die Szenen aus der guten, alten Zeit des Häuserkampfes zusammen. Dass seine Sympathien dabei nicht unbedingt auf Seiten der Polizei liegen, wird schnell klar. Doch da Nietengürtel, Irokesenschnitte und Punkmusik ihren Weg aus der Subkultur in den Mainstream schon lange gegangen sind, sind diese Lehrstücke in Sachen Nostalgie eigentlich überflüssig. Die großen, weiten Bilder, in denen Schnitzler die Handlungen seiner Protagonisten in der Jetztzeit schildert, überzeugen dagegen voll und ganz. Gekonnt kombiniert er sentimentales Gefühlskino mit bisweilen absurder Kriminalkomik, die in einem furiosen Finale endet. Ein gelungener Einstand!


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