SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 31/01/2002

Die Monster AG

Warmherziger und witziger 3-D-Animationsfilm um ein kleines Mädchen, das durch seine Anwesenheit eine bizarre Monsterwelt auf den Kopf stellt.

Genre: Zeichentrick
Start: 31.01.


R: Peter Docter, Lee Unkrich, David Silverman

Der einäugige Mike ist ein Charmeur, wie er im Buche steht. Bild von: Buena Vista
"Die älteste und stärkste Gemütsbewegung, die die Menschheit kennt, ist die Angst." Welche Energie der Schrecken jedoch freisetzen kann, das ahnte selbst H.P. Lovekraft, einer der bedeutendsten Gruselautoren des 20. Jahrhunderts, nicht. "Die Monster AG" gibt nun die ultimative Antwort, warum grässliche Gestalten vor der Zimmertür oder im Wandschrank auf ihre Opfer lauern: Die markerschütternden Schreie der verängstigten Kinder dienen ihrer Stadt Monstropolis zur Stromversorgung, und die Tür ist der Übergang in ihre Welt.

Ein Menschenkind ist durch die Schranktür nach Monstropolis gelangt! Bild von: Buena Vista
Je lauter das Angstgebrüll, desto voller die Energieflaschen der "Monster AG". Im Erschrecken von Kindern lässt sich folglich in Monstropolis Karriere machen. Einer, der es darin zur Meisterschaft gebracht hat, ist der riesige, aber liebenswerte Sulley, der fast unschlagbare "Mitarbeiter des Monats" der "Monster AG". Dabei sieht der vermeintliche Albtraum für Kinder eigentlich ganz kuschelig aus mit seinem himmelblauen Pelz mit lila Punkten drauf. Seine großen Kulleraugen gucken sanft, die kleinen Hörnchen am Kopf wirken eher rührend. Nur wer ihn bei der Arbeit sieht, kauft ihm den Superschrecker ab.

Sulley (rechts) und Mike trauen ihrem schmierigen Kollegen Randall Boggs (links) nicht über den Weg. Bild von: Buena Vista
In Monstropolis lebt also ein buntes Völkchen tierähnlicher Unholde - farblich standen quietschbunte Frühstückskringel Pate, und gestalterisch wurden alle realen und vorstellbaren Körperteile wild durcheinander gemixt und zusammenmontiert - natürlich technisch perfekt, wie es sich für eine zeitgemäße Computeranimation von Pixar/Disney versteht. Ähnlich wie bei "Harry Potter" entwarfen die Väter der Monsterwelt ein Paralleluniversum, das anders aussieht, aber unsere Welt widerspiegelt. Seitenhiebe auf die Leistungsgesellschaft und die bedenkliche Macht der Großkonzerne gibt es inklusive.

Durch eine geheime Wandschranktür gelangen Sulley und Mike von Monstropolis in die Menschenwelt. Bild von: Buena Vista
Die Partei der Schurken in dieser Gut-Böse-Disneywelt vertritt der salamanderartige und lilafarbene Randall. Er will seinen Konkurrenten Sulley ausschalten und wartet auf seine Stunde. Und tatsächlich unterläuft dem Kuschelmonster ein fataler Fehler. Durch seine Unachtsamkeit gelangt ein Kind in die Monsterwelt, das sich unerschrocken in Sulleys Fell festklammert. Gemeinsam mit seinem Freund Mike, einer Art Smiley mit Zyklopenauge, versucht er, das Mädchen so lange zu verstecken, bis er es wieder zurückbringen kann. Dabei gewinnt er die Kleine lieb, und das obwohl jedes Monster weiß, dass Kinder giftig sind.

Konkurrenz belebt das Geschäft - und hier wohl auch die Kreativität. Mit dem gelungenen und in Amerika sehr erfolgreichen Familienfilm "Monster AG" dürfte nun das Haus Pixar/Disney dem Konkurrenten Dreamworks einen "Shrek" eingejagt haben. Obwohl der Held wie eine Kuschelvariante des Ogers aus dem Blockbuster des letzten Sommers wirkt, kann von Kopie keine Rede sein. Der Humor erinnert eher an "Toy Story", für den schon das gleiche Team arbeitete: Sicher eine Spur weniger frech und dreist als bei "Shrek", aber höchst unterhaltsam. "Monster AG" entwickelt aus seiner bizarren Welt einen eigenen Witz. Trotz spritziger Dialoge, rasanten Verfolgungsjagden und gigantischem Showdown auf dem Türen-Fließband ist es also nicht zu überhören: Das warme Disney-Herz schlägt hier noch deutlich.

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