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EllingFür den Oscar nominiertes Feel-Good-Movie aus Norwegen.
Elling, ein kleiner Mann mit Buchhaltermanierismen, lebte im Schrank, bevor er in die psychiatrische Behandlung kam. Er wollte immer seine Ruhe vor der Welt, sie war ihm zu aufregend. Mit Zimmergenosse Kjell kommt er in der übersichtlichen Umgebung gut klar. Der an Obelix erinnernde, durchaus charmante Riese, bewundert ihn, wenn er orgiastische Geschichten aus seinem Leben erzählt. Dass er ihm dabei die Hucke volllügt, spielt keine Rolle. Elling weiß um seine Flunkereien, verdreht und organisiert Geschehnisse neu. Im Grunde ist er ein berechnender Typ mit gar nicht mal so vielen guten Eigenschaften. Hinter seiner korrekten Art, sich auszudrücken und zu kleiden, verschanzt er viele kleine Gemeinheiten, die er manchmal auch überraschend ehrlich anspricht. Die Gelegenheiten, in denen er rücksichtslos schmollt, werden viele aus ihrem eigenen Leben kennen. Doch versucht es da natürlich jeder zu leugnen, während Elling tut, was er will. Seine gnadenlos ausgeleuchteten Schwächen versetzen den Zuschauer gleichzeitig in Entzücken und regen zum Überdenken bestimmter Verhaltensweisen an.
Einer denkt geradeaus nach vorne, die Überlegungen des anderen bewegen sich wie Pingpong-Bälle durch einen quadratischen Raum. Einmal angestupst, kommen sie nicht mehr zur Ruhe. Es ist bezaubernd zu verstehen, wieso diese Art Symbiose so gut funktioniert. Ihre Intelligenz bringt sie langsam, aber stetig an neue Orte. Sie verweigern sich Herausforderungen, stellen sich ihnen. Man weiß nie, wie sie reagieren, welche Ängste noch unüberwindbar sind. Die Glaubwürdigkeit der Figuren macht die Erzählung spannend. Im Mittelpunkt steht Ellings Panik, den Freund zu verlieren, der frohen Mutes ins Leben hinausstiefelt. Seine Wut über die profanen Wünsche seines Mitbewohners - es geht um Frauen - lässt ihn seinerseits risikofreudig werden. Die Entschlossenheit, gepaart mit großer Angst vor dem Ausgang des Experiments, steht Per Cristian Ellefsens so deutlich ins Gesicht geschrieben, dass sich mancher fragt, ob er Elling ist. Das Ensemblemitglied des Nationaltheaters in Oslo hatte tatsächlich schon lange Zeit die Gelegenheit, sich mit dem von ihm verkörperten Herren anzufreunden. Sowohl er als auch sein Partner Sven Nordin standen bereits 120 Mal als Kjell und Elling auf der Bühne. Die Inszenierung von Peter Naess, der sich in erster Linie als Theaterregisseur sieht, war ein ähnlicher Erfolg wie Haders "Indien". Wenn die beiden sich weiter ins Leben hinaus wagen, verlässt die Kinoversion von "Elling" seine Kammerspiel-artige Hülle und lässt anderen Personen Raum. Es ist gut, dass die Kamera aufhört, ihren Fokus in Kjell Bjarne und Elling zu suchen. Es ist, als entlasse sie die beiden, weil sie jetzt auf sich selbst aufpassen können, keine ständige Kontrolle mehr brauchen. Denn inzwischen haben sie Erfolge gesammelt. Die haben sie gefeiert - und das Publikum mit ihnen. 800.000 Norweger sahen den Film. Prozentual mehr als "Amélie" in Frankreich, prahlen die Macher. Die 74. Oscar-Verleihung sah trotz Nominierung weder für den einen noch für den anderen eine Auszeichnung vor. Aber Menschen wie Amelie, Kjell und Elling brauchen keine Auszeichnung. Sie sind für uns und unsere Herzen. |
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