Jeder ist ein Star!
Ambitioniertes Melodram mit komödiantischen Anleihen um eine 17-Jährige, die trotz körperlicher Nachteile berühmt werden möchte.
Genre: Komödie Start: 07.02.
R: Dominique Deruddere , D: Josse de Pauw, Werner De Smedt , Eva van der Gucht u.a.
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| Marva (Eva van der Gucht) erlebt ihren ersten Fernsehauftritt. Bild von: Time |
Es ist die Geschichte eines Traums. Wenn sich Jugendliche ihre Idole in den Reihen der Popstars suchen, ihre Zimmer mit Postern der Lieblinge verschönern und die Hitparaden hören, nur um das aktuellste Stück des Vorbilds zu hören, ist das vollkommen normal und an der Tagesordnung. Der belgische Regisseur Dominique Deruddere zeigt in seiner liebevoll inszenierten Komödie "Jeder ist ein Star!", wie ein junges Mädchen selbst auf die große Showbühne gelangen will.
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| Marva und Jean (Josse de Pauw) führen ein Vater-Tochter-Gespräch. Bild von: Time |
Die 17-jährige Marva will ein großer Popstar werden. Als Madonna-Double tritt sie beinahe jedes Wochenende in ihrer Heimatstadt auf. Doch der Erfolg scheint sie im Stich zu lassen. Das liegt wohl an ihrer pummeligen Statur, muss sie resigniert feststellen. Doch ihr Vater Jean, ein arbeitsloser Fabrikarbeiter, gibt nicht so schnell auf und entführt kurzerhand die berühmte Sängerin Debbie. Deren Platten verkaufen sich ob des skandalösen Verbrechens noch bahnbrechender als zuvor, ihr Manager ist überglücklich. Er überredet Jean zu einem Geschäft: Der verzichtet auf das Lösegeld, und der Manager verspricht, die unglückliche Marva zum Star zu machen.
Deruddere ist ein beispiellos begabter Geschichtenerzähler. Sein 99-minütiges, teils turbulentes, teils tragikomisches Lustspiel ist vor allem von seiner Liebe zu den Figuren gekennzeichnet. Er macht sich nicht lustig über das aussichtslose Engagement der pummeligen Marva, macht die Inbrunst, mit der sie singt, nicht lächerlich und lässt auch ihren Vater Jean, selbst nicht mit einer schönen Stimme gesegnet, so sein, wie er ist. Doch ist "Jeder ist ein Star!" auch nicht vom Mitleid mit den Figuren geprägt, sondern von begeisterter Fürsprache für ihre ambitionierten Träume.
Wenn gezeigt wird, wie Vater Jean auf höchst eigenwillige Art Songs für seine Tochter komponiert - er singt die Melodie auf einen Kassettenrekorder - ist das einerseits herzerweichend, andererseits aber auch beneidenswert. Denn wer möchte nicht die Kraft haben, seine Träume auf ähnliche engagierte Art und Weise wahr werden lassen?
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| Die fast perfekte Madonna-Kopie: Marva. Bild von: Time |
Seit Jahren und Jahrzehnten steigern Zeitschriften ihre Auflagen mit Geschichten, wie jeder Durchschnittsmensch ein Star werden könne. Dazu werden prominente Beispiele gegeben (wie zum Beispiel Stefan Raab), die vor allem bei Jugendlichen die Hoffnung schüren, es zu schaffen. Tausende melden sich bei Castings zu Retortenbands wie den "No Angels" oder "Bro'Sis". Für Dominique Deruddere ist dieses weltweite Phänomen ein Anlass, um in seinem rührenden, aber vor allem auch witzigen Melodram zu zeigen, wie es auch laufen kann.
"Jeder ist ein Star!" ist eine schöne Geschichte, die das Kinojahr zu ein wenig mehr Besonderheit verhilft. Die Darsteller Josse de Pauw als Jean und Eva van der Gucht als Marva sind dermaßen glaubhaft und in ihrer zurückhaltenden Weise schrullig, dass es eine Freude ist. Dass das Ende turbulenter und absurder nicht verlaufen könnte, ist Deruddere dabei nicht vorzuwerfen, sondern positiv anzurechnen. Denn eine gewisse Ironie macht seinen Film zu einem filmischen Kleinod, das schon mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde.
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