SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 21/05/2002

Down

Der Fahrstuhl des Grauens fährt wieder - Dick Maas präsentiert eine Neuauflage seines eigenen Films.
V: AFM, NL / USA 2001 R: Dick Maas, D: James Marshall, Naomi Watts, Michael Ironside u.a

Bild von: AFM
Jennifer (Naomi Watts) und Mark (James Marshall) haben bei ihren gemeinsamen Recherchen auch die Liebe gefunden.
Recycling ist eine gute Sache, zumindest für die Umwelt. Papier, Flaschen, Dosen und Plastiktüten sollten auf jeden Fall wieder verwendet werden. Aber Filme? Macht das wirklich Sinn? "Der Fahrstuhl des Grauens", der den niederländischen Regisseur Dick Maas bekannt gemacht hat, ist knapp 20 Jahre alt, war ein solider Gruselfilm und wurde jetzt neu aufgelegt. Dabei ist "Down" keine dieser Trotzreaktionen amerikanischer Patrioten, die nie zugeben mögen, wenn ihnen ein Film gefällt, der von außerhalb der USA stammt. Denn auch bei der Neuauflage steht Regisseur Dick Maas hinter der Kamera.
Maas ist nicht so bekannt wie Paul Verhoeven oder Jan De Bont, hat keine bahnbrechenden Kinomomente wie "Basic Instinct" und "Speed" vorzuweisen, sondern drehte Standardware wie die "Flodder"-Fortsetzungen. Seine erfolgreichste Arbeit ist eben jener "Fahrstuhl des Grauens", der sich selbstständig machte und Menschenleben auslöschte. Wie unangenehm es in einem Lift sein kann, der seinem Namen nicht gerecht wird, sondern zwischen den Etagen steckt, hat schon Götz George vor Jahren in "Abwärts" bewiesen.

Bild von: AFM
Steinberg (Michael Ironside, rechts) ist fürwahr nicht erfreut von Marks (James Marshall) Engagement
Maas hält sich nicht mit normalen Menschen und ihren klaustrophobischen Gedanken auf. Er sperrt hochschwangere Frauen im Aufzug des Millennium Buildings ein, schaltet die Klimaanlage ab und lässt Fruchtblasen platzen. Wenn dann die Frischgeborenen schreien, der Zuschauer im nächsten Bild die runzligen Säuglinge wähnt, switcht er zu einem neuen Thema und zeigt zwei Brathähnchen auf dem Grill. Der Holländer lässt also durchaus einen Hang zu makaberem, gerne schwarz gefärbtem Humor durchblicken. Auch der ironische Schlussakkord, ein zum Thema passender Welthit von Aerosmith, tut als Gegenpol zum Gruseln gut. Die Horrorszenen kennt man aus dem Original: So wird ein Nachtwächter, der sich zu weit Richtung Schacht vorwagt, kopflos zurückgelassen, da die Tür zuschnappt und der Lift vorbeirauscht.
Für ein junges Zielpublikum ist die kurzweilige Neuvariation des Themas "Computer außer Kontrolle" gemacht; eine frische Story für die, die zu jung waren, als 1983 das Original lief. Man kann ohne zu schmeicheln behaupten, dass die Inszenierung zügig, spannend, witzig, selten eklig und nie peinlich geraten ist. "Down" ist damit keine überflüssige Nacherzählung eines Klassikers wie Gus Van Sants "Psycho", sondern eher im Fahrwasser von neueren Produktionen wie "Joyride" zu sehen.

Bild von: AFM
Der Fahrstuhl zeigt sich wieder einmal von seiner besten Seite.
James Marshall und Naomi Watts, die einen Techniker und eine Journalistin mit Hang zur Wahrheitsfindung spielen, tragen das Remake, ohne viel Aufhebens zu machen. Die sympathischen Hauptdarsteller sind integer, das merkt man gleich - obwohl die hübsche Watts für ein Revolverblatt schreibt. Sie harmonieren gut, finden die Lösung problemlos, was mit dem schnellen Schnitt koaliert. Wenn das FBI zu ermitteln beginnt, ist der Zuschauer bereits im Bilde, wer und was hinter den mysteriösen Vorfällen steckt.
Gegen Ende schließlich badet Maas in düsteren Actionszenen, die Marshalls durchtrainierten Oberkörper präsentieren und den Verantwortlichen zur Strecke bringen. Doch der eigentlich Schuldige steht gerade als Held auf der Kinoleinwand. Es ist der Adelige aus "Kate und Leopold". Der hat das Ding nämlich erfunden, dieses neumodische Transportmittel, das doch eigentlich das Treppensteigen ersetzen sollte.

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