SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 06/05/2002

Hardball

Schon wieder ein Sportfilm mit Keanu Reeves. Höchste Zeit für eine Rückkehr in die "Matrix".
V: UIP, USA 2001
R: Brian Robbins, D: Keanu Reeves, Diane Lane, John Hawkes u.a.
Genre: Drama

Bild von: UIP
Ein Mann in den besten Jahren kommt nicht mit seinem Leben zurecht. Auf der anderen Seite sind da Kids, die ohnehin nicht viel vom Leben zu erwarten haben. Wäre es nicht fantastisch, wenn sich die beiden Parteien treffen würden und, sagen wir einmal in einem Baseball-Team, als Spieler und Trainer voneinander lernen könnten? Das geschehen zu lassen, ist die Aufgabe von Hollywood-Filmen. Willkommen zu "Hardball", einem Sportfilm, der gar nicht so schlimm ist.
Es ist allerdings eine Produktion, bei der manches übersehen werden sollte, um sie zu mögen. Die Jungs, die trainiert werden sollen, sind ein liebenswert bunter Haufen, voll mit Launen und Wut, aber natürlich mit einer zarten Seele unter der harten Schutzkleidung. Betreut werden sie von Keanu Reeves. Der Schauspieler, der vor zehn Jahren in einem Atemzug mit Brad Pitt und Johnny Depp genannt wurde, hat inzwischen nachhaltig bewiesen, dass er in der Starriege nichts verloren hat.

Bild von: UIP
Seine Ausdrucksfähigkeit darf nach romantischen Schauermärchen wie "Sweet November" oder "Dem Himmel so nah" ebenso bezweifelt werden wie auch seine Versuche, einen Film alleine zu tragen ("Johnny Mnemonic"). Hätte Reeves nicht das Glück gehabt, zunächst in "Speed" und später in "Matrix" dabei gewesen zu sein, wäre er heute vergessen und würde nicht einmal mehr durch drittklassige Sportfilme à la "Helden aus zweiter Reihe" stolpern - wie er das, ohne groß dabei beachtet zu werden, vor einem Jahr tat. Bevor die beiden Fortsetzungen der "Matrix" ins Kino kommen, gibt es nun also einen weiteren Sportfilm, in dem der gebürtige Libanese einen abgehalfterten Spieler und Trinker gibt. Drei-Tage-Bart und die abgewetzte, schwarze Lederjacke sind mehr schlechte als rechte Hilfsmittel, um den Saubermann in diese Rolle zu zwängen. Der Regen klatscht jenem Conor O'Neill ins Gesicht. Ein hektischer Zug an der Zigarette verrät, dass er wieder einmal auf den Ausgang einer unseriösen Aktion wartet. Als ihm einer an den Kragen will, verletzt er sich selbst und brüllt, dass ihm doch wohl niemand besser in den Hintern treten könne als er selbst.
Irritierend ist auch die Zusammenstellung der verschiedenen Filmelemente. Ein ständiges Wechselbad der Szenarien teilt "Hardball" in zwei Hälften: dunkle Spelunken, Geschäftspartner, die Schlägertrupps schicken auf der einen Seite; auf der anderen turnen schwarze Schulkinder mit weißen Stirnbändern und viel zu großen Jacken, Hosen und Rucksäcken über den Sportplatz. Brutale Gewaltszenen und niedliche Freundschaften kleiner Buben, die kaum über eine Schulbank schauen können, stehen sich kaum verbunden gegenüber.

Bild von: UIP
Diese Kontraste schränken die Zielgruppe von "Hardball" ziemlich ein. Für Kinder ist es nicht das Richtige, für Sportfans sind wiederum die Akteure zu jung. Die nebenher eingestreute Liebesgeschichte spielt nicht wirklich eine Rolle. Wer also soll "Hardball" ansehen wollen, außer den eingefleischten Keanu-Reeves-Fans?
Das Drehbuch ist prall gefüllt, und der Film wird straff erzählt. O'Neill lernt, dass Verantwortung bedeutet, noch mehr Fehler zu machen. Fehler, die das Leben anderer ruinieren können. Er wächst zusehends an seinem Team, das von einer attraktiven Lehrerin (Diane Lane) unterrichtet wird. Selbstredend ist die Entwicklung vorhersehbar, auch wenn es die eine oder andere unerwartete Wendung gibt. Man schleicht meist angenehm unprätentiös am Pathos vorbei. Die kleinen, durchweg beeindruckenden Schauspieler zelebrieren das Prinzip Hoffnung und krabbeln elegant am einzigen Strohhalm, den sie entdecken können, der Sonne entgegen. Es ist eine Freude, ihnen zuzusehen, auch weil die Choreografen mit schicken Sportbildern für ein akzeptables Erscheinungsbild sorgen.

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