Montecristo
Kevin Reynolds inszeniert eine bekannte Story von Verrat und unerbittlicher Rache als opulentes Abenteuerdrama mit zeitgemäßer Action.
V: Constantin, GB / USA 2001
R: Kevin Reynolds, D: Guy Pearce, James Caviezel, Dagmara Dominczyk u.a. Genre: Action
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| Bild von: Constantin |
Neue Gesichter für eine alte Geschichte: Ein gutes Argument, sich die 18. Verfilmung des Alexandre Dumas-Klassikers "Der Graf von Monte Cristo" anzusehen, ist die Tatsache, dass Gérard Depardieu nicht mitspielt. Auch andere können schließlich den Degen schwingen. In diesem Fall sind das zwei interessante Schauspieler, die bereits in Hollywood auf sich aufmerksam gemacht haben. James Caviezel ("Der schmale Grat") und Guy Pearce ("Memento") geben ein teuflisches Duo ab, das die Gefühlsskala von absoluter Freundschaft zu kompromisslosem Hass rauf und runter fährt.
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| Bild von: Constantin |
"Wer Freunde hat, braucht keine Feinde" - wenn sich der junge Seemann Edmond Dantes diesen Spruch aus dem Volksmund vergegenwärtigt hätte, wären ihm einige böse Überraschungen erspart geblieben. James Caviezel spielt den arglosen jungen Mann, der sich auf der Insel Elba von Napoleon Bonaparte als Kurier für einen scheinbar harmlosen Brief einspannen lässt. Dieser Dienst wird ihm zum Verhängnis, denn sein vermeintlicher Freund Fernand Mondego (Guy Pearce) schwärzt ihn als Verräter bei den Behörden an. Dantes verschwindet im Chateau d'If, und der falsche Kumpel heimst sich dessen Verlobte Mercedes (Dagmara Dominczyk) ein.
In der neuen Version der Geschichte von Kevin Reynolds werden aus flüchtigen Bekannten dicke Freunde, die ihre Kindheit zusammen verbracht haben. Um so schwerer wiegt der Verrat, den Mondego an Dantes begeht. Die feine Ausarbeitung der Charaktere unterscheidet die Neuverfilmung von den früheren Versionen. Um die Geschichte einer weiteren Generation zugänglich zu machen, reicht dies jedoch nicht aus. Ein moderner Mantel-und-Degen-Film braucht spektakuläre Action. Schon bei "Robin Hood - König der Diebe" bewies Kevin Reynolds mit einer Filmsequenz, in der die Kamera in einer Pfeilspitze angebracht war, dass er auch historischen Sujets die richtige Action und gehöriges Tempo verpassen kann. Bei "Montecristo" tendiert er zu weniger originellen Tricks und arbeitet mit Großaufnahmen und Martial-Arts-Looks.
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| Bild von: Constantin |
Nach der Intrige verbringt der unschuldige Edmond Dantes 13 Jahre in Einzelhaft, gepeinigt von einem brutalen Gefängnisdirektor. Durch Zufall trifft er auf den Abbé Faria (Richard Harris), der ihm Lesen, Schreiben, Wirtschaftstheorie und Fechtkunst beibringt. Und er hinterlässt ihm eine Schatzkarte, die Dantes nach seiner Flucht zum reichen Mann macht und seine Rache als Graf von Monte Cristo ermöglicht. Weiterhin gehören die Kerkerszenen und die Flucht zum faszinierendsten Teil der Geschichte. Caviezel zeigt eindrucksvoll, wie sich ein gutherziger, betrogener Mann in einen Rächer verwandeln kann. Auch Guy Pearce als Fiesling überzeugt mit seiner großen Wandlungsfähigkeit: Seiner Figur Mondego bringt ihr Verhalten kein Glück. Bei dem Wiedersehen mit Dantes wirkt er verlebt und steht kurz vor dem Ruin.
Eigentlich gibt es also an dieser soliden Verfilmung, die den richtigen Mix aus Romantik, Leidenschaft und zeitgemäßer Action bietet, nichts auszusetzen. Die Frage, warum es denn immer und immer wieder dieser Graf von Monte Cristo sein muss, der das alles erleben darf, dürfte trotzdem einmal gestellt werden.
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