| SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 13/05/2002 | ||||||
IrisZurückhaltendes Krankheitsdrama mit Judi Dench in der Titelrolle und einem grandiosen Jim Broadbent, der Emotionen sichtbar werden lässt.
Bezieht man sich auf den Titel des Werkes, man könnte von Themaverfehlung sprechen. So lange die schweigende Autorin in den Mittelpunkt gerückt wird, bleibt der Zuschauer auf Distanz. Selbst die aufflackernden Szenen ihrer wilden Jugend sind nur eine angestrengt wirkende Demonstration von übersteigertem Selbstbewusstsein, das Kate Winslet leidlich visualisiert. Sie entweicht damit endlich ihren Jammer-Rollen, doch ihr ständiges Lachen ist eine gestelzte Darstellung von Enthusiasmus. Es wirkt zudem beinahe schon albern, dass das einzige gemeinsame Merkmal zwischen der alten und der jungen Philosophin die Frisur ist. Was der Betrachter erfährt? Die Autorin ist eine Rebellin, mindestens ab jenem Moment, in dem sie merkt, dass ihr Worte gehorchen. Sie genießt es in vollen Zügen zu leben, erobert den Literaturkritiker John (Jim Broadbent) und neben ihm zahlreiche andere Frauen und Männer.
Die große Autorin fällt vom Thron, ist auf die Unterstützung ihres Mannes angewiesen. Während sie sich die Frage stellt, wie man den Wahnsinn denn erkennen soll, schließlich lebe man doch immer in seinen Gedanken, beginnt der zerstreute Professor Haushalt und Tagesablauf zu organisieren. Einzigartig rührend erledigt er alles, blickt mit seinen meeresblauen Augen seine Iris an, trägt sie auf Händen, lobt sie weiter in den Himmel, und es steht ihm ins Gesicht geschrieben, dass er es nicht fassen kann, dass sie ihn genommen hat.
Doch wann immer der Blick auf Jim Broadbent gerichtet wird, berührt dieser Film. Als Zuschauer bleibt man fast unfreiwillig an der Figur Bayley hängen. Während man an Iris abgleitet, transportiert er durch die ihm innewohnende Tragik Emotion. Langsam tritt der Gatte aus ihrem Schatten. Etwas, das der echte Bayley nie geschafft hat. Er schrieb lediglich die Memoiren, die Richard Eyre für seinen Berlinale-Beitrag als Basis dienten. Wie eine späte Belohnung wirkt es, dass Broadbent den Oscar für seine grandiose darstellerische Leistung erhielt, während Judi Dench nicht ausgezeichnet wurde. Ganz wie im Leben war sie in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" und er als "Bester Nebendarsteller" nominiert. Doch es ist alleine sein Verdienst, dass "Iris" immerhin ein trauriger Film über das Altwerden geworden ist und eine neue Definition des Begriffs Stärke liefert. |
||||||
| https://sisa2.hokeypokeyland.org//top_acts/kino |