SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 21/05/2002

Crime is King

Gut zwei Jahre nach den Dreharbeiten kommt der Actionfilm mit Kevin Costner und Kurt Russell nun doch noch in die deutschen Kinos.
V: Warner, USA 2000
R: Demian Lichtenstein, D: Kurt Russell, Kevin Costner, Christian Slater u.a.

Bild von: Warner
Nach dem Überfall auf ein Casino werden sie zu Rivalen: Michael (Kurt Russell, links) und Murphy (Kevin Costner).
Mein Gott, ist das eine unglückliche Vorgeschichte. Dieser Film hatte in den USA ein unterirdisch schlechtes Einspielergebnis. Er hatte mehrheitlich negative Kritiken. Ob er in Deutschland auf den Markt kommt, war lange völlig offen. Die Dreharbeiten liegen schon mehr als zwei Jahre zurück. Nun entschloss sich Warner doch noch zu einem Kinostart, der genau eine Woche nach dem Blockbuster "Star Wars - Episode 2" sein wird. Aus unerfindlichen Gründen wurde zudem der Originaltitel geändert: Aus "3.000 Miles to Graceland" wurde in Deutschland "Crime is King". Gewalt soll also König sein. Angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen denkbar unpassend. Nichts deutet also darauf hin, dass dieser Film ein Erfolg werden könnte. Fast nichts.
Man könnte Mitleid mit den beiden Hauptdarstellern haben. Kevin Costner und Kurt Russell waren in den letzten Jahren ihrer Karriere nicht gerade Garanten für Kinoerfolge. Dabei haben beide einiges gemeinsam: Beide spielten sie den Westernhelden Wyatt Earp, beide haben Auftritte in ihrer Filmografie, von deren Qualität sie bis an ihr Lebensende werden zehren können ("Der mit dem Wolf tanzt", "Die Klapperschlange"). Und beide stehen nun schon seit langem an einem Scheideweg in ihrer Karriere, mussten sie doch viele Flops wegstecken.

Bild von: Warner
So bewegt man sich möglichst unauffällig bei der Elvis-Woche in Las Vegas. Von links: Gus (David Arquette), Michael (Kurt Russell), Murphy (Kevin Costner), Hanson (Christian Slater) und Franklin (Bokeem Woodbine).
Nun also "Crime is King", eine rüde Mischung aus Actionfilm, Roadmovie und Gewaltorgie. Vor allem die erste halbe Stunde ist nichts für empfindsame Gemüter: Las Vegas feiert eine Elvis-Woche. Und genau zu diesem Zeitpunkt entschließen sich fünf Kriminelle, in Elvis-Kostümen ein Casino auszuräumen, was den Titel "Crime is King" erklärt, ihn aber nicht besser macht. Regisseur Demian Lichtenstein hatte sein Auskommen bisher vor allem mit Video-Clips und Werbespots. Das merkt man. Vor dem grellen Glitzern der Stadt spielt sich in schnellen Schnitten ein Überfall ab, dessen visuelle Darstellung wie eine Mixtur aus Quentin-Tarantino- und John-Woo-Filmen daherkommt.
Murphy (Costner), Michael (Russell), Hanson (Christian Slater), Gus (David Arquette) und Franklin (Bokeem Woodbine) marschieren also schwer bewaffnet, aber einigermaßen ungestört hinein, räumen das Geld aus und ballern sich anschließend den Weg hinaus frei. Furios hat Lichtenstein diesen Raub in Szene gesetzt. Genreanhänger dürften begeistert sein, Moralisten weit weniger.

Bild von: Warner
Murphys Bande ist unterwegs zum großen Coup: Die meisten von ihnen überleben nicht lange.
So temporeich der Beginn auch ist, so vehement zieht Lichtenstein im Anschluss die Bremse. Denn Murphy hat nicht vor, die 3,2 Millionen Dollar Beute aufzuteilen. Zügig wird die Gang dezimiert, und es läuft auf ein Duell von Costner und Russell hinaus, die um das Geld streiten, es abwechselnd auch besitzen, um es gleich wieder zu verlieren. Dezent fügt der Plot nun eine Liebesgeschichte mit ein: Cybil (Courteney Cox) betritt die Bühne, eine allein stehende Mutter, die sich in Michael verliebt, womöglich aber doch ein doppeltes Spiel mit den beiden Konkurrenten treibt. Allzu leicht fällt der Zugang dem Zuschauer nicht. "Crime is King" verfügt über keinen einzigen wirklich sympathischen Charakter. Ganz offensichtlich wohl fühlt sich Kevin Costner in der ziemlich eindimensionalen Rolle des üblen Schurken ohne Mitgefühl. Schwerer hat es da Kurt Russell, dem der Plot zumindest eine Hand voll freundlicher Momente gibt. Sehenswert sind vor allem die wenigen Szenen, in denen sich die beiden im Verlauf der Handlung begegnen und sich allerlei Wahrheiten und Lügen offenbaren.
Dass es am Ende nicht allzu viele Sieger geben kann, ist klar. Nach einigen Längen treibt die Story auf ihren Showdown hin. Amüsant: Am Rande geht es um die Vergangenheit der Protagonisten, die in direkten Zusammenhang mit dem King steht. Eine unterhaltsam-spannende Idee, die kaum ausgeführt wird, dem Film aber ihren Stempel aufdrückt. Sonderlich originell ist "Crime is King" bei alldem trotzdem nicht. Aber sicher auch nicht so mies, wie der Ruf, der ihn bis in die deutschen Kinos begleitet. Schließlich hält Kurt Russell für seine Fans beim Abspann ja noch eine besondere Überraschung bereit: Als Kind hatte er einen seiner ersten Filmauftritte, als er dem echten Elvis Presley gegen das Schienbein treten durfte ("It Happened at the World's Fair", 1963). 16 Jahre später schlüpfte er in die Rolle des King in einer für den Golden Globe nominierten Filmbiografie von John Carpenter. Und nun darf Russell ein weiteres Mal seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Imitator des Rock'n'Roll-Königs unter Beweis stellen.

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