SiSA - Das Event-Port für Augsburg : 21/05/2002

Seitensprünge in New York

Der Film von Edward Burns erzählt charmant, tiefgründig und mit pointiert-witzigen Dialogen Geschichten aus dem Leben, die gleichermaßen anrühren und erheitern.
V: Kinowelt, USA 2000 R: Edward Burns, D: Edward Burns, Heather Graham, Stanley Tucci u.a.

Bild von: Kinowelt
Maria (Rosario Dawson) und Tommy (Edward Burns) lernen sich eines Tages durch Zufall kennen und sind voneinander fasziniert.
´Voller Stolz gedreht in den USA.` Mit diesen Worten endet der neue Film von Edward Burns. Auch wenn das Statement sicherlich nicht ganz frei von einem ironischen Unterton ist - es erscheint absurd, dass die romantische Komödie ´Seitensprünge in New York` nach dem 11. September verschoben wurde. Die Filmsequenzen, in denen die Türme des World Trade Centers zu sehen sind, würden dem Publikum die Ereignisse nur noch einmal mehr ins Gedächtnis zurückrufen, begründete das Paramount-Studio damals seine Entscheidung. Nun, fast ein dreiviertel Jahr später, kommt der Film in die deutschen Kinos.
´Sidewalks in New Yorks`, so der Originaltitel, erzählt Geschichten vom Leben - nicht mehr und nicht weniger, aber auf eine wunderbare Art und Weise. Unaufgeregt und dennoch eindringlich. Kühl und trotzdem intim. Wenig aufwändig und doch stark in der Wirkung.

Bild von: Kinowelt
Die süße Kellnerin Ashley (Brittany Murphy) ist auf der Suche nach der großen Liebe.
Die Quelle seiner Inspiration kann Edward Burns, der für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet und auch eine der insgesamt sechs Hauptrollen übernahm, allerdings nicht leugnen. Die Nähe zu Filmen von Woody Allen ist aber wohl gewollt und zeigt sich in erster Linie in der Bewunderung für New York und in der Wahl der Themen. Es geht um Liebe, Beziehungen, Treue und nicht zuletzt auch um Sex beziehungsweise die (Un)-Möglichkeit, diese Elemente miteinander so zu verbinden, dass sie einen glücklich machen.
Der Film setzt sich aus vielen kleinen Episoden zusammen. Jede einzelne ist dabei in sich komplett und erzählt spielerisch die Geschichte eines Menschen, die immer gleichzeitig auch auf das Leben der anderen Einfluss nimmt: Durch Zufall trifft der TV-Produzent Tommy (Edward Burns) eines Tages in einer Videothek auf Maria (Rosario Dawson), die sich gerade von ihrem Ehemann Benjamin (David Krumholtz) getrennt hat. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Benjamin indes bändelt aus Trotz und verletzter Eitelkeit mit der jungen, attraktiven Kellnerin Ashley (Brittany Murphy) an, die allerdings bereits ein Verhältnis mit dem wesentlich älteren Zahnarzt Griffin (Stanley Tucci) hat. Der ist verheiratet mit Annie (Heather Graham), die wiederum, als sie hinter das Verhältnis ihres Mannes kommt, auch bereit ist für ein kleines Abenteuer. Dann lernt sie Tommy kennen. Den TV-Produzenten. Nur zur Erinnerung ...

Bild von: Kinowelt
Zwischen Ashley (Brittany Murphy) und Benjamin (David Krumholtz) funkt es am Ende trotz einiger Auseinandersetzungen
Geschickt verwebt Burns die Handlungen miteinander und vermittelt glaubwürdig und auf eine liebevoll-charmante Art das Lebensgefühl einer Generation von Großstädtern, die hin- und hergerissen ist zwischen der Suche nach dem großen Glück und der Lust am erotischen Abenteuer. Die Parallele zu der sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland erfolgreich gelaufenen Serie "Sex and the City" drängt sich auf, und doch ist "Seitensprünge in New York" mehr als das im Vergleich dazu oberflächlich erscheinende Geplänkel der so sehr amerikanischen Frauen aus der Fernsehproduktion. Die mitunter meditativ angehauchten Dialoge über Liebe und das Zusammenleben von Mann und Frau bei Burns gehen tiefer. Sie kommen pointiert, witzig und scharfsinnig daher und sind so von unglaublicher Spontaneität und Aussagekraft.
Inmitten diese vielen zufälligen Begegnungen und Beziehungen, platziert Edward Burns - auch eine Parallele zu Woody Allens "Ehemänner und Ehefrauen" - Szenen, die die Charaktere aus ihrer jeweiligen Geschichte heraustreten und über ihr Leben philosophieren lassen. Von einem (fiktiven) Interviewer werden sie mitten auf der Straße nach ihrem ersten Sex, ihrer ersten Enttäuschung oder ihrem Verständnis von Treue befragt. Diese Sequenzen wurden ausschließlich mit einer Handkamera gedreht, die ihnen einen dokumentarisch anmutenden Stil verleiht. Die Personen erscheinen durch diese Technik zunächst distanzierter als in den Spielszenen. Doch wer genau hinhört, wird auch hier - wie im ganzen Film - viele schöne, kluge Lebensansichten und -weisheiten entdecken. Letztlich geht es doch auch bei Burns nur um eines - das ganz große Glück. Wie auch immer das aussieht.

https://sisa2.hokeypokeyland.org//top_acts/kino