Verbrechen verführt
Zwei Freundinnen versuchen sich als Erpresserinnen, nachdem sie zufällig in die Quere einer Bankräuber-Truppe geraten. Nette Brit-Komödie von Mel Smith ("Bean - der Katastrophenfilm")
V: Buena Vista, GB 2001
R: Mel Smith, D: Minnie Driver, Mary McCormack, Kevin McNally u.a.
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Bild von: Buena Vista Shannon (Minnie Driver, links) und Frances (Mary McCormack) versuchen, sich bei der Polizei Gehör zu verschaffen. |
Zwei Dinge haben - zumindest im Film - alle Erpressungsversuche gemein. Erstens: Sie scheinen, oberflächlich betrachtet, simpel und Erfolg versprechend zu sein. Zweitens: Ganz so einfach funktioniert's am Ende leider doch nicht. Auch "Verbrechen verführt" weicht von diesen Grundsätzen nicht ab, spinnt aber noch einen Nebenplot: Zwei gute Freundinnen, sozusagen die englischen "Thelma und Louise", wachsen durch ihre kriminellen Aktivitäten eng zusammen - Girl Power, die dank der Regie von Mel Smith ("Mr. Bean") mit dem simplen Britney-/Spice-Girls-Getue unserer Tage herzlich wenig zu tun hat.
Die beiden Freundinnen Shannon (Minnie Driver) und Frances (Mary McCormack) führen ein wenig spektakuläres Londoner Leben. Shannon ist Krankenschwester und im Dauerstress mit ihrem Freund Ray (Darren Boyd), Frances arbeitet als Schauspielerin in seltsamen Billig-Theaterstücken und synchronisiert ab und an einen Zeichentrickfilm. Rays seltsames Hobby, fremde Telefongespräche abzuhören und aus künstlerischen Zwecken auf Tonband aufzunehmen, bringt die beiden Frauen zufällig auf die Spur eines zeitgleich stattfindenden Bankraubs: Der etwas dümmliche Danny (Danny Dyer) steht Schmiere, während in einer Bank in der Nachbarschaft ein großer Bruch stattfindet.
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Bild von: Buena Vista Gangsterboss Kerrigan (Michael Gambon) genießt sein Leben. Als er hört, dass seine Jungs sich erpressen lassen, ist er nur mäßig begeistert. |
Dank Rays technischer Raffinesse befinden sich Shannon und Frances rasch im Besitz von Dannys Telefonnummer. Nachdem ihnen bei der Polizei kein Glauben geschenkt wird, beschließen sie, Danny zu erpressen, und fordern erst einmal 300.000 Pfund. Nun beginnt ein gefährliches Katz- und Mausspiel. Einerseits sind da die Bosse Dannys, die die Störenfriede rasch beseitigen möchten, andererseits die nervige Polizei. Als schließlich der skrupellose Gangster Mason (Kevin McNally) Danny tötet, wird es für die beiden Frauen eng. Aber sie sind durch etwas Fleiß und viel, viel Glück an Masons Telefonnummer gekommen und setzen jetzt direkt dort an - mit verblüffenden Ergebnissen.
Natürlich sind es vor allem die beiden Hauptdarstellerinnen, die "Verbrechen verführt" so sehenswert machen. Frech und selbstbewusst preschen sie nach vorne und diktieren - trotz einiger Zwischenfälle - bald selbst den größten Ganoven das Geschehen. Mary McCormack ist ihre Rolle dabei auf den Leib geschnitten: Im forschen, aber völlig übertriebenen Soho-Gangsterslang stellt sie ihre Geldforderungen, zunächst an Danny, später an Mason. Regisseur Mel Smith gelingt es, den Film zusätzlich mit einigen urkomischen Running-Gags anzureichern. So durchkreuzt den ganzen Film über ein völlig inkompetentes und überfordertes Polizistenduo die Pläne der Erpresserinnen, was deutlich die Züge von Smiths "Mr. Bean"-Vergangenheit trägt, aber auch ein wenig an "Inspector Clouseau" erinnert.
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Bild von: Buena Vista Frances (Mary McCormack, links) und Shannon (Minnie Driver) schmieden neue Pläne, um an ihr Geld zu gelangen. |
In Sachen Optik und Ausstattung orientierten sich Smith und Kameramann Steven Chivers vor allem an Gangsterkomödien der 60er- und 70er-Jahre. Bisweilen wirkt dieser Vintage-Chic aber etwas aufgesetzt, beispielsweise, wenn der Regisseur im furiosen Showdown schon einmal die Leinwand teilt, um mehrere Settings auf einmal zu zeigen, während im Hintergrund flotte Retro-Rhythmen laufen. Insgesamt reiht sich der Film aber nahtlos in die Gruppe erfolgreicher GB-Produktionen wie "Shooting Fish" oder "Lebe lieber ungewöhnlich" ein, dürfte dank einiger ordentlicher Schießereien und Verfolgungsjagden aber auch Freunde gepflegter Hollywood-Action überzeugen.
Wer sich schon mal einen ersten Eindruck von den verführenden Verbrecherinnen machen will, der schaue sich diesen Trailer zum Film an:
Verbrechen Verführt
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